Noch ist der Winter kein richtiger Winter. In den vergangenen Wochen war es recht mild, fast frühlingshaft. Schnee und Eis? Kaum der Rede wert. Aber das kann sich mit der nächsten Kaltfront blitzschnell ändern. Kein Problem für die Verantwortlichen des Winterdienstes der Stadt. Salz und Splitt sind reichlich eingelagert, die Fahrzeuge und Mitarbeiter jederzeit einsatzbereit, so Michael Dörsch, stellvertretender Leiter des Bauhofs.

"Winterdienst ist kein einfacher Job", sagt Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU), der zu schätzen weiß, dass seine Bauhof-Mitarbeiter bei Bedarf jederzeit bereit stehen. "Teilweise widrige Witterungsverhältnisse, ungünstiger Rhythmus der Rufbereitschaft und starke physische Belastung" seien mit dem Winterdienst verbunden.

Kontrollieren und entscheiden

Doch die Profis schreckt das nicht. Sie sind gewappnet für den Kampf gegen Schnee und Eis. Michael Dörsch ist einer von ihnen. Er fährt zwar nur sehr selten selbst Einsätze, aber er ist morgens trotzdem der Erste, der sich darum kümmert, dass Kulmbachs Straßen schnee- und eisfrei sind. Als einer von vier Einsatzleitern fährt der 27-Jährige um 2 Uhr die kritischen Straßen im Stadtgebiet ab.

Steilstrecken und Brücken gilt sein besonderes Augenmerk. Eine Stunde später ist er im Bauhof und ruft nach Bedarf alle Kollegen an, die gebraucht werden. Oft ist nur ein kleiner Einsatz nötig: Dann reichen drei Fahrzeuge. Bei einem Volleinsatz wie dem Glatteis am vergangenen Freitag sind 13 Einsatzfahrzeuge auf der Strecke. Ob großer oder kleiner Einsatz: Um 4 Uhr geht's los. Wenn kein Winterwetter ist, dürfen die Mitarbeiter ein wenig länger schlafen und treten erst um 7 Uhr zum Dienst an.

"Wir machen das sehr gerne!"

Man könnte meinen: Winterdienst ist Stress pur! Aber das Bauhof-Team sieht das anders: "Wir machen das sehr gerne, es macht sogar Spaß, vor allem wenn man was für Technik übrig hat", sagt Michael Dörsch. Dafür mitten in der Nacht aufzustehen sei für ihn und die meisten Kollegen keim Problem.

Wir haben bei der Stadt nachgefragt: Wie ist der Winterdienst genau organisiert, und was kann jeder von uns tun, um die Arbeit der Räum- und Streu-Teams zu erleichtern? Wie bereitet sich die Stadt auf den Winterdienst vor?

Die Planung wird jedes Jahr an veränderte Gegebenheiten wie neue Straßen und neue Wohngebiete angepasst, erläutert Florian Bergmann, Leiter des Büros des Oberbürgermeisters. Dasselbe gilt für die Routen der Räum- und Streufahrzeuge und der Handstreudienste. Letztere betreuen Fußgängerüberwege, Kreuzungsübergänge und Bushaltestellen.

Wie lang ist das Straßennetz der Stadt? Rund 230 Straßenkilometer werden vom Bauhof betreut. Um so viele Kilometer Straßen und Gehwege eisfrei zuhalten, braucht es eine Menge Streusalz und Splitt. Wieviel hat die Stadt eingekauft?

"Wir haben unsere Lager im Bauhof mit rund 150 Tonnen Streusalz gefüllt, das weitere Kontingent ist beim Lieferanten jederzeit abrufbar", erläutert Bergmann. Als loses Material wird es angefahren und in einer Halle aufgeschüttet oder im Silo gelagert. "Wir verfügen über etwa 950 Tonnen Streusalz und 500 Tonnen Splitt."

Wird auch vorbeugend gestreut?

