Er ist ein Pfarrer, der nicht nur von der Kanzel predigt: Daniel Städtler, der seine christlichen Botschaften seit kurzem auch über die sozialen Medien verbreitet. "Viele suchen Hilfe bei einem Lebensberater oder Life-Coach. Dabei kann auch der christliche Glaube helfen", sagt der Wonseeser Pfarrer, der sich auf YouTube, Instagram und Facebook an ein junges Publikum wendet. Herr Pfarrer, Sie senden Ihre christlichen Botschaften seit ein paar Wochen nicht nur in den Gottesdiensten, sondern auch über die sozialen Medien aus. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Daniel Städtler: Ich habe den Beitrag eines Influencers gesehen, der für vegane Ernährung wirbt. Es hat mich beeindruckt, welchen Einfluss er auf sein Zielpublikum hat. Ich habe mir gedacht: Was für die Ernährung gilt, das müsste doch auch mit dem christlichen Glauben möglich sein.

Ich sehe die sozialen Medien als eine Plattform, auf der ich Leuten, die mit der Kirche wenig anfangen können, hoffentlich zeigen kann, dass der Glaube viel zu bieten hat. Wie versuchen Sie junge Menschen, die man für den herkömmlichen Gottesdienst nicht mehr begeistern kann, abzuholen? Ich weiß nicht genau, welche Zielgruppe ich mit meinen Beiträgen erreiche, aber der Großteil ist sicher unter 30. Ich will Themen ansprechen, die die Leute bewegen. Viele suchen Hilfe bei einem Lebensberater oder Life-Coach. Dabei kann auch der Glaube helfen.

Ich möchte Fragen, die mir gestellt werden, beantworten. Das kann über den Sinn des Lebens bis hin zur Frage gehen, warum Christen bedenkenlos Schweinefleisch essen dürfen. Wer Antworten sucht, kann das in Kommentaren unter meinen Beiträgen anführen, sich aber auch auf Instagram oder per E-Mail an mich wenden. Der Titel eines Beitrags lautet "Meine Freunde glauben nicht an Gott. Macht mich das traurig?" Wie lautet Ihre Antwort? Wer das genau wissen will, sollte mein Video anschauen. Meine Kurzantwort lautet: Jein. Nein, weil ich immer mit Leuten zu tun habe, die nicht an Gott glauben. Ich habe als Jugendlicher den christliche Glauben ja selbst für einen totalen Scheiß gehalten. Ich dachte, das ist unvernünftiger Blödsinn. Mich habe ich umgekehrt dann natürlich für schlauer gehalten. Die typischen Vorurteile eben... Erst im Laufe der Jahre habe ich den Weg zu Gott gefunden.

Es macht mich aber auch traurig, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass Gott das Leben vieler Menschen bereichern könnte. Besonders traurig bin ich übrigens, wenn jemand für seinen christlichen Glauben angefeindet wird. Wie oft posten Sie Beiträge? Für gewöhnlich jeden Mittwoch, wobei ich wie am Buß- und Bettag meine Botschaften schon mal ein paar Tage früher einstelle. Ich setze mich da nicht unter Druck, denn es ist ja mein privates Vergnügen. Warum nennen Sie sich "Herr_Pfarrer"? Das hat einen ganz einfachen Grund: Weil mich in Wonsees kaum einer mit meinem eigentlichen Namen anspricht, ich für die meisten eben nur der "Herr Pfarrer" bin. Die Kirche lebt vom menschlichen Kontakt. Die Gemeinschaft erfährt man in den Gottesdiensten. Den Gottesdienst-Besuch kann der virtuelle Kontakt doch nicht ersetzen, oder? Der virtuelle Kontakt soll den Kirchgang nicht ersetzen. Die Leute, dich ich ansprechen will, gehen in der Regel ja nicht oder nicht regelmäßig in den Gottesdienst. Diesen Personenkreis will ich für das Thema Glaube begeistern. Wer dieselbe Begeisterung erleben will, kann das nur in der Gemeinschaft. Diese Erfahrung kann man aber nicht nur im Gottesdienst machen, sondern auch in anderen Bereichen, so bei der Ukraine-Hilfe.

Wer die Euphorie von Ehrenamtlichen erleben will, der muss eben mitmachen. Es kann riesigen Spaß machen, zwei Stunden lang in der Kälte einen Lkw vollzuschlichten. Dass ich selbst davon begeistert bin, was in der Kirche passiert, das spürt man hoffentlich in den Video-Botschaften. Wie steht der Kirchenvorstand dem Projekt gegenüber? Ich habe den Kirchenvorstand vorab nicht gefragt. Es ist ja auch kein Dienstauftrag, sondern meine Freizeit, die ich opfere. Bei unserer jüngsten Mitarbeitersitzung wurde ich darauf angesprochen, und ich glaube, die Kirchenvorstände finden es zumindest nicht ganz schlecht. Wie viele Abonnenten haben Sie schon? 34 bei YouTube, 120 bei Instagram, einige weitere auf anderen Kanälen. Das ist noch nicht viel, ich bin aber ja auch erst ein paar Wochen in den sozialen Medien unterwegs.

Mein ehrgeiziges Ziel sind 10 000 Follower in einem Jahr. Ob das wirklich realistisch ist, wird sich zeigen. Und wenn es überhaupt nicht läuft, dann kann ich meine Bemühungen ja auch wieder einstellen. Dann war es halt ein Versuch, den ich gestartet habe. Ist ein Like ein Like für den Pfarrer oder für Jesus? Der Like gilt weder dem Pfarrer noch Gott, sondern dem Thema. Wer ihn liked, zeigt mir, dass ihn der Beitrag interessiert hat. Das Gespräch führte Alexander Hartmann.