Große Überraschungen, so hieß es gestern, suche man auf der SPD-Liste für die Kulmbacher Stadtratswahl vergebens. Was so auch stimmt - mit einer Ausnahme. Auf einem hinteren Platz findet sich ein Name, den man bisher nicht mit der SPD in Verbindung gebracht hat, sondern mit den Republikanern: Fritz Hahn, der REP-Kreisvorsitzender und REP-Kreisrat war.

Eigentor geschossen?

Bei der SPD wundert man sich, dass das Thema jetzt "hochgezogen" wird. Fritz Hahn sei schon lange bei den Republikanern ausgetreten, er habe sich distanziert, heißt es. Andere sprechen hinter vorgehaltener Hand von einem "Eigentor", das die Genossen geschossen haben. Außer dem Spitzenkandidaten und SPD-Stadtrats fraktionsvorsitzenden Ingo Lehmann sowie dem Betroffenen selbst will offiziell aber keiner Auskunft geben.

Rückblende: In den neunziger Jahren ist Fritz Hahn Wortführer der Republikaner in Kulmbach. Mitbegründer des Kreisverbands, Kreisvorsitzender und ab 1996 Kreisrat einer Partei, die vom Verfassungsschutz (bis 2005) beobachtet wird. Fremdenfeindlich, zum Teil rechtsextremistische Bestrebungen, Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus - so urteilt der Geheimdienst über die Republikaner.

Fritz Hahn tritt 1999 aus der Partei aus. "Hahn kehrt Reps den Rücken", titelt die BR damals. In dem Artikel distanziert er sich allerdings nicht von deren politischen Zielen, sondern gibt als Gründe an: "selbstherrlicher Führungsstil" des Landesvorsitzenden und fehlende Rücken deckung des Landesverbands.

Fritz Hahn ("dass ich noch mal so viel Publicity bekomme") leugnet seine Vergangenheit nicht. "Ich schäme mich nicht, ich habe nichts zu verbergen. Ich habe immer einen klaren Strich zwischen Republikanern und NPD gezogen", sagt er. Er habe sich durch seinen Austritt vor 14 Jahren distanziert. Ohnehin habe er sich immer für Kommunalpolitik interessiert und nicht für Landes- oder Bundespolitik: "Da habe ich als Handwerker zu wenig Einblick."

Er sei noch heute stolz, dass er von der Türkischen Gemeinde in Kulmbach zu deren 75-Jahr-Feier eingeladen worden ist, und schwärmt von der "besonderen Gastfreundschaft". Er erinnert sich aber auch nicht ungern, mit Republikaner-Gründer Franz Schönhuber "mal ein Bier getrunken" zu haben.

Angebot von anderer Partei

Er habe mit den Leuten von damals "und dem ganzen Zeug" heute nichts mehr zu tun, so Fritz Hahn, der sich als "glücklicher und zufriedener Rentner" bezeichnet. Der 64-Jährige betont: "Ich strebe kein politisches Amt mehr an."

Wenn er politisch hätte weitermachen wollen, wäre dies nach seinem Abschied im Jahr 2002 aus dem Kreistag möglich gewesen: "Da hatte ich ein klares Angebot von einer anderen großen Partei in Kulmbach - das war nicht die SPD."

Der Kontakt zur SPD ("Ich hatte früher schon Schröders Politik für gut gehalten") ist Fritz Hahn zufolge zufällig zustande gekommen. "Wenn ich die SPD unterstützen kann, ganz hinten auf der Liste, dann mache ich das."

Ein Angebot, auf das Ingo Lehmann zurückgekommen ist. "Seine Republikaner-Vergangenheit war für mich nie ein Thema", erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende. "Wir haben das gewusst und intern im Ortsverein diskutiert" - da habe es keine Einwände gegeben.

Auch bei der Nominierungsversammlung im Sportheim des TSV 08 Kulmbach sei über alle Namen geredet worden. Der Vorschlag sei einstimmig angenommen worden: Fritz Hahn, parteifrei, Platz 26. "Mehr kann man nicht machen", betont Ingo Lehmann.

Ex-NPD-Mann im Landtag

Der SPD-Sprecher versteht die ganze Aufregung nicht und verweist auf das Beispiel des CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner, der im Stimmkreis Kronach-Lichtenfels das Direktmandat gewonnen hat. "Bei anderen Parteien sitzen Leute mit einer rechtsextremen Vergangenheit sogar im Landtag."

Der Kronacher CSU-Mann sei aktives NPD-Mitglied gewesen. Ingo Lehmann: "Er ist ausgestiegen, er hat gesagt, er ist geläutert, und da regt sich keiner drüber auf - ich zumindest nicht."