Dass aus den ehemaligen Erzfeinden USA und Kuba wieder Freunde wurden, dazu hat ein kleines Land mitten in Europa einen großen Beitrag geleistet. Die Rede ist vom Vatikan, der erfolgreich die Rolle des Vermittlers übernommen hatte. Einer breiten Öffentlichkeit wurde schlagartig bewusst, dass auch der Heilige Stuhl über einen diplomatischen Dienst verfügt.

Einer seiner Diplomaten ist der in Kulmbach geborene und in Enchenreuth aufgewachsene Rüdiger Feulner, seit 2014 Mitarbeiter der apostolischen Nuntiatur in Brüssel. Am Freitagabend gewährte der Monsignore in einem kurzweiligen Dialog mit dem ehemaligen Fernsehjournalisten Dietmar Gaiser ("Jetzt red i") Einblicke in die Arbeit eines päpstlichen Diplomaten. Rund 50 Zuhörer interessierten sich für das Gespräch bei der Akademie für Neue Medien im Langheimer Amtshof.

"Als Diplomat in einer apostolischen Nuntiatur - so nennt man die Auslandsvertretungen des Vatikans - ist man unmittelbar dem Heiligen Vater als Souverän des Kirchenstaates unterstellt", erläuterte Feulner. Und Gaiser hakte nach: "Wie kam man auf Sie, einen Priester aus Franken?" In den Auslandsvertretungen habe es zu viele Italiener und zu wenig Mitarbeiter aus anderen Ländern gegeben, so Feulner. Daraufhin habe man die deutsche Bischofskonferenz gebeten, einen geeigneten Bewerber vorzuschlagen.


Kaplan in Scheßlitz

"Ich war damals Kaplan in Scheßlitz, als sich der frühere Bamberger Erzbischof Karl Braun gemeldet hat", erinnerte sich Feulner. Der Anruf sei für ihn wie aus heiterem Himmel gekommen. Dass er in den diplomatischen Dienst berufen werden könnte, daran habe er überhaupt nicht gedacht. Gaiser fragte: "Was ging Ihnen da im ersten Moment durch den Kopf?" Und der 46-Jährige schilderte zur Erheiterung des Publikums seine damalige Gefühlslage: "Ich dachte, ich wurde angeschwärzt, weil ich immer so gerne Schafkopf gespielt und auch manchmal getanzt habe. Alles in allem hatte ich ein recht mulmiges Gefühl."

Welche Voraussetzungen braucht man, um in den Botschaften des Vatikans arbeiten zu dürfen? "Man muss ein Doktorat besitzen und mehrere Sprachen sprechen. Ich habe den Doktor der Theologie und der Philosophie gemacht. Außerdem spreche ich fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Latein." Letztere sei keine tote Sprache - darauf legte Feulner großen Wert: "Sie ist offizielle Sprache im Vatikanstaat. Das steht sogar im Grundgesetzt des Vatikans."

Als Aufgabe päpstlicher Diplomatie nannte der Gast, zum einen das Verhältnis zwischen dem Apostolischen Stuhl und fremden Staaten zu fördern und zu pflegen sowie zum anderen die Verbindung zwischen den Landeskirchen und dem Vatikan zu stärken. In der Diplomatie des Vatikans spielen Feulner zufolge die Verpflichtung zum Weltfrieden, die Ökumene und das gedeihliche Miteinander mit anderen Religionen eine wichtige Rolle.


Thema Karriere

Dem munteren Plausch schloss sich eine ebenso rege Diskussion an. Wie es um die Karrieremöglichkeiten eines päpstlichen Diplomaten bestellt ist, wollte Stadtrat Wolfram Brehm wissen. Feulner gab sich bescheiden: "Karrieredenken zählt zu den 15 Krankheiten der Kurie, von denen Papst Franziskus gesprochen hat. Deshalb treibt mich diese Frage nicht um. Darüber sollen meine Vorgesetzen entscheiden."

Vom Charakter des neuen Papstes zeigte sich Feulner begeistert. "Lateinamerikaner, insbesondere Argentinier sind sehr spontane Menschen. Ich finde seine Mentalität sehr erfrischend."