Was passiert mit der ehemaligen Metzgerei Lauterbach? Gibt es Interessenten an dem traditionsreichen Geschäft mitten im Herzen von Kulmbach? Kommt vielleicht wieder eine Metzgerei in das Gebäude, in dem einst Rolex-Gründer Hans Wilsdorf geboren wurde?

Ein Gerücht besagt, dass die Frankenfarm die Metzgerei übernehmen und dort eine weitere Filiale eröffnen will. Doch daran ist nichts dran, wie Frankenfarm-Geschäftsführer Jürgen Stübinger auf Nachfrage erklärt. Gleichwohl räumt er ein, Interesse an den Lauterbach-Mitarbeitern zu haben, "weil wir Leute suchen".

Zehn Mann könnten anfangen

Zehn Mann könnte die "Frankenfarm" übernehmen. Ein Lauterbach-Metzger habe schon bei ihnen angefangen. Aber die Lauterbach-Mitarbeiter würden wohl noch die weiteren Entwicklungen abwarten und persönliche Angelegenheiten regeln, spekuliert er. Dass die Leute lange auf Jobsuche sein werden, glaubt er nicht. "Jeder, der in der Branche eine Arbeit sucht, kriegt eine."

Die "Frankenfarm", so Stübinger weiter, habe jedenfalls kein Interesse an einem Geschäft in der Innenstadt. "Wir haben ja einen großen Laden etwas draußen." Ziel sei es nicht, das Filialnetz zu erweitern, sondern die bestehenden Filialen zu stärken.

Dass wieder eine Metzgerei in die Räumlichkeiten am Marktplatz einzieht, hält er für unwahrscheinlich. "Das wird wohl sehr schwer. Das ist die falsche Branche am falschen Ort", sagt er mit Blick auf die Entwicklung der Innenstädte.

Es gibt noch ein weiteres Gerücht, das sich hartnäckig hält: dass Bernd Förtsch Interesse an dem Gebäude hat. Das dürfte nicht verwundern. Denn der Kulmbacher Börsenunternehmer hat in der unmittelbaren Nachbarschaft das "Weiße Roß" gekauft. Im Februar genehmigte der Stadtrat den Bauantrag, dort weiter ein Hotel zu betreiben und unten wieder eine Gastwirtschaft einzurichten. Dort will Förtsch sein eigenes Bier aus der Brauerei Haberstumpf ausschenken.

Förtsch plant, im denkmalgeschützten Gebäude am Marktplatz die Küche zu verkleinern und die Fläche der Gastwirtschaft zu vergrößern. Dort sind insgesamt 67 Sitzplätze vorgesehen. Die Fenster im Erdgeschoss werden durch bodentiefe Fenstertüren ersetzt, so dass künftig ein direkter Zugang zur Außenbewirtschaftung am Marktplatz besteht.

Ob an dem Gerücht, dass Förtsch nun auch die Metzgerei Lauterbach kaufen will oder schon gekauft hat, etwas dran ist, ließ sich am Donnerstag nicht offiziell in Erfahrung bringen. Weder Förtsch noch Ursula Lauterbach waren für eine Nachfrage zu erreichen.

Die Kulmbacher Traditionsmetzgerei Lauterbach, die 1960 als Familienbetrieb gegründet worden war, hatte Anfang Juni ihre Tore für immer geschlossen. Firmenchefin Ursula Lauterbach hatte zusammen mit Uwe Krautz das Fachgeschäft am Marktplatz geführt.

Nach ihren Worten hatten mehrere Gründe zur Schließung geführt: Zum einen nannte sie den Umstand, dass es schwierig sei, gutes Personal für den Betrieb zu finden. Zum anderen habe sich das Problem gestellt, dass es keinen Nachfolger gab, der die Metzgerei hätte übernehmen wollen. Zudem hatte der Umbau des Eku-Platzes für einen Umsatzrückgang gesorgt. Ursula Lauterbach sprach von einem Umsatzeinbruch in Höhe von 30 Prozent. Und zu guter Letzt nannte die Chefin behördliche Auflagen und daraus resultierend hohe bauliche Investitionen, die zu der Entscheidung geführt hätten, das Geschäft aufzugeben.

Eigentlich hätte erst Ende Juni endgültig Schluss sein sollen. Doch dann standen Kunden überraschend früher vor verschlossenen Türen. Der Grund für die vorzeitige Schließung war einfach: Die Metzgerei mit Feinkostabteilung war ausverkauft.