In der Pressemitteilung der Oberfranken-SPD vom 27. Februar schien noch alles eitel Sonnenschein. An jenem Sonntag vor knapp zwei Wochen wurde die Reihenfolge der Kandidaten und Kandidatinnen für die Bundestagswahl in digitaler Form festgelegt. Da war von einem "Wettbewerb der Ideen" die Rede. Davon, geschlossen mit allen fünf Kandidaten in den Wahlkampf zu gehen".

Bezirksvorsitzender Jörg Nürnberger sprach von einem "äußerst fairen Verfahren", mit dem die Reihenfolge der Kandidaten festgelegt wurde. Simon Moritz mag das anders sehen.

Moritz, der Bundestags-Kandidat des Wahlkreises Kulmbach-Lichtenfels, landete bei den Männern nur auf Platz 3. Wohl die Hälfte seiner eigenen Delegierten aus dem Unterbezirk Kulmbach-Lichtenfels hatte ihm in der geheimen Wahl die Stimme verweigert.

Simon Moritz zog die Konsequenzen und ist als Unterbezirksvorsitzender zurückgetreten. Seine Vorstandsämter auf weiteren politischen Ebenen in der SPD hat er ebenfalls abgegeben. Zu tief sitzt bei ihm der Stachel der Enttäuschung. Bundestagskandidat für die Wahl im September bleibt er jedoch weiterhin.

Dass der Kulmbacher nicht auf Platz 1 der Liste landen würde, das war ihm klar. "Aber dass wenigstens die eigenen Leute hinter einem stehen, das habe ich schon erwartet", sagt er. Zumindest der zweite Männerplatz auf der Liste sei ein Ziel gewesen. Doch daraus wurde nichts.

Nachdem die SPD ihre Oberfrankenliste aus einer Kombination von Frauen- und Männerliste erstellt, bedeutet sein Ergebnis letztlich nur Platz 5 auf der Oberfranken-Liste und in der Folge auf der Landesliste ein Rang unter "ferner liefen". Die Chance, hier ein Bundestagsmandat zu erringen, ist denkbar gering. "Das kann ich abhaken, auch wenn es schwerfällt", sagt der 36-Jährige.

Warum die eigenen Leute Simon Moritz das Vertrauen verweigert haben, darüber kann er nur spekulieren. "Auf jeden Fall war das eine unangenehme Situation für mich", erklärt der Kulmbacher. Für ihn war damit klar, dass er Konsequenzen ziehen musste: "Es fehlt die Vertrauensgrundlage, um die Parteiämter weiter ausüben zu können." Deshalb der Schritt zurück. "Wenn mich als Unterbezirks-Vorsitzender die Hälfte der eigenen Delegierten nicht wählt, dann sind kein Vertrauen und keine Autorität da."

Welche der 16 Stimmberechtigten aus dem Unterbezirk Kulmbach ihm das Vertrauen verweigert haben und aus welchen Gründen, das weiß Moritz nicht. "Mit mir hat noch niemand gesprochen." Und das ist noch etwas, das Moritz bemängelt - dass man ihn ins offene Messer hat laufen lassen. "Wenn man vorher mit mir geredet hätte, wäre ich anders angetreten."

Moritz war gegen den Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz aus Bamberg und SPD-Bezirksvorsitzenden Jörg Nürnberger ins Rennen gegangen. Nur zehn Stimmen konnte Moritz im ersten Wahlgang auf sich vereinigen, den Andreas Schwarz gewann. "Ich weiß, dass davon maximal acht aus meinem Unterbezirk kamen", sagt Moritz. Also habe bestenfalls die Hälfte seiner Delegierten für ihn votiert. Im zweiten Wahlgang unterlag er dann noch Jörg Nürnberger.

Auswirkungen auf seine kommunalen Mandate hat diese Entwicklung aber nicht. "Ich bin mit Begeisterung weiterhin Stadt- und Kreisrat und werde als Bundestagskandidat versuchen, das bestmögliche Ergebnis für die SPD zu erreichen. Das hat nichts damit zu tun, welche Parteiämter ich bekleide und ob ich einen Job mehr oder weniger mache", sagt er. Dass es gegen die amtierenden Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner von der CSU schwer sein wird, das Direktmandat zu erringen, ist ihm allerdings bewusst. Doch er will sich jetzt auf den Wahlkampf konzentrieren, "was auf der Reihungskonferenz gelaufen ist, das muss ich abhaken, auch wenn es schwerfällt."

Vom Ergebnis der Abstimmung überrascht, zeigt sich auch SPD-Kreisvorsitzende Inge Aures. "Ich bin genauso erschrocken gewesen wie Simon Moritz", sagt sie mit Blick auf das Ergebnis. Sie habe als normale Delegierte an der virtuellen Zusammenkunft teilgenommen und ihre Stimme abgegeben. Dass Moritz der Rückhalt aus den eigenen Reihen fehlt, habe sie nicht erwartet, "Es hat sich nichts im Vorfeld angedeutet."

Der Kreisvorstand Kulmbach habe sich gefreut, dass sich Simon Moritz bereiterklärt hat, als Bundestagskandidat ins Rennen zu gehen. "Und wir unterstützen ihn weiterhin dabei", versicherte Aures.