Bei der Limmersdorfer Kerwa kommen die ersten Besucher schon am helllichten Nachmittag. Gemeinsam wartet man auf die Rückkehr der Platzburschen und -madla, auf den Tanz auf der Linde. Doch nicht nur das: "Ich will wieder beim Kegeln mitmachen", sagt Rolf Täuber und lacht. Denn er freut sich schon das ganze Jahr auf die Gaudi auf der eigens aufgebauten Sandkegelbahn.

Die ist etwa 15 Meter lang. Gekegelt wird nicht etwa mit normalen Kegeln und Kugeln, sondern mit Kerwa-Kegeln aus Holz. Auch die Kugeln sind aus diesem Material. "Anfangs wussten wir das nicht, aber sie sind aus besonders hartem Holz", erklärt Jürgen Kraus, der immer mit von der Partie ist. "Aber ich habe noch nie gewonnen. Ich bin einfach zu schlecht", nimmt der Mitorganisator der Limmersdorfer Kerwa die Tatsache gelassen.


Schon 30 Mal gewonnen

Mehr Glück - und offenbar auch Können - hat da schon Veit Pöhlmann. Er hat schon rund 30 Kerwa-Krügla gewonnen, von denen jedes hat einen Ehrenplatz hat. "Ich bin natürlich wieder dabei - dieses Jahr aber als Außenseiter. Ich bin nicht so fit", gibt Pöhlmann zu.

Die Kegel sind rund 35 bis 40 Zentimeter hoch und handgedrechselt. Die Kugeln gibt es in der etwas leichteren Damen-Ausführung und der normalen Ausführung. Wie schwer sie sind, weiß niemand so genau. Die Männer schätzen das Gewicht auf zwei bis drei Kilo.
Jeder hat fünf Versuche, nur drei Schübe zählen - so lauten die Regeln. "Gekegelt wird mit Vorschreiben", erklärt Veit Pöhlmann das Reglement.

Leo und Aron, zwei Jungs, die von der Kerwatradition begeistert sind, haben sich verpflichtet, die Kegel aufzustellen. "Das macht Spaß und man verdient auch was", verraten die beiden, die sich den Verdienst sparen.


Manchmal läuft's nicht

Rolf Täuber ist jetzt an der Reihe. Konzentriert schiebt er Kugel um Kugel. Aber es läuft nicht so wie es sollte. Manchmal wackelt ein Kegel, fällt dann aber doch nicht. "Die Kegel können aber alle umfallen - es gehört immer ein bisschen Glück dazu", sagt Rolf Täuber und sieht das Sandkegeln vor allem als eine Riesen-Gaudi an. Außerdem hat er schon neun Krügla zu Hause.

Mit dem Krügla hat es übrigens eine besondere Bewandtnis: Denn derjenige, der das Krügla gewinnt, kann es sich für den gesamten Abend immer wieder füllen lassen. "Aber nur der Erste gewinnt", sagt Thomas Schwender aus Limmersdorf. Er hat schon elf Mal gewonnen - auch am ersten Kegeltag im Jahr 2015. Und am Kerwa-Montag wollte er es wieder wissen. "Ich kam mit 23 Punkten ins Stechen. Dann habe ich in einem erbärmlichen Finale gewonnen", relativiert er seinen Sieg. Fast hätte er den Hattrick geschafft.

Doch letztlich hatte ein anderer die Nase vorn: Frank Eisenhut gewann mit 25 Punkten. "Ich hab' vorher schon drei Mal gewonnen", sagt er und freut sich riesig. Das hat aber noch einen anderen Grund. Denn heuer hat ihn sein Sohn Alexander herausgefordert. Alexander Eisenhut hat die Arme aufgewärmt und Liegestützen gemacht, um bestens gewappnet zu sein. Doch sein Vater hatte einfach das ruhigere Händchen.


Aus Istanbul angereist

Vielleicht lag es auch an der schönen Begleiterin, die Alexander Eisenhut an seiner Seite hatte. Denn seine Freundin Elif ist eigens aus Istanbul angereist - und hat sich zur Limmersdorfer Kerwa mit einem stilechten Dirndl fesch gemacht.

Mehr als 20 Kegler probierten ihr Glück. "Vielleicht hab ich zu wenig Sand aufgebracht", sagte Jürgen Kraus selbstkritisch und nimmt es gelassen, dass er wieder nicht unter den Besten war. Doch ob viel oder wenig Sand, die Bedingungen waren für alle gleich. Und das Kegeln auf der Sandbahn war vor allem eins: ein Riesen-Spaß, wie es ihn eben nur auf der Limmersdorfer Kerwa gibt.