Aufmerksamen Autofahrern auf der B 85 in Richtung Kronach fällt es schon seit längerem auf: an der Talmühle in Metzdorf tut sich was. Und zwar einiges. Nach einem größeren Abriss im vergangenen Sommer folgte nun ein umfangreicher Anbau. Besitzer und Bauherr Johannes Jahreiß hat uns mit auf die Baustelle genommen und das Großprojekt erläutert.

Bauherr behält nur ein Büro

Der 38-Jährige hat die Talmühle von seinen Eltern, die bis vor zwei Jahren dort gelebt haben, überschrieben bekommen - mit dem wohlgemeinten Ratschlag: "Mach was Schönes draus, damit es erhalten bleibt." Er hätte es auch einfacher haben können, denn mehr als ein Investor hat bei ihm angeklopft, um ihm Gebäude und Grundstück abzukaufen. "Aber die hätten es wohl platt gemacht, um etwas ganz Neues zu bauen, und das wollte ich nicht", sagt Jahreiß. Und so musste er sich die Frage stellen: Was mache ich jetzt damit? Er hat sich dafür entschieden, viel Geld in die Hand zu nehmen und das alte Mühlengut, das aus drei miteinander verbundenen Gebäudeteilen besteht, komplett umzubauen und zu sanieren, so dass am Ende ein Mehrfamilienwohnhaus mit insgesamt sieben Wohneinheiten entsteht. Die Wohnungen werden vermietet. Der Bauherr, der in der Talmühle geboren wurde und aufgewachsen ist, zieht selbst nicht mit ein. Er lebt in Berlin und zeitweise auf dem elterlichen Hof in Wüstendorf und behält für sich lediglich ein kleines Refugium im Erdgeschoss der alten Mühle. Dort möchte er sich ein Büro einrichten.

Die Talmühle, eines der ältesten Häuser in Metzdorf, hat im Laufe der Jahrhunderte schon zahlreiche Umbauten und Erweiterungen erlebt - das ist auch der Grund, warum das Ensemble nicht unter Denkmalschutz steht, wie die Stadt Kulmbach auf Nachfrage bestätigt. Zeugnis von dieser bewegten Geschichte gibt ein Schriftstück, das Johannes Jahreiß bei den Bauarbeiten in einem alten Schreibtisch gefunden hat (siehe auch "Die Geschichte der Talmühle"). Es ist nicht zuletzt diese lange Familientradition, durch die er sich verpflichtet fühlt, die Talmühle zu erhalten, "reich werde ich damit nicht".

Radikale Verjüngungskur

Als er sich vor zwei Jahren an die Projektplanung machte, war schnell klar: in dem jetzigen Zustand ist das verschachtelte Gebäudeensemble nicht rentabel. Vor allem Scheune und Stallungen waren marode, deren künftige Nutzung fraglich. "Ich hätte es so nicht halten können, die Betriebskosten wären einfach zu hoch gewesen. Ich habe nach einer zukunftsfähigen Lösung gesucht", erzählt der Bauherr. Und so entschloss er sich zu einer radikalen Verjüngungskur, die auch bei den Nachbarn auf breite Zustimmung stoße, so Jahreiß.

Im letzten Sommer wurden Scheune und Stallungen komplett abgerissen. Übrig blieben drei Gebäudeteile: die Mühle, das alte, fränkische Bauernhaus mit dem prägnanten Schriftzug "Talmühle" und das neuere Wohnhaus etwas versteckt dahinter, in dem die Eltern von Johannes Jahreiß gelebt haben.

Barrierefrei dank Aufzug

Auch das Dach des Mühlentraktes wurde zurückgebaut. An dessen Stelle wurden - auf Erdgeschoss und ersten Stock - nun zwei neue Stockwerke in Holzständerbauweise gesetzt, die über die komplette Länge des Baukörpers verlaufen. In den nächsten Wochen geht es an die Installations- und Innenausbau-Arbeiten ("Ich habe gute Handwerker aus der Region"), und bereits im Juni soll alles fertig sein. Dann wird die alte Talmühle sieben moderne Mietwohnungen beherbergen. Zwei im fränkischen Bauernhaus, zwei im jüngeren Wohnhaus dahinter und drei im Neubau über der Mühle. Letztere sind barrierefrei und haben einen Aufzug.

