W as kann man doch für Schelte bekommen, wenn man seine Überzeugung kundtut. "Die Rente ist sicher", hat uns Norbert Blüm 1997 in seiner Rede im Bundestag erklärt. Heute wissen wir: Sicher ist nichts. Ob die jüngere Generation ihre ersten Rentenzahlungen mit 67, 70, 80 oder letztlich gar nichts mehr erhält - wer kann das heute schon sagen?

Blüms Satz bewegt seit Jahrzehnten die Gemüter. Viele Politiker haben daraus gelernt, flüchten sich, statt ihre Meinung kundzutun, oft in Plattitüden, nach dem Motto: Wer nichts verspricht, im Ungefähren und Belanglosen bleibt, der fährt nicht schlecht. Das kennen wir von unserer Kanzlerin ("Veränderung heißt, Neuland betreten", "Politik muss immer das Gesamte im Blick haben"), aber auch von unseren Kommunalpolitikern, die in den kommenden Wochen und Monaten wieder zur Höchstform auflaufen werden, denn: Es ist Wahlkampfzeit. Die ersten Floskeln haben wir schon gehört. Nicht fehlen darf da natürlich das "Es darf kein weiter so geben" oder "Nur gemeinsam sind wird stark". Oder: "Wir müssen mehr zu den Menschen hingehen." Wobei ich mir die Frage stelle: Sehen sich Politiker als eine ganz andere Spezies?

In vagen Allgemeinplätzen zu reden, hat Hochkonjunktur. Bis zum 15. März, dann dürfte das "Phrasenschwein" voll sein. Dann ist Wahltag - und die Zeit der abgedroschenen Redewendungen hoffentlich vorbei.