Gehofft haben sie bis zum Schluss. Jetzt ist diese Hoffnung gestorben. "Leider hat die Vernunft den ungleichen Kampf gegen die übermächtige Windlobby verloren, die ohne Rücksicht auf die Bürger der Kirchleuser Siedlung, aber auch auf einen großen Teil der Bevölkerung von Schimmendorf die sieben Windräder auf der Kirchleuser Platte bauen darf", bedauert der Sprecher der Interessengemeinschaft Kirchleus, Hans Limmer.

Das Landratsamt Kulmbach hat als staatliche Genehmigungsbehörde inzwischen den Bescheid an den Investor verschickt. "Sonst wären wir schadenersatzpflichtig geworden. Die Rechtslage ist so, dass wir um eine Genehmigung nicht herumkommen", sagt Landrat Klaus Peter Söllner.

Landrat warnt: "Weit einsehbar"

Aber er macht keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass ihm die Entscheidung nicht passt. Schon 2011 habe er den Standpunkt vertreten, dass durch den Bau der sieben 200-Meter-An lagen auf der Kirchleuser Platte eine besonders empfindliche Landschaft tangiert ist: Das Vorranggebiet befinde sich "in exponierter Lage", und die Windräder seien vor allem aufgrund des naheliegenden Steilabfalls "sehr weit einsehbar". Was der Regionale Planungsverband aber anders gesehen hat.

Söllner betont weiter, dass er zum Teil die Bedenken der Kirchleuser verstehen kann. "Das Wohngebiet ist nach Süden ausgerichtet, so dass die Kirchleuser Siedlung durch den ständigen Blickkontakt zu den Windrädern besonders betroffen ist", so der Landrat. "Es ist ein Unterschied, ob ich so ein Ding im Rücken habe."

Deshalb hat man auch ein offenes Ohr für die Kirchleuser, die noch mal im Landratsamt vorstellig geworden sind. "Wir wollten eine neutrale naturschutzfachliche Neukartierung, weil wir den Horst des Schwarzstorchs im Wald bei Unterdornlach entdeckt haben", so IG-Sprecher Limmer.

Noch mal bei der Regierung

Aufgrund des Bürgerantrags sei man erneut bei der Regierung von Oberfranken vorstellig geworden, berichtet Söllner. Er habe gemeinsam mit OB Henry Schramm versucht, einen Kompromiss zu erreichen und die zwei Windräder auf Stadtgebiet ("besonders störend") rauszunehmen. "Das ist uns nicht gelungen. Es wurde von der Regierung mit dem Hinweis auf die eindeutige Rechtslage abgelehnt", erläutert der Landrat.

Die IG Kirchleus muss die Entscheidung akzeptieren. Bei der Genehmigung des Windparks auf der Kirchleuser Platte handelt es sich nicht um eine politische Entscheidung, "sondern um den Vollzug staatlichen Rechts", so Philipp Hetzel, Jurist am Landratsamt. Nach seinen Worten liegen zwei Naturschutz-Gutachten des Antragstellers vor, die fachlich nicht zu beanstanden seien. "Daher kann man nicht so lange begutachten, bis man was findet."

Der Investor GP Joule aus Buttenwiesen bei Augsburg darf also bauen. Dahinter steht ein deutschlandweit auf dem Sektor der erneuerbaren Energie tätiges Unternehmen, das die notwendigen Grundstücke bereits gepachtet hat.

Aufbau erst 2016

"Klar ist man erleichtert, wenn so ein Bescheid da ist", sagt der zuständige Bauingenieur Andreas Fleischmann von GP Joule. Zur Zeitplanung könne er noch nichts Genaues sagen. Man sei auch von den Lieferzeiten des Herstellers abhängig. "Da ist man grob mit einem Jahr dabei." Der Aufbau der Windräder werde wohl im Frühjahr oder Sommer 2016 beginnen.

Für die Einwohner von Kirchleus und Schimmendorf - beide Dörfer sind wegen des Windparks gespalten - , aber auch von Danndorf und Gärtenroth wird sich die vertraute Landschaft nachhaltig verändern. Obwohl der Bauantrag bereits im Dezember 2013 abgegeben worden ist, hat man die betroffene Bevölkerung zu keiner Zeit eingebunden.

Vertrauen ist futsch

"Hier wird es sehr schwer werden, das verlorengegangene Vertrauen zurückzugewinnen", meint IG-Sprecher Limmer. Er ist enttäuscht von der Gleichgültigkeit vieler Kirchleuser ("von den persönlichen Beleidigungen ganz abgesehen") und kritisiert die Rolle, die der Mainleuser Bürgermeister Dieter Adam ("Verhalten war nicht fair") gespielt hat. "Wir Bürger von der IG Kirchleus sind nicht gegen die Windkraft oder gegen die Energiewende, aber wir brauchen die Windräder nicht um jeden Preis an jedem Ort."

Somit dürfte das letzte Wort im Kirchleuser Windparkstreit gesprochen sein. Zumal die Stadt Kulmbach auch nicht - wie es zum Beispiel die Gemeinde Küps im Fall des Windparks Hain tut - vor dem Verwaltungsgericht gegen die Genehmigung klagen wird.