Erhalten bleibt der markante, verglaste Holzbalkon an der Vorderseite und der Schriftzug "Talmühle", der farblich hervorgehoben werden soll. Die genaue Farbgestaltung steht aber noch nicht fest.

Die Geschichte der Talmühle

Der Kulmbacher Stadtteil Metzdorf, der 2010 sein 650-jähriges Bestehen feierte, war früher eigenständig und wurde am 14. Februar 1946 eingemeindet. Die Talmühle ist eines der ältesten Gebäude in Metzdorf. Seit 1867 ist sie im Besitz der Familie Jahreiß, zuvor hatten die Urahnen von Johannes Jahreiß das Gehöft bereits gepachtet. Die Familie besitzt noch einige alte Bilder und Dokumente, die Einblick geben in die Geschichte des Hauses.

Im Zuge der aktuellen Bauarbeiten ist in einem alten Schreibtisch ein Schriftstück vom 2. August 1947 von Johann Georg Hans Jahreiß, dem Großvater von Johannes Jahreiß, aufgetaucht, in dem dieser aus Anlass eines Umbaus die Familienchronik niederschreibt. "In dieser schweren Nachkriegszeit (...) hat sich mein Vater entschlossen, trotz schwierigster Materialbeschaffung, das einstöckige und schlechte Nebengebäude zu erneuern und in der Höhe des Hauses aufzubauen und ein Getreidelager darin zu errichten. Ich will nun kurz die Hof- und Familiengeschichte niederschreiben und mit einmauern, in der Hoffnung, sie möge in Jahrhunderten bei Wiedererneuerung gefunden werden und Zeugnis ablegen von der Tatkraft und des Fleißes meiner Eltern und der jetzigen Familie."

Herrschaftsmühle der Burg

Demnach wurde das Anwesen bereits 1586 als "Herrschaftsmühle der Grafen auf der Plassenburg" urkundlich erwähnt. 1867 sei es nach langjähriger Pacht von den Revierförstergeschwistern Wolf in Ziegelhütten gekauft worden. 1918 wurde ein Stück Scheune angebaut; 1930 ein Wohnhaus, und auch die veraltete Mühle wurde erneuert und die Leistung damit auf "zwei Tonnen in 24 Stunden" gesteigert.

"Nachzuholen ist noch, daß mein Vater 1928 eine Bäckerei einbaute und das Brot durch seinen besonderen Wohlgeschmack weit und breit bekannt wurde", heißt es in der Familienchronik. Tatsächlich war diese Bäckerei bis in die 1950er Jahre in Betrieb. Weil die Bäcker in der Stadt aber über diese Konkurrenz alles andere als erfreut waren, so Johannes Jahreiß, musste sich die Familie entscheiden zwischen Mehl und Brot, und konzentrierten sich daraufhin auf den Mühlenbetrieb.

1934 wurde abermals die Scheune vergrößert, 1947 ein Nebengebäude samt Getreidelager errichtet. Dazu heißt es in der Niederschrift: "Der jetzige Bau kostet unglaublich viel Mühe und Wege denn nach diesem verlorenen Krieg und dieser jetzigen Hungersnot unter amerikanischer Besatzung und der Wertlosigkeit des Geldes sind alle Baustoffe, sogar jeder Nagel, nur gegen Tausch (bei uns in Form von Mehl, was sonst nur auf Bezugscheine geht) zu haben."

Die Eltern von Johannes Jahreiß haben in den 1980er Jahren eine Landwirtschaft aufgebaut, zuletzt war die Talmühle ein Pferdehof mit 35 eingestellten Tieren.