Die Eingrünung der Umgehung Melkendorf soll im Herbst geschehen - doch sowohl Bewohner als auch Tier- und Umweltschützer werden mit den Pflanzplänen des Staatlichen Bauamtes Bayreuth nicht grün. Sie kritisieren, dass Mensch und Storch zu kurz kommen.

"Das Gericht hat den Bau der Umgehung mit der Auflage verbunden, dass zum Schutz des Weißstorches hohe Bäume gepflanzt werden müssen", erinnert sich Bernd Matthes (Bild oben, rechts), der wie die Familie Dunkel zu den Anwohnern gehört, die Anfang der 2000er Jahre gegen die neue Umgehung geklagt hatten. Auch der Bund Naturschutz zog erfolglos vor Gericht. Den Umweltverband vertrat damals Tom Konopka. Er erinnert sich: "Aus der Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth weiß ich noch, dass zum Schutz der Weißstörche eine Baumreihe entlang der Straße gepflanzt werden sollte." Der Bund Naturschutz habe damals auch darauf hingewiesen, dass die Störche "nicht nur durch die schnellfahrenden Autos auf der Straße, sondern auch die 110-KV-Leitung gefährdet werden".

Pflanzung auf Lkw-Höhe

Erich Schiffelholz vom Landesbund für Vogelschutz findet ebenfalls, dass in den Plänen zu wenig Bepflanzung vorgesehen sei. "Es müsste gewährleistet werden, dass die Bepflanzung mindestens Lkw-Höhe erreicht, um eine Kollision mit dem Verkehr zu vermeiden. Das können auch hohe Hecken erfüllen."

Auch Hermann Dunkel (Bild oben, links) hat sich den Pflanzplan genau angeschaut und ist enttäuscht: "Die angedachte Bepflanzung ist nicht ausreichend." Vor allem ärgert ihn, dass nur südlich der Umgehung Richtung Rotmaintal Bäume vorgesehen sind. "Sie müssten eigentlich zwischen Straße und Ortsrand von Melkendorf stehen. Damit wäre kein Sichtkontakt mehr zur Straße möglich, was auf das Gefühl für Lärm sicherlich eine positive Auswirkung hätte." Doch die Interessen der Autofahrer würden "scheinbar höher gewichtet als die der Anwohner", glaubt seine Frau Gudrun. Wenigstens sei die Höchstgeschwindigkeit auf der Umgehung mittlerweile auf 80 km/h begrenzt worden.

Keine Gefahren schaffen

Für das Staatliche Bauamt in Bayreuth, so dessen Leiter Kurt Schnabel, sei es wichtig, keine Gefahren für Verkehrsteilnehmer zu schaffen. Deshalb müssten Sichtachsen frei bleiben, Bäume oder Büsche dürften nur in einem Abstand von acht Metern zur Fahrbahn gepflanzt werden. "Das entspricht unserem Konzept des fehlerverzeihenden Fahrens, welches darauf zielt, Unfälle mit einem Aufprall auf Bäume zu vermeiden", erklärt Schnabel.

Kommt ein Lärmschutzwall?

Gudrun Dunkel vermutet noch einen anderen Grund für die fehlende Bepflanzung zwischen Straße und Häusern: "Es wäre doch Unsinn, etwas zu pflanzen, wenn man dort einmal einen Lärmschutzwall bauen will." Tatsächlich hat die Stadt Kulmbach kürzlich bestätigt, dass die Erdmassen, die beim Aushub von städtischen Baustellen anfallen und im Baugebiet Siegberg aufgetürmt werden, für einen Lärmschutzwall vorgesehen seien. Was Gudrun Dunkel freuen würde: "Wir Anwohner würden uns einen Wall mit Hecke und Pflanzen drauf wünschen."

Dies bestätigt Matthias Graf, ein alteingesessener Melkendorfer. Sein Appell an das Bauamt: "Pflanzt bitte viele und möglichst hohe Bäume." Am besten auf einem Erdwall, meint Graf, der auch davon ausgeht, dass es in Richtung Umgehung eine weitere Bebauung geben wird. "Wenn du eine Lärmquelle nicht mehr siehst, dann nimmst du sie auch nicht mehr so wahr." Gespannt wartet er auf das Ergebnis der Lärmmessung, die die Stadt Kulmbach vor kurzem durchgeführt hat

Messergebnis liegt vor

Jonas Gleich von der Stadt Kulmbach bestätigt, dass das Ergebnis seit Anfang Mai vorliegt: "Es wird in den kommenden Wochen geprüft werden und aller Voraussicht nach in einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses behandelt werden."

Gleich bestätigt zudem auf Anfrage, dass die Stadt weiter an einer Vergrößerung des Ortes Melkendorf interessiert ist: Die Flächen seien grundsätzlich für Wohnbebauung gut geeignet, "da die benötigte Infrastruktur größtenteils schon vorhanden ist, die Grundstücke relativ eben sind und sich auch mit überschaubarem Aufwand erschließen lassen." Das Thema werde der Stadtrat "in naher Zukunft" beraten.