Über Nacht hatten sie für ihren Beitrag zur Oberen Stadt 1000 Likes auf der Internetplattform Instagram. Das heißt: 1000 Mal Zustimmung zu ihrem Vorschlag, wie sie die Situation in der Oberen Stadt verbessern wollen. Die Gruppe "Junges Kulmbach" ist ein junger Spieler in der Stadtpolitik. Eine Gruppe, die nicht nur Probleme aufzeigt und Forderungen stellt, sondern sich auch Gedanken über Lösungen macht.

"Die Resonanz auf unseren Instagram-Beitrag zeigt, dass die jungen Leute wahrgenommen werden wollen", erzählen Dominik Klaus Miskolci, Heiko Rödel, Katharina Müggenburg und Tobias Hübner, vier der Köpfe hinter dem "Jungen Kulmbach". Denn bisher, so ist ihre Überzeugung, würden in der Oberen Stadt mit Verboten und Polizeikontrollen nur die Symptome bekämpft, nicht die Ursachen, die zu Lärm, Streitereien, Randale und zerbrochenen Flaschen in der Feiermeile führen.

Die Gruppe (Miskolci: "Wir wollen Sprachrohr für die jungen Leute sein") gibt es noch gar nicht so lange. Vor ein paar Wochen ist sie erstmals im Internet in Erscheinung getreten, inzwischen verfolgen ihre Aktivitäten rund 700 Personen auf Instagram. Damit sind sie nach eigener Einschätzung innerhalb kürzester Zeit zur populärsten Jugendorganisation in Kulmbach geworden.

Wer jetzt denkt, dass hier nur eine Gruppe feierlustiger Kulmbacher zugange ist, der ist auf dem Holzweg. Dominik Klaus Miskolci (30) ist Lehramtsstudent, Heiko Rödel (37) Sachgebietsleiter für Notrufdienste und Personalratsvorsitzender bei der Johanniter Unfallhilfe Oberfranken. Katharina Müggenburg (23) ist Bachelor-Studentin Mediendesign, Tobias Hübner (31) Polizeibeamter. Die Gruppierung ist unpolitisch, auch wenn einige schon Erfahrungen in Jugendorganisationen von Parteien gesammelt haben.

Dominik, Heiko, Katharina und Tobias sowie ein Dutzend anderer junger Leute haben sich schon länger Gedanken darüber gemacht, wie man Kulmbach für ihre Generation - und auch für die Studenten, die hierher kommen sollen - attraktiver machen kann. Dass nun die Obere Stadt so im Mittelpunkt steht, ist eher Zufall. "Das Thema ist im Moment sehr präsent." Deshalb haben sie ihren Fokus darauf gelegt und versucht, Lösungen zu suchen.

Die zentrale Idee dabei: die Obere Stadt in den Abendstunden am Wochenende zu einer Fußgängerzone zu machen, nur die Anlieger dort noch fahren zu lassen. Damit könne man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Wirte könnten die Außenbestuhlung erweitern, so mehr Sitzplätze anbieten. Die Gäste würden dort ihre Getränke konsumieren, hemmungsloses Trinken und das Zerschlagen von Flaschen somit unterbunden. Die Gastronomen hätten nach Corona zudem mehr Umsatz. Und zu guter Letzt würden die Autotuner, die mit ihren aufgemotzten Fahrzeugen Stadtrunden drehen, ausgebremst.

Dass nun auch ein Security-Dienst für Ruhe sorgen soll, halten sie nicht für die beste Idee. Das sei nur die nächste Eskalationsstufe, wenn man weiß, wie provokant die manchmal auftreten, befürchtet Heiko Rödel. Tobias Hübner will dem dagegen eine Chance geben wie auch Katharina Müggenburg. Es wird kontrovers diskutiert.

Das Team hinter dem "Jungen Kulmbach" bedauert, dass die Stadt beim letzten Runden Tisch nicht auch Jugendliche und Anwohner hinzugezogen hat, um gemeinsam nach Kompromissen zu suchen. Denn, so stellen sie übereinstimmend fest, es gebe derzeit keine Alternativen für die jungen Leute, sich zu treffen und soziale Kontakte zu pflegen. "Nichts, das die Lage entzerren könnte", so Heiko Rödel. "Deshalb gehen auch so viele in die Obere Stadt", ergänzt Tobias Hübner.

Selbst wenn sie sich "Junges Kulmbach" nennen, so steht der Zusammenschluss auch älteren Semestern offen. Es ist sogar eine Vereinsgründung angestrebt. Die jungen Leute sollen merken, dass Ideen ernst genommen werden und nicht im Sand verlaufen, ist ihr Fazit.

Es gibt natürlich auch noch andere (politische) Jugendorganisationen in der Stadt, die sich mehr oder weniger aktiv in das Geschehen einmischen.

Zum Beispiel die Junge Union. Auch die setzte sich schon für "kontrolliertes Feiern in der Pandemie" ein und hatte über Jugendsprecher Torsten Grampp einen entsprechenden Antrag in den Stadtrat eingebracht. Sein Anliegen wird von der Verwaltung geprüft und kommt am 29. Juli zur Abstimmung erneut in den Stadtrat. Darin geht es um die Verlängerung der Sperrstunde in der Außengastronomie im Stadtbereich für Freitag und Samstag bis 24 Uhr.

Gelten soll sie in den warmen Monaten von Mai bis Oktober. Diese Regelung soll unabhängig von der aktuellen Lage dauerhaft sein. Dahinter steht auch der neue JU-Vorsitzende Frederik Barth (18), der erst seit Sonntag im Amt ist. "Wir haben eine Nuller-Inzidenz und steigende Impfquoten: Wir müssen den Jugendlichen jetzt eine Chance zum Feiern geben." Die Gruppe "Junges Kulmbach" sieht er nicht als Konkurrenz zur JU, die sich seit Jahren dauerhaft engagiere und gute Erfolge (50/50-Taxi) vorzuweisen habe.

Bei den Jusos ist es dagegen ruhig. Auf den bei jungen Leuten beliebten sozialen Netzwerken tut sich nicht viel. "Wir planen zwar Aktionen, aber erst, wenn Corona wieder nachlässt", erklärt Vorsitzende Pauline Schweens. Für sie sei wichtig, dass die Leute wieder feiern können, allerdings dürfe man nicht vergessen, dass "wir immer noch Pandemie haben". Sie vertraue darauf, dass sich die Menschen entsprechend verhalten. Allerdings bedauert auch sie, dass keine jungen Leute zum jüngsten Runden Tisch der politisch Verantwortlichen zum Thema Obere Stadt eingeladen waren.