"Feier dein eigenes Fest" heißt ein Lied aus der Punkrockschmiede der Kulmbacher Band "Euroschäck". Die Musiker nahmen den Titel wörtlich und feierten mit 430 begeisterten Fans in der brechend vollen Altenkunstadter Kleinkunstkneipe "Nepomuk" eine Rock-'n'-Roll-Sause, bei der sich die Ansage von Stefan "Das Eich" Eichner, Kultkomödiant und bekennender "Euroschäck"-Fan bewahrheitete: "35 Jahre und kein bisschen leise." Die Jubilare ließen sich nicht lumpen und bescherten ihre Gäste auch mit musikalischen Perlen aus den Anfangstagen der Band, wie "Ratten in der Nacht".
20 Jahre befand sich das Lied im Dornröschenschlaf, ehe es von der Gruppe im Rahmen eines Punk-Rock-Medleys wieder zu neuem Leben erweckt wurde. "Der Song erinnert mich an die frühen 80er Jahre, als der Punkrock frischen Wind in die Kulmbacher Musikszene gebracht hat", erklärte nach dem Konzert ein abgekämpfter, aber zugleich freudig strahlender Markus Köstner, seines Zeichens Schlagzeuger der Band.


Keine Altersgrenze

Bei den Rockfans scheint es inzwischen keine Altersgrenze mehr nach oben zu geben: "Ganz in Weiß" sang dereinst Roy Black. Die Dame, die mit ihren 76 Jahren und ganz in Schwarz neben die Bühne stand, hat mit Schlager-Trallala nichts am Hut. "Ich mag harte Musik. Sie berührt mich und macht mich glücklich", bekannte Uschi Sztander im Brustton der Überzeugung.
Selbstverständlich war die agile Seniorin aus Bayreuth auch gekommen, um ihrem Sohn Stefan Eggmaier, dem "Euroschäck"-Bassisten, zu seinem halbrunden Gruppenjubiläum zu gratulieren. Im Rausch der "Euroschäck"-Hymnen reckte sie immer wieder ihre Arme voller Freude nach oben.
Andere mögen es mal leise, mal lustig oder auch mal ganz laut. Aus diesem Holz geschnitzt ist Stefan Eichner aus Kulmbach. An diesem Abend kalauerte er nicht unter seinem Künstlernamen "Das Eich" und kam auch nicht als fränkische Inkarnation des Liedermachers Reinhard Mey daher.


Zurück aus der Gruft

Als Frontmann der Gruppe "Motorcöck", unterstützt von Mats Kator am Schlagzeug und Michael Druse an der Gitarre, ließ er den verstorbenen "Motörhead"-Sänger Lemmy Kilmister zur Freude der Besucher mit krächzendem Organ aus der Rock-'n'-Roll-Gruft auferstehen.
Wie ein Fels in der oberfränkischen Punkrockbrandung standen anschließend die bereits erwähnten Eggmaier und Köstner sowie Ed Bergmann (Gitarre) und Jürgen "Brandy" Schäck (Gesang) von der Formation "Euroschäck" auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Unterstützt von den ehemaligen Gruppenmitgliedern Frank Zeutschel (Gitarre) und Bernd Walter (Bass) sowie Stefan Eichner rauschte die Kapelle im Eilzugtempo durch 35 Jahre Bandgeschichte. Bei dem Klassiker "Leben ist Fleisch" formierten sich Eichner und Walter zu einem fulminanten Chor.
Die Töne klangen so knackig und frisch wie am ersten Tag. Die Texte aus der Feder Schäcks offenbarten mitunter eine Zeitlosigkeit: Es wurden Menschen am Rande der Gesellschaft besungen. Punk-Rock-Hits am laufenden Band wie "Arbeitslos" oder "Dies und Das" erklangen, die noch lange nicht ihr Haltbarkeitsdatum überschritten haben. Bei den Fans lösten sie wehmütige Erinnerungen an längst vergangene Zeiten aus und den Wunsch, dass die Gruppe noch viele Jahre bestehen möge.


Riesenapplaus

Als der letzte Hit aus der "Euroschäck"-Feder verklungen war, war der Konzertabend noch lange nicht zu Ende. "35 Jahre Euroschäck - das ist einen Applaus wert" rief Uli, Sänger der Gruppe "Church Of Confidence" ins Publikum und das Echo folgte auf dem Fuße.
Das Trio aus Berlin mit seinen fetzigen Punkrockohrwürmern zum Tanzen war die wohlschmeckende Nachspeise, an der die Fans nach dem Hauptgang "Euroschäck" und dem Appetitanreger "Motorcöck" genüsslich naschten.