Da war so richtig jugendliche Power drin, eine gehörige Portion Dramatik, Vulgärsprache, Traumdeuterei und Gewalt. Und viel zum Nachdenken über Aufstieg und Fall, über Schicksale, die Gott lenkt, gepaart mit der unerschütterlichen Kraft des Glaubens. Die fast 700 Besucher erlebten überschäumende Lebensfreude ebenso wie tiefe Traurigkeit, fluoreszierende Farbenpracht und heiße Rhyhmen.


Mimisch begabte Laien

Ein gut abgestimmter, kontrastreicher Chor, der alle Gefühlsregungen nuancierte, und mimisch begabte Laien prägten die Aufführung. Das Publikum zeigte Enthusiasmus, verfolgte das Geschehen auf der Bühne in oft regungsloser Anspannung oder innerer Betroffenheit.

Eineinhalb Stunden wussten die etwa 80 Interpreten aus der Region Franken, darunter zwölf Mitwirkende aus der Gemeinde Neudrossenfeld, und eine pulsierende Band, echte Gospel-Stimmung, Melancholie und die harten Gesetze einer "Gang" mitreißend darzustellen, Rufmord-Vergewaltigung inbegriffen.

Die Geschichte handelt von Josef, der von seinen Brüdern aus Eifersucht fast umgebracht und als Sklave nach Ägypten verkauft wird, später im Gefängnis sitzt und danach - begleitet von immenser Glaubensstärke - zum zweitmächtigsten Mann im Staat aufsteigt.

Der überkonfessionelle Verein Adonia organisiert solche Musicals, mit vorherigen Camps, wo sich die Jugendlichen kennenlernen und alles einstudieren, um dann auf Konzertreise zu gehen. Bei ihrer viertägigen Tournee durch Franken machte Adonia jetzt in Neudrossenfeld Station - mit überwältigendem Erfolg.

Es passte alles zusammen, angefangen von der Choreografie und der spannungsgeladenen Handlung bis zur stimmlichen Qualität und den schauspielerischen Fähigkeiten.

Josef, erst getreten, geschlagen, geknebelt, erbarmungswürdig ("Wo bist du, mein Gott?"), danach umworben, der Vergewaltigung verdächtigt. Und schließlich der strahlende Held. Diese nicht leichte biblische Szenerie in moderner Fassung umgemünzt traf den Nerv der Zeit, die Gratwanderung zwischen ursprünglicher Überlieferung und aktueller Deutung gelang punktgenau. Schuld und das Wunder der Versöhnung bekamen ein Gesicht, ein Bonhoeffer-Gedicht ließ Tränen in die Augen steigen, später eine rauschende Party. Emotionalität zog sich wie ein roter Faden durch die Story, man spürte förmlich die Begeisterung der jungen Leute, ihren Gefühlen ohne Selbsteinschränkung Ausdruck zu geben.

Mit einem wunderschönen Schlussbild und der Adonia-Hymne verabschiedeten sich Chor, Band und Schauspieler von einem heftig applaudierenden Publikum. Ein großartiger Abend in Neudrossenfeld.
Schon zweimal dabei war die 15-jährige Gymnasiastin Anna-Lena Bauer aus Pechgraben. Sie verbringt ihre Freizeit in der kirchlichen Jugendgruppe von Neudrossenfeld und kam so zu Adonia. Sie hat viel Spaß dabei, wie sie versichert.


Freundschaften und Erfahrungen

"Theater spielen und Singen im Chor bringt Freundschaften, man sammelt neue Erfahrungen. Und vor so vielen Leuten aufzutreten, ist doch cool", sagt sie und lacht.

Manuel Hermsdörfer aus Altdrossenfeld ist schon fast ein Profi. Er reiste schon mehrmals mit der Truppe. "Im ersten Jahr verstärkte ich den Chor, danach war ich der Jesus, und jetzt verkörpere ich den Juda, einen der Brüder von Josef. Das stellt einen immer wieder vor neue Herausforderungen", meint der 18 Jahre alte Gymnasiast.

Die beiden Lokalmatadoren schauen sich verständnisvoll an. Man merkt, wie gut ihnen die Bühne tut.