Der Winter naht - und damit könnte sich die Situation für Flüchtlinge aus den Bürgerkriegsgebieten wie Syrien in Bayern nochmals dramatisch verschlechtern. Zumal dann, wenn sich die Zahl der Ankommenden in den nächsten Wochen spürbar erhöhen sollte. Vor dem Hintergrund dieses möglichen Szenarios mussten alle Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern der Staatsregierung im Rahmen des Asylbewerber-Notfallplans weitere Notunterkünfte melden.

Platz für bis zu 300 Menschen

Für den Kreis Kulmbach hat das Landratsamt mitgeteilt, dass die Häuser des Bayrischen Roten Kreuzes dafür in Frage kämen, falls Bedarf besteht.
Wie BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold auf Nachfrage der BR mitteilte, sind das vor allem die beiden größten Einrichtungen: das Gebäude in der Flessastraße in Kulmbach sowie die BRK-Rettungswachse am Rotkreuz-Platz in Stadtsteinach. "Es geht ja darum, dass wir für die Menschen, die sich dort dann aufhalten sollen, entsprechende Räume zum Leben bereitstellen. Diese Räume müssen beheizbar sein und zudem über ausreichend dimensionierte Sanitärbereiche verfügen", erklärte Dippold. Die Vorgabe aus München sei gewesen, dass der Kreis kurzfristig Unterbringungsmöglichkeiten für 200 bis 300 Personen bieten muss. "Das können wir leisten", sagte er. Eine Anfrage für diese Plätze lägen aber bislang nicht vor.

Für den Fall aber, dass auf Grund einer weiteren Zuspitzung der Flüchtlingssituation weitere Kapazitäten benötigt werden, kommen laut Dippold auch Turnhallen für die vorübergehende Unterbringung in Betracht. "Auch dort müssen wir natürlich gewährleisten, dass die Menschen eine akzeptable Situation vorfinden." Eine Unterbringung in Zelten ist, so Dippold, "die ultima ratio" und keinesfalls eine Lösung für eine dauerhafte Beherbergung. Die BRK-Kleiderkammer könnte die Flüchtlinge mit dem Nötigsten wie Winterkleidung und Decken ausstatten.
Nach Angaben von Isabella Burger, im Landratsamt Sachbearbeiterin für Asyl, könnte kurzfristig der Fall eintreten, dass beispielsweise aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf ein Bus mit Asylbewerbern sich Richtung Kulmbach in Bewegung setzt. "Für diesen Fall wären wir gerüstet."

Der Notfallplan der Staatsregierung sieht vor, dass sich Kreisverwaltungen Gedanken über wintertaugliche Notunterkünfte Gedanken machen sollen. "Diese erste Phase haben wir durchlaufen und unsere Meldung abgegeben", betont Isabella Burger.

Situation in München entschärfen

Die Staatsregierung hatte im Oktober einen Krisenstab eingerichtet, weil sich unter anderem in der überfüllten Aufnahmestelle der Bayernkaserne in München dramatische Szenen abgespielt hatten. Teilweise mussten Menschen im Freien übernachten - in den anstehenden Wintermonaten wäre das ein Unding. Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) hatte den Behörden mit auf den Weg gegeben, sie müssten vom normalen Verwaltungsmodus in den "Krisenmodus" wechseln. Erste Aufgabe des Krisenstabs war es, sich um eine Entspannung der Lage in München zu kümmern, wo jede Woche Tausende Flüchtlinge eintrafen.

An dem Krisenstab beteiligt sind mehrere Ministerien, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg, die Landeshauptstadt München, Regierungspräsidien, Polizei, Wohlfahrtsverbände und Bundeswehr. Geführt wird der Krisenstab von Staatskanzleichef Huber sowie Sozialministerin Emilia Müller.

In Bayreuth hatten am vergangenen Wochenende 200 Menschen durch eine außergewöhnliche Aktion die Flüchtlingsproblematik an den europäischen Grenzen thematisiert: Auf ein Zeichen (wie bei einem Flashmob) legten sich die Teilnehmer in der Fußgängerzone auf den Boden und ließen ihre Körperumrisse mit Kreide umrahmen - wie bei Leichen im Krimi. Neben die Markierung wurden Namen geschrieben, meist afrikanische oder arabische, dazu Todesort und Sterbedatum. In diesem Fall: Mittelmeer und 2014.