Rotbraun sind seine Flügel, an Brust und Kopf trägt er Pelz und am Hinterleib verläuft das typische schwarz-weiße Sägezahnmuster. Seine fächerartigen Fühler sehen aus wie lange Wimpern und wenn er fliegt, dann brummt es richtig - immerhin ist der Maikäfer mit drei Zentimetern Körperlänge ein ziemlich großes Insekt. Er wirkt auf den Menschen sympathisch. Das alte Volkslied "Maikäfer, flieg" hat seinen Ursprung in einem einst weit verbreiteten Brauch: Kinder fingen die Tiere ein und ließen sie kurz darauf wieder frei. Diese kindliche Begeisterung hat dem Maikäfer wahrscheinlich die Hauptrolle im Märchen "Peterchens Mondfahrt" aus dem Jahr 1912 eingebracht. Doch während in der Geschichte "Herr Sumsemann" den Menschenkindern Peterchen und Anneliese freundlich gesonnen ist, sieht die Realität derzeit anders aus.

Schädling in der Landwirtschaft

"Maikäferschwärme machen Landwirten im Bayerischen Wald zu schaffen." So lautete kürzlich eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dieses Jahr ist dort ein Käferjahr – der Maikäfer fliegt nicht immer: Nur alle drei Jahre schlüpfen die Käfer aus der Erde, um sich zum Hochzeitsflug zu treffen.

Das Problem für die Landwirte sind die Larven. Die bis zu sechs Zentimeter langen, gekrümmten Würmchen mit den braunen Köpfen nennt man Engerlinge. Sie leben drei bis fünf Jahre lang im Erdboden und ernähren sich von Wurzeln. Gibt es zu viele Engerlinge pro Quadratmeter, richten sie vor allem auf Wiesen großen Schaden an. Das Gras, das Landwirte als Viehfutter brauchen, stirbt ab. Für sie bedeutet ein Käferjahr außerdem, dass sie im Folgejahr mit massiven Ernteausfällen rechnen müssen.

Maikäfer in Oberfranken

Für die Landwirte in der Region waren Maikäfer bisher kein Problem. Wilfried Löwinger, Kreisobmann beim Bayerischen Bauernverband (BBV) in Kulmbach, sagt: "Maikäfer sieht man bei uns nur vereinzelt." Ein Pressesprecher der Regierung Oberfranken bestätigt, dass im gesamten Regierungsbezirk aus den letzten Jahren keine Kalamitäten mit Engerlingen bekannt sind. Er erklärt: "Von jeher kommen Maikäfer in bestimmten Gegenden Deutschlands und Bayerns häufiger vor als in anderen." Massenauftreten von Maikäfern seien oft auf bestimmte Regionen begrenzt, vor allem auf Niederbayern, aber auch auf das westliche Franken.

In den Nadelwaldgebieten Oberfrankens seien Maikäfer seltener gewesen, da Maikäfer "vorrangig an Laubbäumen, insbesondere Eichen und Buchen, fressen", erklärt der Regierungssprecher. Staunasse Böden wie im Maintal oder steinige Böden wie auf dem Jura würden die Tiere meiden. "Früher wurden größere Schäden durch Maikäfer-Engerlinge gerade in den großflächigen Wiesengebieten der Talauen oft durch die regelmäßigen Überschwemmungen verhindert", sagt der Pressesprecher des Regierungsbezirks. Solche Überflutungen von Wiesen kämen heute, vor allem auf Grund von Regulierungen, in vielen Gebieten kaum mehr vor, ergänzt er.

Ein weiterer Faktor, der die Ausbreitung des Maikäfers begünstigen könnte, sei der Klimawandel. Entscheidender sei jedoch der Verzicht auf chemische Bekämpfungsmittel. Bis in die 1960er Jahre wurde der Maikäferbestand vor allem durch chemische Insektizide wie Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) stark dezimiert. DDT gilt als gesundheitsschädlich und wurde bereits in den 1970er Jahren verboten.

Öko-Landwirtschaft fördert Maikäfer

Professorin Heike Feldhaar, Tierökologin an der Universität Bayreuth, glaubt ebenfalls, dass man künftig mehr Maikäfer sehen wird: "Die Umstellung in der Landwirtschaft fördert den Maikäfer." Das liege daran, dass Landwirte weniger Chemie einsetzen und die Erde nicht mehr so massiv umgebrochen wird. "Der Pflug hat die Engerlinge an die Oberfläche geholt. Sie wurden dann von Vögeln gefressen." Historisch seien Ernteverluste durch Maikäfer häufig gewesen.

Durch Insektizide gingen die Insekten und damit auch die Schäden, die sie verursachen, zurück. "Mit der Extensivierung der Landwirtschaft kommen eben nicht nur Arten zurück, die man schön findet. Viele Menschen freuen sich, wenn sie einen Maikäfer sehen. Aber ich beneide keinen Landwirt, dessen Grasland von massiven Maikäferbefall betroffen ist", sagt Feldhaar. Ihr zufolge gibt es auch biologische Methoden, gegen den Maikäfer vorzugehen, etwa das Ausbringen spezieller Fadenwürmer oder Pilze, die die Engerlinge parasitieren und sie abtöten.

Nützliche Käfer für Landwirte

Was man laut Feldhaar bei der Bekämpfung des Maikäfers bedenken sollte, ist dass man auch verwandten Arten damit den Garaus macht: Der Maikäfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer, die nicht nur den Junikäfer oder Gartenlaubkäfer enthält, sondern auch geschützte Arten wie Rosenkäfer und Nashornkäfer. Auch Mistkäfer gehören zur gleichen Familie wie Maikäfer. Tierökologin Feldhaar zufolge sind die für Landwirte sogar nützlich. "Mistkäfer entfernen Kot von Säugetieren aus der Landschaft", erklärt die Professorin. Kotfressende Insekten seien auf Weideflächen unerlässlich.

Der Pressesprecher der Regierung Oberfranken teilt mit: "Aus Naturschutzsicht wäre ein Einsatz von chemischen Bekämpfungsmitteln gegen Maikäfer problematisch, da die meisten Mittel auch eine Vielzahl anderer Insekten töten." Auch die natürlichen Fressfeinde der Insekten, beispielsweise Vögel, Fledermäuse, Maulwurf oder Igel könnten so geschädigt werden. "Aktuell ist nach hiesiger Kenntnis auf landwirtschaftlichen Wiesen und Feldern kein Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung der Engerlinge zugelassen."

Landwirte könnten also wenig gegen eine Maikäferplage unternehmen. Vielleicht ließe sich einer solchen aber trotzdem etwas abgewinnen. Immerhin standen die Tiere bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vielerorts auf der Speisekarte. Maikäfer haben einen hohen Eiweißgehalt. In Frankreich und Teilen Deutschlands röstete man sie und kochte eine Suppe daraus. In Konditoreien wurden kandierte Maikäfer angeboten.