Bald kann geimpft werden. Das verspricht die Bundesregierung. Auch in der früheren Kulmbacher Spinnerei, in der das zentrale Impfzentrum des Landkreises eingerichtet wird, soll der Corona-Impfstoff verabreicht werden. Welche Vorbereitungen getroffen werden, wo der Impfstoff, der bei minus 70 Grad tiefgekühlt sein muss, gelagert wird, wie die erforderlichen Ärzteteams organisiert werden? Fragen, die der Leiter des Corona-Krisenstabs am Landratsamt, Oliver Hempfling, im Interview beantwortet. Herr Hempfling, die vierte Etage im Spinnerei-Gebäude wird die zentrale Impfstelle sein. Wann rechnen Sie damit, dass dort die ersten Personen geimpft werden? Das hängt davon ab, wann der Impfstoff zugelassen und uns geliefert wird. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass das Impfzentrum bis zum 15. Dezember einsatzbereit ist. Was hat den Ausschlag für das Spinnereigebäude gegeben? Die Voraussetzungen dort sind nahezu ideal. Es stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung. Auch mit dem öffentlichen Personennahverkehr ist das Impfzentrum gut zu erreichen, liegen Bahnhof und Busbahnhof doch direkt vor der Tür. Zudem ist die Barrierefreiheit gegeben. Welche Vorkehrungen müssen getroffen werden? Sind bauliche Veränderungen vonnöten? Bauliche Veränderungen sind nicht erforderlich. Es ist ein etwa 1000 Quadratmeter großer Raum, der fast so, wie er jetzt ist, als Impfzentrum genutzt werden kann. Wir müssen die räumliche Aufteilung so organisieren, dass dort ein "Einbahnstraßenbetrieb" sichergestellt ist. Wir brauchen einen Empfang, an dem die Leute registriert werden, einen Wartebereich, Kabinen, in denen die Aufklärung beziehungsweise Impfung erfolgt, auch einen Nachsorgebereich sowie einen Check-out. In einem abgetrennten Bereich wird die Vorbereitung des Impfstoffs erfolgen. Dort werden auch die Verwaltung, ein Lager sowie ein Aufenthaltsraum angesiedelt sein. Das lässt sich alles provisorisch gestalten, unter anderem mit Bauzäunen, Sichtschutz, Schreibtischen etc. Wir sind dem BRK und dem THW sehr dankbar, die uns bei den Vorbereitungen helfen. Wird es noch weitere Impfzentren im Landkreis geben? Ob es noch ein weiteres stationäre Impfzentrum geben wird, kann man derzeit nicht sagen. Was feststeht: Es wird auf jeden Fall bis zu vier mobile Impfteams geben, die zu Impfungen ausrücken, weil aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen natürlich nicht jeder die Spinnerei aufsuchen kann.Zusätzlich werden diese Teams auch in Alten- und Pflegeheimen zum Einsatz kommen. Der Corona-Impfstoff von Biontech muss bei 70 Grad minus ultragekühlt werden. Wo wird der Impfstoff gelagert? Gelagert und gekühlt werden soll er in bundesweit rund 60 Verteilzentren, von denen aus er dann in die Impfzentren ausgeliefert wird. Wie viele Personen können pro Tag geimpft werden? Die Zahl von 300 täglich steht im Raum. Dies deshalb, da der Impfstoff, wenn er einmal aus der Kühlung herauskommt, in drei bis fünf Tagen verimpft werden muss. Vielleicht können wir die Zahl 300 sogar übertreffen. Welche Aufgaben kommen auf den Landkreis Kulmbach zu? Wie viele Ärzte sind bei der Impfung eingebunden? Wir müssen uns vor Ort um das Impfzentrum, die Ausstattung, Organisation und Verwaltung, kümmern. Es gilt, ein Team von Ärzten und medizinisches Fachpersonal zu organisieren, das sich um die Impfung kümmert. Hier sind wir dem Ärzteteam um Anja Tischer, Thomas Koch, Herbert Mädel und Marie-Luise Rasch dankbar, das die Einsatzplanung vornimmt. Das wird kein leichtes Unterfangen sein, denn alle helfenden Hände werden uns im Impfzentrum parallel zu ihrer eigentlichen Tätigkeit, ob in einer Praxis oder im Klinikum, unterstützen. Die Bereitschaft der Mediziner, sich zu engagieren, ist riesengroß. Wird nur im Impfzentrum geimpft? In der ersten Phase ja. In einer zweiten Phase ist es vorgesehen, dass Impfungen wie jede andere Impfung auch in den Arztpraxen vorgenommen werden. Welche Gruppen werden zuerst geimpft? Wir warten hier auf eine Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums. Die Ständige Impfkommission hat am Montag einen ersten Empfehlungsentwurf vorgelegt. Priorität sollen demnach Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen, Personen im Alter von 80 Jahren und älter, Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen, Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen, Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege und andere Tätige in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu den Bewohnern haben. Müssen Leute, die sich in der Spinnerei impfen lassen wollen, einen negativen Test vorlegen? Wo meldet man sich an, wenn man sich impfen lassen will? Die Vorlage eines negativen Tests wird wird nach derzeitigem Kenntnisstand nicht erforderlich sein. Beim Aufklärungsgespräch im Impfzentrum wird der Arzt eine Anamnese vornehmen und da auch auf mögliche Symptome achten. In jedem Fall findet im Rahmen der Anmeldung eine Fiebermessung statt. Wer sich impfen lassen will, muss sich ähnlich wie bei unserer Abstrichstelle einen Termin geben lassen. Wie das Prozedere genau ablaufen wird, werden wir rechtzeitig bekanntgeben. Die Fragen stellte Alexander Hartmann.