Die illegale Verbreitung intimer Fotos über soziale Netzwerke ist kein Jugendstreich. Im schlimmsten Fall kann es die Beteiligten sogar direkt vor das Gericht bringen. Drei junge Leute hatten dabei aber noch Glück, denn Jugendrichter Christoph Berner stellte das Verfahren gegen sie kurzerhand gegen gemeinnützige und unentgeltliche Arbeitsstunden ein.

"Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen" heißt der Straftatbestand offiziell. Im vorliegenden Fall hatte eine 16-Jährige ihrem gleichaltrigen Freund zwei Nacktfotos auf dem Smartphone von sich anvertraut. Als die Beziehung nach vier Wochen wieder vorbei war, schickte der die Bilder an einen zwei Jahr älteren Bekannten, der zwischenzeitlich ebenfalls mit dem Mädchen befreundet war. Als auch diese Beziehung zu Ende ging, schickte der junge Mann die Nacktbilder an eine 15 Jahre alte Bekannte aus der Klasse des Mädchens. Sie stellte die Aufnahmen kurzerhand in den Whatsapp-Klassenchat, auf den etwa 20 Personen aus der Klasse des Mädchens Zugriff hatten. Sie habe das getan, um das Mädchen bloßzustellen, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft bei der Verlesung der Anklage. Das Opfer wurde in der Folge entsprechend gemobbt, so dass ihre Eltern Strafantrag gegen die Beteiligten stellten.

Vor Gericht räumten alle drei Angeklagten die Sache ohne Umschweife ein und drückten ihr Bedauern darüber aus. Er habe gar nicht gewusst, dass das strafbar ist, sagte der 16-jährige Auszubildende, der zuerst mit dem Opfer befreundet war. Er habe sich nichts dabei gedacht, räumte aber auch ein, dass die Bilder ursprünglich natürlich nur für ihn gedacht waren.

Der 18-jährige, der die Bilder an die Bekannte aus der Klasse des Mädchens weitergeleitet hatte, sagte zwar, dass er Mist gebaut habe, er sagte aber auch aus, dass die 16-jährige ihn zuvor beleidigt, schlecht gemacht und falsche Sachen über ihn verbreitet habe. Auch über die 15-Jährige, die früher die beste Freundin des Mädchens war, soll sie in der ganzen Schule Lügen erzählt haben. "Ich war sauer auf sie", bekannte die 15-Jährige ganz offen. Deshalb habe sie die Nacktfotos an den Klassenchat geschickt. "Das war falsch, was ich da gemacht habe", sagte sie kleinlaut zum Richter. Sie habe sich aber mittlerweile entschuldigt und spreche auch wieder mit dem Opfer.

Weil alle drei Angeklagten den Tatvorwurf einräumten, konnte das Gericht auf die Zeugenaussage des 16-jährigen Opfers verzichten. Dem 18-Jährigen attestierte der Vertreter der Jugendgerichtshilfe eine stark verzögerte Reifeentwicklung.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft und Richter Berner kamen daraufhin überein, das Verfahren gegen alle drei Angeklagten vorläufig einzustellen. Als Auflage setzte der Jugendrichter gegen die 15-Jährige 70 unentgeltliche gemeinnützige Arbeitsstunden bei der Geschwister-Gummi-Stiftung fest, gegen den 18-Jährigen aufgrund des geringeren Tatbeitrages 50 Arbeitsstunden. Weil er den geringsten Tatbeitrag geleistet hatte, kam der 16-Jährige ohne Auflage davon. Der junge Mann hat allerdings aus einer anderen Verurteilung wegen Unterschlagung ohnehin noch 50 Arbeitsstunden offen.

"Sie müssen lernen, dass sie anderen nicht das zufügen, was sie selbst nicht möchten", gab Richter Berner den Angeklagten mit auf den Weg.