Er wollte im Freundeskreis gut dastehen, indem er günstig Marihuana veräußert. Den großen Gewinn hat er damit nicht gemacht. Im Gegenteil: Weil die Sache aufflog, wurde ein 24-jähriger Kulmbacher jetzt vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 1950 Euro (130 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro) verurteilt. Zusätzlich ordneten die Richter die Einziehung eines Geldbetrages von über 1000 Euro an. Das ist der Umsatz, den der Angeklagte mit der Droge gemacht hat. Während die Einziehung des Bruttobetrages aus Drogengeschäften bislang im Ermessen des Gerichts stand, ist sie einem neuen Gesetz zufolge seit 1. Juli zwingend vorgeschrieben.
Mit dem Urteil ist der Angeklagte noch gut davongekommen. Ursprünglich war die Anklage davon ausgegangen, dass der 24-Jährige nicht nur bis zu 120 Gramm Marihuana von einem Arbeitskollegen angekauft, sondern dass er davon auch in acht Fällen knapp 50 Gramm an einen jungen Mann aus Kulmbach weiterveräußert hatte, der erst 17 Jahre alt war. Die Abgabe von Drogen an Jugendliche wiegt vor dem Gesetz besonders schwer.
Während der Angeklagte über seinen Verteidiger Jan Paulsen aus Würzburg den Handel mit Marihuana einräumen ließ, blieb die Kernfrage der Verhandlung zunächst offen. Hat der Angeklagte gewusst, dass sein Ankäufer noch keine 18 Jahre alt war? Das Schöffengericht unter Vorsitz von Nicole Allstadt sah es letztlich als nicht erwiesen an, dass der Angeklagte tatsächlich das Alter des Schülers wusste. Der 17-Jährige hatte selbst bestätigt, dass er gegenüber dem Angeklagten nichts Persönliches preisgegeben hatte. Eine wirkliche Beurteilungsgrundlage hätte der Angeklagte damit nicht gehabt, sagte die Richterin. Sie ging vielmehr davon aus, dass der Angeklagte sich darüber überhaupt keine Gedanken gemacht hat.
Staatsanwalt Bernhard Böxler hatte dagegen eine andere Ansicht vertreten und war davon ausgegangen, dass der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen hatte, einem unter 18-Jährigen Marihuana zu verkaufen. Er hatte deshalb auch eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung gefordert, während Verteidiger Paulsen von Anfang an auf eine Geldstrafe plädierte.


Lieferanten ans Messer geliefert

Somit blieb lediglich der Ankauf von Marihuana in 15 Einzelfällen übrig. Dabei hielt das Gericht dem Angeklagten besonders zugute, dass der Mann ausgepackt und seinen Lieferanten, einen Arbeitskollegen aus dem Raum Hof ans Messer geliefert hatte. Der Mann wurde bereits in einem eigenen Verfahren vor dem Amtsgericht Hof rechtskräftig verurteilt.
Nicht besonders ins Gewicht fallen sollte der Anbau von Marihuana. Bei einer Wohnungsdurchsuchung hatten Polizisten im Sommer 2016 sieben Pflanzen entdeckt, die Ernte lag bei rund 100 Gramm. Was auf den ersten Blick viel erscheint, relativiert sich schnell, wenn man den Wirkstoffgehalt betrachtet. Mit 0,6 Gramm lag der nur bei etwa einem Zehntel des sonst üblichen Wirkstoffgehaltes. Dabei hatte sich der Angeklagte große Mühe gegeben, sich im Internet extra einen speziellen Aufzuchtschrank mit Lüftungsschlauch und speziellen Lampen besorgt.
Wenn das Urteil letztlich doch relativ milde ausfiel, dann vor allem deshalb, weil der Angeklagte nicht vorbestraft war, weil er von Anfang an geständig war und an der Aufklärung weiterer Straftaten mitgewirkt hatte. Darüber hinaus hatte er sich aus seinem alten Umfeld gelöst und ist vor zwei Wochen in ein anderes Bundesland gezogen, wo er auch einen neuen Job gefunden hatte. Den Drogenkonsum hat der 24-Jährige nachweislich eingestellt.