Am 22. April hatte sich ein tragischer Unfall am Kulmbacher Flugplatz ereignet: Damals waren der Untersteinacher Unternehmer Klaus Georg Purucker und ein weiterer Mann beim Absturz eines zweisitzigen Ultraleichtflugzeug vom Typ ATEC 122 Zephyr ums Leben gekommen. Es gab zahlreiche Spekulationen, was zum Absturz des Fluggeräts geführt hat. Ein wenig Licht ins Dunkel, wenn auch noch keine vollständige Aufklärung, bringt der Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig.

Das war an jenem verhängnisvollen Tag vor gut zwei Monaten passiert: Klaus Georg Purucker und sein Begleiter wollten Zeugenaussagen zufolge zu einem Rundflug starten. Eine Überwachungskamera des Kulmbacher Flugplatzes zeichnete den Start auf. Wie auf den Aufzeichnungen zu sehen ist, hob das Ultraleichtflugzeug nach 190 Metern vom Boden ab und ging unmittelbar danach in einen Steigflug über. Nach einer Flugzeit von 13 Sekunden geriet das Luftfahrzeug in eine unkontrollierte Fluglage und prallte etwa 30 Meter vor dem Pistenende auf den Asphalt. Der Aufprall wurde jedoch nicht aufgezeichnet.

Bei dem Absturz wurden beide Insassen tödlich verletzt und das Ultraleichtflugzeug zerstört. Der vordere Cockpitbereich mit Motor war abgetrennt, das Bugrad war eingeknickt und die Propellerblätter waren jeweils im ersten Drittel bis zur Hälfte abgebrochen. Die rechte Tragfläche war mehrfach gebrochen und gestaucht. Die linke Tragfläche, der Leitwerksträger mit den Leitwerken sowie das Hauptfahrwerk waren optisch unversehrt. Bei einer Untersuchung des Triebwerkes wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Es gab keinen Hinweis auf ein Feuer.

Für Probleme bei der Bergung sorgte damals das Rettungssystem, das nicht ausgelöst hatte und unkontrolliert zu detonieren drohte. Die Entschärfung gestaltete sich als schwierig und zog sich über mehrere Stunden.

Der 52-jährige Klaus Purucker war nicht nur als Chef der Firma Purucker Metalltechnik bekannt, sondern spielte auch eine wichtige Rolle bei den Freien Wählern, für die er 2017 für den Bundestag und 2019 für den Kulmbacher Kreistag kandidierte. Zudem war er einer der stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbandes Kulmbach. Er war nach Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung seit 9. Juli 2015 im Besitz einer unbefristet gültigen Lizenz für Luftsportgeräteführer mit dem Eintrag für aerodynamisch gesteuerte Ultraleichtflugzeuge, einschließlich Passagierflugberechtigung.

Sein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis war allerdings nur bis zum 3. Januar 2021 gültig. Die Gesamtflugerfahrung Puruckers betrug rund 130 Stunden mit 500 Landungen, was laut dem Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), Jens Friedemann, "nicht viel" ist, zumal in dieser Zahl 25 bis 30 Stunden Ausbildungszeit inbegriffen sind. In den 90 Tagen vor dem Unglück hatte Purucker 1.45 Stunden und eine Landung auf der Zephyr 2000 absolviert. Davor war er laut persönlichem Flugbuch am 11. September 2020 das letzte Mal geflogen - ebenfalls mit der Zephyr 2000.

Bei der Zephyr 2000 handelt es sich um ein Ultraleichtflugzeug der tschechischen Firma Sebest Air. Die letzte technische Prüfung hatte am 1. April stattgefunden, also nicht lange vor dem Absturz. Die maximale Zuladung beträgt 110 Kilogramm. Wie die Ermittlungen der Experten ergaben, belief sich die Zuladung jedoch auf mindestens 260 Kilogramm.

Das war aber wohl nicht der Grund für den Absturz. Jens Friedemann: "Das spielt zwar hinein, aber zur Ursache werden wir erst die Folgerungen in unserem Abschlussbericht ziehen." Hier ist die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bestrebt, diesen Bericht innerhalb von zwölf Monaten vorzulegen, was auch in vielen Fällen gelinge.

Zum Absturzzeitpunkt herrschte nach den Aufzeichnungen von Überwachungskameras gute Sicht bei gering bewölktem Himmel. Zeugen am Verkehrslandeplatz beschrieben den Wind allerdings als "stark böig".

Die BFU hat die Aufgabe, Unfälle und schwere Störungen beim Betrieb von Luftfahrzeugen in Deutschland zu untersuchen und deren Ursachen zu ermitteln. Das alleinige Ziel der Untersuchung ist die Verhütung künftiger Unfälle und Störungen.

Das Luftamt Nordbayern, das bei der Regierung von Mittelfranken angesiedelt ist, hat den Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bisher noch nicht ausgewertet. Erkenntnisse zu einem möglichen Fehlverhalten oder Verschulden des Flugplatzbetreibers liegen bisher nicht vor, heißt es seitens des Luftamts.

Auch für die Polizei sind die Untersuchungen im Fall des tödlichen Flugzeugabsturzes vom April noch nicht abgeschlossen. "Das Gutachten der Bundesstelle wird wesentlich in die polizeilichen Ermittlungen einfließen", erklärte Pressesprecher Matthias Potzel auf Anfrage der Bayerischen Rundschau.