Eigentlich war es als dummer Streich gedacht: Man beschmiert Treppenstufen mit Seife, und irgendjemand rutscht darauf aus. So kam es auch, allerdings mit erheblichen Folgen für das Opfer. Jetzt mussten sich die beiden Übeltäter, ein 16- und ein 19-jähriger aus der Jugendhilfeeinrichtung in Fassoldshof bei Mainleus, unter anderem wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Für den Haupttäter gab es unter Einbeziehung mehrerer Vorstrafen ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, für den noch minderjährigen Komplizen 80 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Das Opfer, eine 57-jährige Erzieherin, die mittlerweile in Oberbayern lebt, wird den 18. April 2014 so schnell nicht vergessen.
Die Frau, die an diesem Tag Dienst in Fassoldshof hatte, erlitt durch den Treppensturz unter anderem eine Gehirnerschütterung, eine Sprunggelenksdistorsion, ein Halswirbelsäulensyndrom, Knöchelprellungen sowie Verletzungen am Rippenbogen. "Mein Leben hat sich seitdem total verändert", sagte die Frau, die noch immer wegen des Sturzes in Behandlung ist und die wegen der Sache schon viele Wochen lang arbeitsunfähig und krankgeschrieben war. Dabei hatte sie sich so auf den Beruf der Erzieherin gefreut. Erst zwei Jahre vor dem Vorfall hatte sie die entsprechende Ausbildung beendet.

"Sport geht gar nicht mehr"

Jetzt stand die Frau im Gerichtssaal und musste sich mit Tränen in den Augen die Entschuldigungen der jungen Leute anhören. "Mir ging es richtig schlecht", sagte sie. Sport sei ihr größtes Hobby gewesen, heute gehe gar nichts mehr.

Zuvor hatte der 19-jährige Haupttäter, der aus dem Raum Aschaffenburg kommt, die Tat eingeräumt: "Es war ein Dummejungenstreich", sagte er. Er habe nicht die Erzieherin treffen wollen, sondern Gleichaltrige. Ganz offen räumte er sogar ein, dass er die Tat aus Langeweile begangen habe. Auf fünf bis sechs Stufen habe er die farblose, flüssige Seife verrieben. Der mitangeklagte 16-Jährige habe dabei geholfen.

Auch Letzterer sagte aus, dass er aus Angst und Langeweile gehandelt habe. Auf das Motiv "Angst" ging er allerdings nicht näher ein. Aber auf Teil 2 des Streiches. Der sollte nämlich darin bestehen, dass man einem Dritten die Tat in die Schuhe schiebt. Fast wäre das gelungen. Der andere saß bereits vor dem Richter, als der 16-Jährige schwerste Gewissensbisse bekam und auspackte.

Der 19-jährige Haupttäter musste sich allerdings nicht nur wegen der Körperverletzung verantworten, sondern auch wegen mehrerer anderer Taten. So hatte er an einem einzigen Tag, dem 1. Juni 2014, gleich drei Mal eine brennende Zigarette unter einen Rauchmelder in Fassoldshof gehalten. Dreimal rückte ein Löschzug der Feuerwehr mit jeweils zehn Mann Besatzung an.Schließlich war auch noch eine echte Brandstiftung angeklagt. So hatte der 19-Jährige zusammen mit anderen Burschen Strohballen auf einem Feldweg bei Mainleus angezündet und dabei einen Schaden von 50 Euro verursacht. Das mit der Feuerwehr habe er witzig gefunden, sagte der Angeklagte, bei der Zündelei sei er angetrunken gewesen.

Trotz seiner erst 19 Jahre hatte der Angeklagte schon sechs Eintragungen in seinem Vorstrafenregister. Unter anderem war er bereits als 15-Jähriger an einem filmreifen bewaffneten Raubüberfall auf eine Parfümerie in Großostheim beteiligt gewesen. Damals erhielt er acht Monate auf Bewährung.

Sowohl Staatsanwalt Matthias Burkhardt als auch die beiden Verteidiger Andreas Piel und Berthold Martin, beide aus Kulmbach, sprachen sich für die letztlich auch verhängten Jugendstrafen von einem Jahr und zehn Monaten gegen den Haupttäter und von 80 gemeinnützigen Arbeitsstunden gegen den 16-Jährigen aus. Zugute hielten sie beiden Angeklagten das Geständnis und die Entschuldigung, zu Lasten die extrem hohe Gefährlichkeit der Tat. "Dieser Streich hätte auch tödlich enden können - oder mit einer Querschnittslähmung", so der Staatsanwalt.

Die Tat zeige, wie ein Dummejungenstreich ein dickes Ende nehmen könne, so Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner. Er spielte damit auch auf mögliche zivilrechtliche Forderungen des Opfers an, die für beide Angeklagte noch ganz schön kostspielig werden können.

Der Haupttäter bekommt nun einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und muss hundert Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Für den 16-Jährigen bleibt es bei den 80 Arbeitsstunden.