"Nur dann, wenn die Wettervorhersagen abschätzen lassen, dass es glatt werden kann!" So könne man sparsam mit Streumitteln umgehen. "Es liegt in der Natur der Sache, dass in höheren Lagen oder auf Bergstrecken vorbeugend gestreut wird und in niederen Lagen eventuell nicht. Absolute Priorität hat unser Klinikum, das nur über eine Bergstrecke anfahrbar ist. Da muss die Versorgungssicherheit immer gewährleistet sein."

Ohne Technik geht's im Winterdienst nicht. Wie viele Räumfahrzeuge stehen zur Verfügung? Wer kümmert sich um die Wartung?

13 Fahrzeuge sind im Einsatz, die von der Bauhofwerkstatt instand gehalten, gepflegt und gewartet werden. Das sind Unimogs, Lkws, aber auch Schmalspurfahrzeuge und Traktoren mit den entsprechenden Pflug- und Streuvorrichtungen.

Und das Personal? Wie viele Mitarbeiter stehen zur Verfügung, und was tun die, wenn es nicht schneit?

"Wir haben ca. 35 Personen im Handstreudienst und 16 Mitarbeiter im Fahrdienst beschäftigt, wobei die Kontrollrouten des Fahrdienstes doppelt besetzt sind, bei Voll-Einsatz auch rund um die Uhr", erläutert Florian Bergmann. Nach langen Winterdiensteinsatzzeiten werden bei geeigneten Wetterbedingungen, die entstandenen Überstunden wieder abgebaut.

Aber die Bauhofarbeiter langweilen sich auch ohne Winterdienst nicht. Sie erledigen vielfältige Aufgaben im Straßenunterhalt. Dazu gehören das Beheben von Frostschäden, Wartungsarbeiten sowie Rückschnitte von Bäumen und Hecken, die aus Naturschutzgründen im Winter erfolgen und bis Ende Februar beendet sein müssen. Auch die Geräte auf den städtischen Spielplätzen werden geprüft und vieles mehr.

Wenn es eilig ist: Wie schnell können die Mitarbeiter im Notfall ausrücken?

Es gibt bei kritischen Temperaturvorhersagen eine angeordnete Rufbereitschaft. Nach der Alarmierung sind die Mitarbeiter in 30 Minuten zur Stelle.

Winterdienst ist ein Job mit anstrengenden Arbeitszeiten, denn die Straßen sollen möglichst immer gut befahrbar sein. Wann geht's morgens los, wann ist Feierabend?

"Für unsere Fahrzeuge ist um 4 Uhr Beginn, der Handstreudienst startet um 5 Uhr", so Michael Dörsch. Gearbeitet wird, solange es nötig ist. Verpflichtet zum Winterdienst ist die Stadt übrigens nur "auf verkehrsbedeutenden und wichtigen sowie gefährlichen Straßen", heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters. Dadurch ergibt sich auch die Prioritätenliste in der Durchführung. "Wir kümmern uns aber selbstverständlich auch um die Wohngebietsstraßen." Können die Bürger selbst etwas dazu beitragen, dem Winterdienst die Arbeit zu erleichtern? Das können sie! Die Stadt appelliert an die Bevölkerung, dass die Anwohner ihre Fahrzeuge nicht an engen und unübersichtlichen Stellen abstellen, damit die Räumfahrzeuge mit ihren breiten Schildern gut durchkommen. "Das ist oft ein Riesenproblem für uns", sagt Michael Dörsch. Gerade die großen Fahrzeuge haben immer wieder Schwierigkeiten, dass sie nicht durchkommen oder Wendeplätze zugeparkt sind.

Und was kostet das alles in einer Saison? 2018 beliefen sich die Kosten für Personal und Material auf 373 637 Euro, im Vorjahr waren es 573 883 Euro. "Bisher hat es jeden Winter geschneit, und die Personalkosten sind fix, da wir das mit eigenem Stammpersonal erledigen und bei winterdienstfreien Zeiten andere Aufgaben erfüllt werden", sagt Florian Bergmann. Nicht verbrauchtes Salz wird im Lager gehalten, sodass im nächsten Jahr weniger eingekauft werden muss.