Schnelles Internet - für Firmen ein Muss, um in der digitalisierten Welt bestehen zu können. Viele Betriebe im Gewerbegebiet am Goldenen Feld waren von der Datenautobahn aber lange Zeit abgehängt. Vom digitalen Feldweg sprach noch im November 2015 der Geschäftsführer der Verkehrsakademie, Michael Möschel. Auch Barbara Hahn von Toyota Hahn klagte damals in einer Umfrage unserer Zeitung über das lahme Netz. Von Gigabit konnte sie nur träumen. "Das Internet stürzt immer wieder ab."

"Mit erheblicher Verspätung"

Und wie schaut es im September 2020 aus? Das Goldene Feld fährt auf die Autobahn auf - allerdings mit erheblicher Verspätung, sagt Michael Möschel, der sich wundert, wie lange es dauert, bis staatlich geförderte Programme umgesetzt werden. 2015 hatte die Telekom nach der Ertüchtigung des Kupferkabelanschlusses den Startknopf für ein schnelles Internet mit 30 bis 50 Megabit pro Sekunde gedrückt.

Gebucht hätte er gern

Von der Vermittlungsstelle am Straßenrand sollte das Signal über Kupferkabel zum Anschluss der Kunden übertragen werden, die schnelles Internet buchen. Gebucht hätte Michael Möschel gerne, denn: "Der schnelle Zugang zur digitalen Autobahn ist für die Wirtschaft genauso wichtig wie eine gut ausgebaute Straße."

Kein Homeoffice möglich

Die 50 Megabit seien in der Verkehrsakademie aber erst 2019 über VDSL angekommen, sagt Matthias Korzonek, der in der Firma für das Controlling zuständig ist. Korzonek weiß, wie eine lahme Datenverbindung die Betriebsabläufe hemmt. Bis vor gut einem Jahr sei der Mailabruf oft nicht möglich gewesen, von außen habe man keinen Zugriff auf den hauseigenen Server gehabt. Für die Verkehrsakademie, die zehn Niederlassungen in ganz Deutschland hat, ein Handicap. Matthias Korzonek: "Auch Homeoffice war nicht möglich."

"Ständig nachgefragt"

Bald könnte es auch bei der Verkehrsakademie mit Highspeed gehen. Im Zuge des Glasfaserausbaus durch die Telekom sollte schon Ende 2019 ein Gigabit zur Verfügung stehen. Eine Leistung, die in der Firma noch nicht angekommen sei, so Michael Möschel. Jetzt werde der Verkehrsakademie aber ein Angebot unterbreitet, sagt Matthias Korzonek. "Aber auch nur, weil wir ständig nachgefragt haben." Kritik, die die Deutsche Telekom nicht nachvollziehen kann (siehe dazu "Telekom: Alle Verträge erfüllt").

Der Preisunterschied

129 Euro seien monatlich für die Ein-Gigabit-Leistung bei der Telekom fällig, sagt Michael Möschel. Deutlich mehr investieren müssten all die Firmen im Gewerbegebiet, die nicht im Fördergebiet lagen und nun einen Vertrag mit Vodafone eingehen. Die Mobilfunkgesellschaft verlegt seit Monaten in weiteren Teilen des Industriegebietes über die Von-Linde-Straße, die Vorwerkstraße oder auch die Lichtenfelser Straße Glasfaser.

Auch Vodafone bietet ein Gigabit, verlangt dafür aber monatlich 499 Euro, teilt Michael Möschel mit, der diese Summe für seiner Firma MGTM in der Lichtenfelser Straße zahlen wird.

"Das ist ein gewaltiger Kostenunterschied, der zeigt, welche Vorteile Betriebe haben, die über die Subventionsoffensive des Freistaates erschlossen worden sind." Während sich der Betreiber Vodafone den Glasfaser-Ausbau über die Anschlussgebühren zurückhole, müsse man bei der Telekom nur für die Datennutzung zahlen, stellt er fest. Dass das gesamte Goldene Feld bald über High-Speed-Internet verfügt, sei ein wichtiger Impuls für die heimische Wirtschaft, sagt Möschel auch in seiner Funktion als stellvertretender oberfränkischer IHK-Vorsitzender: "Es war eine langwierige Geburt. Jeder Privathaushalt in einem Ballungsraum verfügt seit Jahren über ein Gigabit. Ein Mindeststandard, den wir nun wenigstens im Gewerbegebiet haben."

