Eigentlich hat Klaus Hieke zur Zeit Urlaub. Er könnte es sich zu Hause gemütlich machen, alle Viere von sich strecken. Doch obwohl Klaus Hieke einen anstrengenden Schichtarbeiterjob hat, ruht er auch im Urlaub nicht aus. Im Gegenteil: Von früh bis spät ist er derzeit unterwegs, um die 45 Kilometer Wegstrecke, die der Frankenwaldverein Grafengehaig zu betreuen hat, freizuschneiden, in Ordnung zu halten, zu optimieren, zu pflegen.

Klaus Hieke wird von seinem Stellvertreter Matja Ismael und weiteren freiwilligen Helfern unterstützt. Und trotzdem ist es nicht einfach, den 18 Kilometer langen Mühlenweg, den 8,5 Kilometer langen Grafengehaiger Weg, den Schlackenmühlweg mit einer Länge von 4,5 Kilometern und die ganzen anderen Wege in Schuss zu halten.


Ein Aushängeschild

"Seit zwei Jahren läuft ja die Qualitätsoffensive ,Wanderbares Deutschland' - wir sind ein Teil davon und jetzt in der Endphase", sagt Hieke. Seine Frau Margitta, die Obfrau des Frankenwaldvereins Grafengehaig, wird an diesem Punkt noch etwas konkreter. Die Wege müssen gepflegt sein, damit sie ein Aushängeschild für die Region sind.

Das bedeutet: Zur Zeit ist Klaus Hieke jeden Tag unterwegs, bringt die Wege in Schuss, schneidet aus, mäht oder sammelt Müll auf. "Und beim Heckenschneiden packe ich auch mal an", sagt Margitta Hieke. 150 ehrenamtliche Arbeitsstunden im Jahr bekommt Wegewart Klaus Hieke locker zusammen. Dafür gibt es lediglich eine kleine Aufwandsentschädigung.

Die vorgeschriebenen einheitlichen Markierungen sind bereits angebracht, Wegewart Klaus Hieke und sein Team bemühen sich, die Wege immer in optimalem Zustand zu halten. "Es geht um das große Ganze", sagt Margitta Hieke. Und das große Ganze ist eben die Qualitätsregion "Wanderbares Deutschland". Die Bewertungskriterien, die der Deutsche Wanderverband anlegt, sind hoch. Es geht um eine gemeinsame Infrastruktur, um nachhaltige Pflege, aber eben auch um strukturierte Zusammenarbeit.


Strenge Richtlinien

Viele Anforderungen - wie die genormte Beschilderung - erfüllen auch die Grafengehaiger Wege. Tatsächlich ist in den Richtlinien zum Beispiel vorgegeben, dass maximal fünf Prozent des Wegenetzes auf befahrenen Straßen verlaufen dürfen und dass maximal 3000 Meter am Stück neben befahrenen Straßen (maximal zehn Prozent des Wegenetzes) verlaufen dürfen. Bei Qualitätstouren müssen alle zwei Kilometer Landschaftswechsel erfolgen und mindestens eine Natur- oder Kulturattraktion und mindestens ein Vernetzungsknoten alle zwei Kilometer vorhanden sein. Und auch Unterkünfte und Einkehrmöglichkeiten sind gefordert.

"Wir können nicht alles erfüllen", sagt Hieke offen. Doch in einem Punkt sind die Grafengehaiger schon ganz vorne: in der Wegepflege. Sie pflegen und markieren, sie kontrollieren und dokumentieren die Wegepflege gegenüber dem Wanderverband und bitten auch Wanderer um Unterstützung. "Wenn mal was nicht in Ordnung ist, dann würden wir uns freuen, wenn die Wanderer anrufen, dann können wir tätig werden", so Hieke.
"Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit den Gemeinden, auch mit den Presseckern und den Neuensorger Wanderfreunden", betont Margitta Hieke.


Nachwuchssorgen

Nur eins macht ihr Sorgen: der Nachwuchs. "Wir haben jetzt 175 Mitglieder im Frankenwaldverein Grafengehaig, rund zwanzig davon leben auswärts. Aber unser Durchschnittsalter liegt bei 73 Jahren. Das ist schon besser geworden, unser jüngstes Mitglied ist erst ein Jahr alt - aber es könnte noch besser sein", findet Margitta Hieke.
Ein bisschen bemängelt Margitta Hieke, dass die jüngeren Menschen nicht mehr bereit sind, Verantwortung auf Dauer zu übernehmen. "Die Jugend ist da, wenn es um konkrete Projekte geht - das muss man sagen. Aber dauerhaft Verantwortung zu übernehmen, das ist ein Problem. Ich habe Angst, dass es, wenn ich einmal nicht mehr weitermachen kann, es nicht mehr weitergeht", befürchtet Margitta Hieke.