Bei der Familie Bräunig in Gelbsreuth herrscht derzeit der Ausnahmezustand. Vater Nils ist einer der Einsatzleiter bei der Höhlenrettungsaktion in Marktschellenberg, wo rund 200 Helfer versuchen, einen verunglückten Höhlenforscher, der in gut 1000 Metern Tiefe festsitzt, zu befreien.

"Zum Glück kommt so ein Einsatz extrem selten vor", sagt Ehefrau Angelika. Sie hat gerade Urlaub und kann sich daher um die beiden Kinder des Paares kümmern - und viele Telefonanrufe entgegen nehmen. Durch so einen wichtigen Einsatz rücken die Retter in den Fokus.

Nils Bräunig, gelernter Vermessungs-Ingenieur, 40 Jahre alt und von jeher begeisterter Höhlenkletterer, ist im Hauptberuf Geschäftsführer der freien Waldorfschule Wernstein. In seiner Freizeit ist er als Höhlenretter aktiv.
Auf einem ehemaligen Bauernhof in Gelbsreuth, wohin die Familie, die vorher im Raum Stuttgart lebte, vor sechs Jahren gezogen, gibt er Kurse und er ist auch immer wieder im Einsatz. "Kleine Unfälle hier in der fränkischen Schweiz passieren schon häufiger, aber da ist er immer nach ein paar Stunden wieder zu Hause", sagt seine Frau.

Teamarbeit ist wichtig

Diesmal bleibt er länger. Abends ein kurzes Telefonat, das ist alles, was die Familie derzeit von ihm hört. Der Einsatz fordert die ganze Aufmerksamkeit des Familienvaters. Angst hat seine Familie nicht um ihn. "Nils ist extrem umsichtig und vorsichtig. Das haben Höhlenkletterer so an sich." Ehefrau Angelika vertraut den Fähigkeiten ihres Mannes. "Die Höhlenrettung ist nichts für Einzelkämpfer," sagt sie. "Da müssen alle zusammenstehen, die Helfer arbeiten konzentriert und als perfekt eingespieltes Team. Das steht an erster Stelle!"
Donnerstag Abend wird Nils Bräunig wieder nach Hause kommen. Vielleicht nur für ein paar Stunden. Je nachdem wie der Einsatz weiter verläuft.

In der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden, der bislang längsten und tiefsten Höhle Deutschlands, sitzt seit dem Wochenende ein Höhlenforscher fest. Der Mann aus dem Raum Stuttgart, der als sehr erfahren gilt und die Riesending-Höhle schon mehrfach begangen hat, war bei einem Steinschlag so schwer verletzt worden, dass er den stundenlangen Aufstieg aus dem Höhlensystem aus eigener Kraft nicht schaffte.

Mittlerweile haben Helfer den Verletzten erreicht. Dessen Zustand soll stabiler sein, als erste Berichte vermuten ließen. Dennoch kann es wohl noch Tage dauern, bis er aus der Höhle befreut werden kann.

Im Einsatz sind bei dieser groß angelegten Rettungsaktion eine ganze Reihe von Spezialisten für die Höhlenrettung. Zusammen mit Nils Bräunig haben sich am Wochenende auch drei ehrenamtliche Höhlenretter von der Bergwacht Fichtelgebirge auf den Weg nach Berchtesgaden gemacht.


Zur Person


Höhlenfan Schon als Kind hat Nils Bräunig an einem Höhlenkletterkurs teilgenommen und ist seither fasziniert von Höhlen.

Höhlenretter Seit über 20 Jahren ist Nils Bräunig begeisterter Höhlenretter. Er hat gemeinsam mit anderen den Höhlenrettungsverbund (HRVD) Deutschland gegründet und zeigt in Kursen Höhlenforschern, was sie bei Kameradenrettung und dem richtigen Equipment beachten müssen.

Familie und Beruf Nils Bräunig ist 40 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Gelbsreuth (Markt Wonsees). Beruflich ist er als Geschäftsführer der Freien Waldorfschule in Wernstein aktiv.