Siegbert Reuther von der Firma Reuther NetConsult, der die Stadt Kulmbach bei der Umsetzung der Förderprogramme begleitet hat, kann wie Telekom-Sprecher Markus Jodl nicht verstehen, dass die 50 Megabit bei der Verkehrsakademie erst im vergangenen Jahr angekommen sein sollen. Wer Probleme mit der Bereitstellung habe, könne sich an ihn wenden, sagt Reuther. Er würde sich dann an die zuständigen Stellen bei der Telekom wenden.

Zwei-Jahres-Projekt

Dass das schnelle Ein-Gigabit Internet über Glasfaserkabel bei manchen Firmen noch nicht zur Verfügung stehe, sei jedoch nicht ganz auszuschließen. Zwar sei vertraglich vereinbart worden, dass das Projekt nach zwei Jahren abgeschlossen wird, zuweilen hinke man im Terminplan aber etwas hinterher.

Das sagt die Telekom

Auf die Kritik aus dem Goldenen Feld angesprochen, erklärt Telekom-Pressesprecher Markus Jodl, dass es in Kulmbach ein Geflecht aus sieben Kooperationsverträgen plus Eigenausbau der Telekom gibt. "Es ist deshalb nicht ganz einfach, die einzelnen Ausschreibungen in punkto Gebiete, Bedingungen und Bereitstellungstermine auseinanderzuhalten." Von den fünf Kooperationsverträgen, die man mit der Stadt bisher geschlossen habe, seien alle fristgerecht gebaut und alle geforderten Bandbreiten erfüllt worden. "Zwei weitere Kooperationsverträge wurden erst im Frühjahr unterzeichnet und haben 48 Monate Laufzeit."

Stadt hat Fördermittel erhalten

Dass die Telekom Förderrichtlinien-konform gebaut habe, könne man daran sehen, dass die Stadt ihre Fördermittel von der Bezirksregierung erhalten habe. Auch das Beratungsbüro der Stadt, die Firma Reuther Netconsulting aus Bad Staffelstein, könne das bestätigen.

Es sei nicht richtig, dass im Zuge der Ertüchtigung des Kupferkabelanschlusses High-Speed-Internet mit 50 Megabit pro Sekunde versprochen worden sei, das Firmen erst 2019 nutzen konnten . Jodl: " Es handelt sich hier um einen Kooperationsvertrag aus dem ersten bayerischen Förderverfahren. Damals war eine Leistung von 30 MBit/s für alle und 50 MBit/s für zwei Anschlüsse festgeschrieben. Diesen Vertrag haben wir am 11. Juni 2015 fristgerecht erfüllt." 19 Adressen im Gewerbegebiet könnten seit dem 4. Oktober 2019 Gigabit-Anschlüsse nutzen. "Diese 19 Adressen wurden von der Stadt ausgeschrieben, weil sie laut der Richtlinien des bayerischen Förderverfahrens förderfähig waren. Wir haben aber nur von neun Adressen einen Herstellungsauftrag erhalten. Bei den anderen Adressen liegt das Glasfaserkabel an der Grundstücksgrenze. Ohne Herstellungsauftrag sind wir nicht befugt, Privatgrundstücke zu betreten und einen Anschluss herzustellen."

Nicht im Fördergebiet?

Es könnten sich nur Gewerbetreibende beklagen, die nicht in einem der ausgeschriebenen Gebiete liegen, die keinen Herstellungsauftrag erteilt haben oder die in Ausbaugebieten liegen, die noch nicht übergeben wurden. Jodl: "Wir haben bisher alle Verträge erfüllt."red