Der Nachbarschaftsstreit in einem Kulmbacher Zweifamilienhaus ging schon seit Jahren. Am 30. Juni 2016 eskalierte die Situation. Ein 31-jähriger Arbeiter vermöbelte seinen 71-jährigen Nachbarn so sehr, dass der Mann mehrere Verletzungen erlitt. Vor Gericht gab es dafür jetzt die Quittung: Wegen vorsätzlicher Körperverletzung wurde der 31-Jährige zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.


Ständige Streitereien


Auf der einen Seite ein junges Ehepaar mit zwei kleinen Kindern, auf der anderen ein alleinstehender älterer Herr: Das waren nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für ein gutes Miteinander. Es habe ständig Streitereien gegeben, sagte der Angeklagte. Der ältere Nachbar habe immer wieder seine Frau und die Kinder drangsaliert, überall herumgeschnüffelt, seine Familie habe schon richtig Angst vor ihm gehabt.

Er räumte ein, dass er an diesem Tag überreagiert habe. Er habe den Nachbarn geschubst, einen leeren Bierkasten nach ihm geworfen, ihn mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und mit dem Fuß gegen die Beine getreten. Vor Gericht wollte der Angeklagte sich entschuldigen und dem Nachbarn die Hans reichen, doch der 71-Jährige nahm dies nicht an.


Mit Bierkasten geworfen


Stattdessen berichtete er, dass die jungen Leute sein abgestelltes Motorradgestell widerrechtlich entfernt hätten. Das sei auch der Grund für die Auseinandersetzung an diesem Tag gewesen. Als er das Gestell mit einer Kette am Baum befestigen wollte, sei er zunächst mit der Ehefrau, dann mit dem Angeklagten selbst in die Haare geraten. Der Bierkasten habe ihn zwar nicht getroffen, doch sei er über eine Hecke ins Gestrüpp geflogen. Auf den Schlag ins Gesicht sei eine zahnärztliche Behandlung gefolgt, die Schmerzen hätten drei Wochen lang angedauert. Auch der Tritt gegen sein Bein habe Folgen gehabt. Ein halbes Jahr habe er unter den Schmerzen gelitten, ein Attest über blaue Flecken lag vor.

"Er ist schon einer, der gerne mal provoziert", sagte die Ehefrau des Mannes, die noch immer in der Wohnung lebt. Gleichwohl gebe es mittlerweile keinen Ärger mehr. Ob es daran liegt, dass der Angeklagte nicht mehr dort wohnt, blieb offen. Der 31-Jährigesitzt derzeit eine Haftstrafe wegen einer anderen Körperverletzung in der Justizvollzugsanstalt Bayreuth ab.


14 Mal vorbestraft


Insgesamt brachte es der Angeklagte auf 14 Vorstrafen seit seinem 16. Lebensjahr. Der jetzige Gefängnisaufenthalt ist nicht der erste. Fast wäre er Ende des Monats nach verbüßten zwei Dritteln entlassen worden, wäre da nicht das jetzige Verfahren gewesen.

Die letztlich auch verhängte Haftstrafe von sechs Monaten hatte bereits der Vertreter der Staatsanwaltschaft gefordert. Dabei hielt der dem 31-Jährigen den langwierigen Nachbarschaftsstreit sogar noch zugute. Auf nur vier Monate hatte dagegen Verteidiger Hilmar Lampert aus Bayreuth plädiert. Sein Mandant habe aus Sorge um Frau und Kinder gehandelt, so der Verteidiger.