Auch wenn inzwischen viele geimpft sind und die Inzidenz im Landkreis Kulmbach sich auf einem relativ niedrigem Niveau bewegt: Corona hat die Welt noch fest im Griff. Deshalb gelten immer noch Auflagen wie Maskenpflicht und Abstand halten. Doch halten sich die Leute auch dran? Gab es viele Verstöße?

Dem Landratsamt Kulmbach liegen (Stand: 9. August 2021) insgesamt 1068 Ordnungswidrigkeitsanzeigen vor. Bei den häufigsten Verstößen handelt es sich um Verstöße gegen die Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen. Der Regelsatz für diese Verstöße liegt bei 250 Euro. Bei Fahrlässigkeit können die Regelsätze halbiert werden. Die Einnahmen fließen in den Kreishaushalt. Die Summe der Bußgelder, die bisher mittels Bescheid eingefordert sind, liegt bei rund 80 000 Euro. Etwa 65 Prozent der Anzeigen sind bislang abgearbeitet.

Noch nichts von Grenzkontrollen

Seit einigen Tagen wird an den Grenzen kontrolliert: Seit 1. August müssen alle Reiserückkehrer bereits bei der Einreise nach Deutschland einen aktuellen Corona-Test, den Nachweis einer vollständigen Impfung oder einen Genesenen-Nachweis vorlegen können. Hier halten sich die Kulmbacher bislang offensichtlich an die Vorgaben. Laut Gesundheitsamt liegen noch keine Meldungen vor. "Wir wissen allerdings noch nicht, ob wir nur Kontrollmitteilungen oder Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen bekommen", erklärt der Leiter des Krisenstabs im Landratsamt, Oliver Hempfling.

Die 7-Tage-Inzidenz ist seit Anfang Juli im Landkreis Kulmbach auf einem stabil niedrigen Niveau. Mit einem Wert von aktuell 4,2 liegt Kulmbach deutlich unter dem Bundeswert (23,5) und unter dem bayerischen Schnitt (16,1). Die Lage bleibt laut Landratsamt aber weiterhin volatil. Dies belegen zahlreiche Regionen in Deutschland, in denen die Infektionen nennenswert ansteigen. Dazu zählen Hempfling zufolge insbesondere Bundesländer, in denen die Sommerferien bereits zu Ende sind oder bald zu Ende gehen, es also viele Reiserückkehrer gibt. Die mittlerweile vorherrschende Delta-Variante sei deutlich ansteckender als alle bisherigen Virusformen. "Daher ist es weiter wichtig, Vorsicht, Umsicht und Rücksicht walten zu lassen."

Die Bevölkerung sollte die Zeit nutzen, um die vielfältigen Impfangebote wahrzunehmen, lautet sein Appell. Impfen sei das beste Mittel, die Pandemie zu beenden. Die Impfquote im Landkreis Kulmbach betrage derzeit 64,08 Prozent bei den Erstimpfungen. Vollständig geimpft seien 55,95 Prozent der Bevölkerung. "Leider gestaltet sich der Impffortschritt seit einigen Wochen äußerst schleppend. Damit wächst die Gefahr vor einer Zunahme der Infektionen im Herbst. Mit einer Impfung schützt man sich und andere. Impfengehen ist ein Akt der Solidarität", betont der Leiter des Krisenstabs.

Das Impfzentrum Kulmbach ist von Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr sowie Samstag von 8 bis 12 Uhr für terminlose Impfungen geöffnet. Zudem gibt es immer wieder "Impfen-to-go"- Aktionen.

Die Einhaltung der Auflagen haben neben den Beamten der Polizeiinspektionen Kulmbach und Stadtsteinach auch die Bereitschaftspolizei und der Operative Ergänzungsdienst kontrolliert. Wie der Leiter der PI Kulmbach, Peter Hübner, erklärte, hätten die meisten Verständnis gezeigt, wenn sie bei Verstößen ertappt wurden.

Nachdem sich eine zeitlang Baustellen als Corona-Hotspots herauskristallisiert hatten, wurden Handwerker vermehrt auf Fahrten kontrolliert. "Da gab es einige, die nicht verstanden haben, dass man bei mehreren Personen im Auto eine Maske tragen muss", schildert Hübner die Erfahrung der Polizisten. Auch habe es im Stadtgebiet zu Beginn der Pandemie ein paar Gastwirte gegeben, die sich über die Vorschriften hinweggesetzt hätten. "Insgesamt bin ich aber hochzufrieden, wie wenig Schwierigkeiten es gab."

Wenn es Verstöße gegeben habe, seien die quer durch alle Alters- und sozialen Schichten erfolgt, resümiert Hübner. Ein notorischer Wiederholungstäter habe einmal ein paar Tage in der Justizvollzugsanstalt in Bayreuth über sein Verhalten nachdenken können. Er war ohne Maske aufgefallen. Bei der Kontrolle durch die Beamten stellte sich heraus, dass gegen den Mann ein Haftbefehl vorlag.

Ein Fall ist Peter Hübner besonders im Gedächtnis geblieben: Ein Mann wollte kurz vor der Ausgangssperre noch schnell heimfahren. Dabei war er zu schnell unterwegs. Die Folge: drei Monate Führerscheinentzug und 600 Euro Strafe. "Hätte er gegen die Sperrstunde verstoßen, hätte er höchstens 250 Euro zahlen müssen", so Hübner.

Ein paar außergewöhnliche Fälle gab es auch im Bereich der Polizeiinspektion Stadtsteinach, wie deren Leiter Georg Löffler berichtet. Zum Beispiel die jungen Leute, die trotz Verbots mit mehreren Personen in einer Strechlimousine einen Geburtstag feierten. Oder dass Beamten bei einer Unfallaufnahme unerlaubte Feiern entdeckten. Aber im Großen und Ganzen, so Löffler, hätten sich die Menschen im Frankenwald und im Stadtsteinacher Land an die Auflagen gehalten. "Wir haben nur Verstöße im niedrigen dreistelligen Bereich festgestellt"