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Kasendorf
Interview

Kasendorfer Bürgermeister Groß: "Schon eine Umstellung"

Elf Bürgermeister wurden bei den Kommunalwahlen im März neu in ihre Ämter gewählt. Wir ziehen mit ihnen eine erste Bilanz. Heute: Norbert Groß (Kasendorf).
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Norbert Groß vor seiner größten Baustelle: dem ehemaligen "Schwarzen Roß" Foto: Sonny Adam
Norbert Groß vor seiner größten Baustelle: dem ehemaligen "Schwarzen Roß" Foto: Sonny Adam

Keine Überraschung war am 15. März die Wahl von Norbert Groß (CSU) zum neuen Bürgermeister des Marktes Kasendorf. Nachdem der bisherige Amtsinhaber Bernd Steinhäuser auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte, war Groß der einzige Bewerber für die Nachfolge. Er kam auf 86,38 Prozent der Wählerstimmen. Waren die ersten 100 Tage Amtszeit mehr Spaß oder Stress? Die ersten 100 Tage haben auf jeden Fall Spaß gemacht, da man es nun selbst in der Hand hat, etwas zu bewegen und neue Themen aufzugreifen. Dass es bei der Erfüllung aller Termine auch mal Stress gibt, ist nicht von der Hand zu weisen - wobei ich diesen als positiven Stress wahrnehme.

Haben Sie den Aufwand für das Amt unter- oder überschätzt? Was war die größte Umstellung im Vergleich zu Ihrem bisherigen Beruf? Ich bin relativ nah an meiner Einschätzung, was den Aufwand betrifft. Da es sich bei uns in Kasendorf um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt, führe ich nach wie vor mit reduziertem Aufwand auch meine Firma NEG, die mit acht Mitarbeitern im Brandschutz und Arbeitsschutz aktiv ist, weiter.

In meiner Firma werden Entscheidungen sehr zeitnah getroffen und umgesetzt. Dies dauert in der Kommune deutlich länger, da oftmals andere Behörden beteiligt sind und auch der Marktgemeinderat als oberstes Gremium von neuen Ideen und Ansätzen erstmal überzeugt werden muss.

Wie hat sich Ihre Familie an Ihr neues Amt gewöhnt? Was ist im Familienleben anders geworden?

Es ist schon eine Umstellung, da ich doch deutlich weniger zu Hause bei meiner Frau und unseren vier Kindern (drei bis neun Jahre alt) bin wie vorher. Bisher konnten wir Beruf und Familie gut organisieren und werden das auch langfristig in Zukunft schaffen. Es ist schon eine Herausforderung, nicht die erste, aber auch diese werden wir gemeinsam meistern. Man wächst schließlich mit seinen Aufgaben.

Wie viele Stunden pro Woche wenden Sie durchschnittlich für das Bürgermeisteramt auf?

Das ist sehr unterschiedlich, aber es ist definitiv deutlich mehr als nur ein Halbtags-Job. Die Arbeit findet ja nicht nur im Rathaus statt, sondern auch am Abend und Wochenende zu Hause wo vieles gelesen, ausgearbeitet, vorbereitet, recherchiert oder nachgedacht wird. Mir ist wichtig, dass ich dort präsent bin, wo ich gebraucht werde, egal ob im Rathaus, bei der Familie oder in meiner Firma.

Auf welchen Erfolg in ihrer bisherigen Amtszeit sind Sie am meisten stolz? Was wollen Sie als nächstes angehen?

Es gibt ja einige Themen, die ich vor der Wahl öffentlich versprochen habe anzupacken. So wird das Rathaustor ab dem 3. August wieder geöffnet sein, um neben dem Zugang zur Poststelle auch ein Zeichen der Offenheit gegenüber den Bürgern zu setzen. Die Eröffnung der Poststelle im Rathaus war mir sehr wichtig, um diese Dienstleistung in unserer Gemeinde nicht zu verlieren. Das wäre ein fatales Zeichen gewesen.

Auch der Verbindungsweg für Fußgänger und Radfahrer zwischen Peesten und Heubsch war ein langgehegter Wunsch unserer Bürger. Es wurde uns bei den Wahlversammlungen ans Herz gelegt, das Thema wieder aufzugreifen, nachdem es schon vor Jahren mal abgelehnt wurde. Auf drei Gemeinderatssitzungen haben wir den Ausbau zum Teil sehr kontrovers diskutiert, bevor es am 22. Juli nun endlich eine Mehrheit gab, diesen zu bauen. Wir haben die Gespräche bezüglich der Erschließung des Gewerbegebietes in Krumme Fohre mit den Behörden wieder aufgenommen, um zeitnah und kostengünstiger eine Erschießung beginnen zu können. Mit einher geht aber auch die Ortsumfahrung Döllnitz die wir ebenfalls forcieren werden. Hierzu haben wir schon Gespräche mir Regierung, Politkern und den zuständigen Ämtern geführt.

Welches Projekt bereitet Ihnen am meisten Kopfzerbrechen?

Ganz klar die aktuell begonnene Sanierung des Gasthofs "Schwarzes Roß". Hier gibt es schon einige Verzögerungen wegen der Erstellung der Statik. Die Bausubstanz ist noch viel schlechter als erwartet. Auch haben wir Verzug bei der Erschließung unseres Baugebietes "Am Fichtig III" in Heubsch, sehen hier aber schon Licht am Horizont. Wir gehen davon aus, dass in Kürze die Vermessungen stattfinden und dann die Grundstücke, die schon fast alle reserviert sind, verkauft und bebaut werden können. Und dann gilt es neue Grundstücke zu finden, die bebaut werden können. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass dies nicht einfach werden wird.

Unmittelbar nach der Wahl (beziehungsweise noch vor der Stichwahl) kam der Lockdown. Was hätten Sie ohne Corona unmittelbar nach Ihrem Amtsantritt anders gemacht?

Mit ist die Kommunikation mit unseren Bürgern seht wichtig. Ich hätte viel mehr Gespräche geführt mit unseren Unternehmern, Geschäftsinhabern, Vereinen oder privaten Initiativen. Das ist nicht vergessen, wegen Corona aber aufgeschoben worden. Mit den Lockerungen werde ich dann auch diese hoffentlich interessanten Gespräche in der nächsten Zeit Zug um Zug aufnehmen können.

Gibt es etwas, von dem sie nach 100 Tagen im Amt sagen: Damit hätte ich nicht gerechnet?

Ich kann nicht sagen, dass ich große Überraschungen erlebt habe, was sicher auch an unseren

engagierten und guten Mitarbeitern in der Verwaltung und im Bauhof liegt. Sie alle haben mir den Einstieg schon leichter gemacht. Aber es sind die kleineren Anliegen der Bürger, hier eine Hecke, die über die Grenze oder in die Straße wächst, dort regelmäßig Hundekot auf den Rad- und Gehwegen, die wiederkehrend ein Thema sind. Auch das war aber vorherzusehen und ich verstehe die Bürger, da es für die Betroffenen eben ein Ärgernis ist, was wir ernst zu nehmen haben. Wir sollten alle eigenverantwortlich unseren Teil dazu beitragen, dass Kasendorf lebenswert bleibt, wozu selbstverständlich auch Sauberkeit und Ordnung gehört.