"Alle Beteiligten waren total zu", beschrieb ein Beamter die Situation an dem beliebten Naherholungsgebiet. Das sei aber immer so am 1. Mai, sagte der Polizist.

Einer der Beteiligten, ein 27-Jähriger aus dem südlichen Landkreis, rastete an diesem Tag allerdings besonders heftig aus. Er fühlte sich offenbar beleidigt und griff sein Gegenüber mit einem brutalen Kopfstoß an. Das Opfer, ein 18-jähriger Azubi aus Kulmbach, erlitt eine Schädel- und eine Nasenprellung, eine Gehirnerschütterung und eine Absplitterung am Schneidezahn. Eine Nacht musste der junge Mann stationär im Klinikum bleiben. Der Angreifer bekam dafür jetzt eine Geldstrafe in Höhe von 3500 Euro (70 Tagessätze zu jeweils 50 Euro).

Normalerweise hätte sie bei diesen gravierenden Folgen eine deutlich höhere Strafe ausgesprochen, sagte Richterin Sieglinde Tettmann. Die Tatsache aber, dass sich die Anwälte im Vorfeld auf einen sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich verständigen konnten, mache die relativ niedrige Geldstrafe möglich.


Im Vorfeld Zahlungen zugesagt


Der Angeklagte hatte sich folglich im Vorfeld der Verhandlung verpflichtet, dem Opfer ein Schmerzensgeld von 4500 Euro zu bezahlen. Eine erste Rate in Höhe von 1000 Euro hatte er sogar schon überwiesen.

Dazu kommen rund 1500 Euro Behandlungskosten. Dieses Geld hatte die Krankenkasse bereits von dem 27-Jährigen gefordert. Rechnet man nun noch die Geldstrafe dazu, dann kommt der Kopfstoß dem Angeklagten so richtig teuer.

Der junge Mann hatte an das eigentliche Geschehen keinerlei Erinnerung mehr und machte vor Gericht einen Filmriss geltend. "Bier, Schnaps, Wein, ich habe alles Mögliche getrunken, schließlich hat ja jeder was mitgebracht", sagte er vor Gericht. Erst später habe er durch Freunde von dem Vorfall erfahren. Das spätere Opfer soll den Angeklagten zwei Mal hintereinander mit dem Wort "Hurensohn" beleidigt haben, ein Ausdruck, auf den der Angeklagte besonders empfindlich reagierte. Allerdings stellte sich vor Gericht heraus, dass es wohl gar nicht das Opfer war, das die Beleidung ausgesprochen hatte, sondern irgendjemand anderes aus der Runde.


Keinerlei Belastungseifer


Das Opfer jedenfalls wurde mit dem Krankenwagen ins Klinikum gebracht, musste dort über Nacht bleiben und war eineinhalb Wochen lang krankgeschrieben. Trotzdem zeigte der Mann keinerlei Belastungseifer. Der Angeklagte habe sich entschuldigt, das habe er auch angenommen. Er habe keinerlei Interesse mehr daran, dass der Angeklagte bestraft wird.

Vor Ort konnte die Polizei nach Aussage des ermittelnden Beamten wenig ausrichten: "Alle waren dicht, keiner wollte mit uns reden", sagte ein Polizist. Andere Beteiligte hätten den Angreifer später auf Facebook wiedererkannt.

Eine deutlich höhere Strafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro (4500 Euro) hatte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gefordert. Erst im Februar war der Mann zu 1600 Euro verurteilt worden, weil er betrunken hinter dem Steuer saß.


Um Wiedergutmachung bemüht


Verteidiger Ralph Pittroff aus Kulmbach plädierte dagegen auf 25 Tagessätze zu je 35 Euro (875 Euro). Sein Mandant habe sein Möglichstes getan und sich verpflichtet, eine nicht unerhebliche Summe zur Wiedergutmachung zu zahlen, sagte er.

Mit 3500 Euro war die Richterin in ihrem Urteil dann aber doch wesentlich näher am Antrag der Staatsanwaltschaft. Tettmann sprach von einem brutalen Vorgehen, von einer nicht unerheblichen Verletzung und bleibenden Schäden, was den abgesplitterten Schneidezahn angeht.