Jürgen Öhrlein aus Rothwind, Architekt und Gerichtsgutachter in Bauangelegenheiten, ist jahrzehntelang die Stimme der Grünen im Kulm bacher Kreistag gewesen. Seit seinem freiwilligen Rückzug im Mai 2012 aus der Kommunal politik sind seine öffentlichen Auftritte rar geworden. Jetzt meldet er sich zurück und lässt in Eigenregie die Reihe "Kino umsonst" wieder aufleben, bei der früher die Grünen wiederholt ins Kulmbacher Kino eingeladen haben, um brisante Themen ins Blickfeld zu rücken.

Am Sonntag wird der Film "Der Bauer und sein Prinz" gezeigt, der 2014 in die Kinos gekommen ist. Es ist grünes Kino und großes Kino. Beginn der Vorstellung 10.30 Uhr, Kino-öffnung 10 Uhr.

Regisseur und Produzent Bertram Verhaag entführt den Betrachter mit opulenten poetischen Bildern nach Südengland auf die ökologische Farm von Prinz Charles. Der Film zeigt einen Prinzen, der die Vision hat, die Welt ökologisch zu ernähren und die geschundene Natur zu heilen. Dieses Ziel verfolgt er mit seinem charismatischen Farmmanager David Wilson jetzt schon seit 30 Jahren. Verhaag beobachtete die beiden Visionäre mehr als fünf Jahre auf ihrer Duchy Home Farm.

Der Prince of Wales fühlt sich dem ökologisch nachhaltigen Gedanken schon seit mehr als 30 Jahren verbunden. Charles ist davon überzeugt, dass man nur mit praktischen Beispielen Bauern überzeugen kann, Land im Einklang mit der Natur und ohne Gifte zu bewirtschaften.

Herr Öhrlein, wie lebt es sich im politischen Ruhestand?
Jürgen Öhrlein: Es lebt sich gut, aber es ist kein politischer Ruhestand. Ich bin gerade drüber, TTIP-exx zu entwickeln. Das soll eine Bürgerinitiative aus Kulmbach werden, die sich - ähnlich wie damals bei "Nix
mit Abwasser-Tricks" - gegen die Politik wehren wird, Deutschland auf dem Altar der US-Interessen zu opfern. Denn nichts anderes ist das geplante Freihandelsabkommen TTIP: Es ist der Verkauf deutscher Interessen an die USA, und die Menschen zahlen die Zeche. Dagegen müssen wir etwas tun.

Mit Ihrer Initiative "Nix mit Abwasser-Tricks" haben Sie damals einen spektakulären Erfolg erzielt.
Ja, es ging darum, dass der Kulmbacher Stadtrat das Kanalnetz und die Kläranlage an einen US-Investor verkaufen und dann wieder zurückleasen wollte. Was wir in Kulmbach verhindern konnten, haben viele andere deutsche Städte gemacht. Es wird zwar weitgehend totgeschwiegen, aber mit dem Crossborderleasing zahlen diese Städte machtig drauf, teilweise das Vier-, Fünf- oder Sechsfache.

Aus dem Kreistag haben Sie sich mit der Begründung zurückgezogen, dass Sie als Architekt und Gerichtsgutachter beruflich stark belastet seien. Fehlt Ihnen die (kommunal-)politische Bühne?
Ich war 20 Jahre Kreisrat - (überlegt), aber ich bin beruflich so eingespannt, dass es mir nicht fehlt. Es tut mit aber sehr leid, wie wenig Grünes sich in Kulmbach bewegt - sowohl in der Stadtrats- als auch in der Kreistagspolitik.

Was bewegt Sie, die Reihe "Kino umsonst" auf eigene Kosten fortzusetzen?
Nachdem die Kreistagsgrünen die Aktion nach meinem Ausscheiden sterben ließen, war ich der Meinung, dass ich die Geschenke und Spenden, die ich bei der Verleihung der Bayerischen Verfassungsmedaille bekommen habe, sinnvoll einsetzen sollte. Das Geld habe ich genommen, um diesen Film zu finanzieren. Es heißt jetzt aber "Kino von uns". Denn der Verleiher von "Der Bauer und sein Prinz" war nicht erfreut über "Kino umsonst". Das werde dem Film nicht gerecht und suggeriere, dass die Dokumentation nichts taugt. Das Gegenteil ist der Fall. Veranstalter des Kinovormittags bei freiem Eintritt sind Jürgen Öhrlein und seine Freunde.

Bleibt es eine einmalige Aktion?
Nein, es soll weitergehen. Wir haben nach den Oscar-Verleihungen schon einen Film im Blick, den wir nach Kulmbach holen wollen.

Was macht die Dokumentation mit Prinz Charles sehenswert?
Der Film hebt das Positive der Landwirtschaft heraus, nicht negative Beispiele. Die Botschaft ist: Mit dem Tier, mit der Pflanze und ökologisch leben.