Die SG Enchenreuth/Presseck war wie befürchtet kein Einzelfall: nun hat Corona zwei weitere Fußball-Vereine aus dem Raum Kulmbach heimgesucht. Beim Bezirksligisten VfR Katschenreuth wurde ein Betreuer positiv auf Covid-19 getestet und mit ihm acht Spieler in Quarantäne geschickt. Schlimmer hat es den Kreisklassisten SV Motschenbach erwischt. Hier müssen ein Infizierter, 17 Mitspieler und der Trainer Michael Werzer in häusliche Isolation. Das Wichtigste vorab: Beiden Erkrankten geht es bislang gut.

Der Betreuer des VfR Katschenreuth war am vorletzten Samstag (5. September) mit acht Kickern in einem Kleinbus zum Vorbereitungsspiel beim SC Jura Arnstein (4:0 für den VfR) gefahren. Am Freitag erhielt der Betreuer die Nachricht, dass er sich mit Covid-19 angesteckt hat, vermutlich bei einem Arbeitskollegen. "Wir haben sofort das für das Wochenende geplante Testspiel gegen Bad Berneck abgesagt und den Trainingsbetrieb eingestellt", erklärt VfR-Trainer Detlef Zenk.

Das Gesundheitsamt stufte alle acht im Kleinbus mitfahrenden Fußballer als Kontaktpersonen der Kategorie I ein und verhängte eine zweiwöchige häusliche Quarantäne. Alle wurden noch am Freitag getestet, doch bis Montagabend gab es erst fünf Ergebnisse - bislang alle negativ, wie der Corona-Beauftragte des VfR, Christoph Kühn, mitteilt.

Zwischen dem Freundschaftsspiel und dem positiven Bescheid lagen fünf Tage und zwei Trainingseinheiten der 1. und 2. Mannschaft des VfR. An denen nahmen auch einige der Kontaktpersonen teil, der Betreuer war aber nicht da. "Die Trainingskollegen werden erst in Quarantäne genommen und überprüft, wenn einer der acht positiv ist", erklärt Oliver Hempfling, Leiter des Corona-Krisenstabs am Landratsamts. Auch für die Arnsteiner Kicker hätte ein weiterer positiver Bescheid noch Folgen.

Am kommenden Sonntag wollten die Katschenreuther eigentlich nach einem halben Jahr Corona-Zwangspause endlich wieder um Punkte in der Bezirksliga Ost spielen, Gast sollte der Vorletzte FC Tirschenreuth sein. Doch der VfR denkt über einen Verlegungsantrag nach, denn Detlef Zenk müsste auf sechs Spieler verzichten, deren Quarantäne bis einschließlich Sonntag dauert. "Das ist natürlich eine große Schwächung", sagt Zenk. Zwei Spieler dürfen das Haus schon am Samstag wieder verlassen.

Sollte der VfR um eine Verlegung bitten, so wird Bezirksspielleiter Gerald Schwan die Partie absetzen und neu terminieren. "Ich brauche dann vom Verein Dokumente, die die Quarantäne belegen", sagt Schwan. Auf eine Meldung ans Sportgericht werde er aber verzichten. "Das ist nur bei einem schuldhaften Nichtantreten vorgesehen", so der Bezirksspielleiter.

Natürlich ist der Corona-Fall für Detlef Zenk so kurz vor dem ersten Punktspiel nach der Corona-Pause "ärgerlich", doch der Coach sagt auch: "Dass wir diese Woche nicht trainieren können, haut uns nicht um. Es steht doch außer Frage, dass der Fußball nebensächlich ist. Viel wichtiger ist, dass alle gesund bleiben. "

Ligapokalspiel gegen Mainleus abgesagt

Noch ärger hat es den SV Motschenbach getroffen. Gleich 18 Spieler und Trainer Michael Werzer müssen bis 22. September in häusliche Quarantäne. Ein Spieler, der am vergangenen Dienstag zum ersten Mal mittrainiert hatte, war positiv auf das Virus getestet worden. Die schlechte Nachricht erhielt der Fußballer am Sonntag, noch am selben Tag mussten alle seine Trainingskollegen inklusive Trainer Werzer zum Reihentest nach Kulmbach. Ergebnisse lagen am Montagabend noch nicht vor.

Ungefähr die Hälfte der Spieler, die am Dienstag vor einer Woche mit dem Infizierten trainiert hatte, lief drei Tage später im Testspiel beim FC Kronach (3:0 für Motschenbach) auf - der Betroffene war da aber nicht dabei. Spielleiter Sebastian Kolb war als Betreuer mit von der Partie und hofft nun, dass es keinen weiteren positiven Fall gibt und nicht auch er in Quarantäne muss. "Schließlich will ich am Samstag kirchlich heiraten."

Das für kommenden Sonntag geplante Ligapokal-Spiel der Motschenbacher beim Nachbarn TSC Mainleus hat Spielleiter Gerd Rieß bereits abgesagt. Mit dem ersten Punktspiel nach einem halben Jahr am 27. September beim BSC Kulmbach könnte es für den SV aber klappen. "Wir haben uns natürlich gefreut, dass es wieder losgeht, waren auch gut vorbereitet. Aber man sieht, wie schnell es einen erwischen kann", sagt Michael Werzer.

BFV bringt Licht ins Paragrafen-Dunkel

Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat seiner Spielordnung den Corona-Paragrafen 94 hinzugefügt. Dieser gilt vorerst bis 30. Juni 2021 (Jugend bis 31. Juli 2021). Unter anderem heißt es unter Punkt 6: "Verschuldet eine Mannschaft einen Spielausfall oder tritt eine Mannschaft in Folge (..) der Covid-19-Pandemie nicht (...) an, so kann das Sportgericht (...) von einer Spielwertung absehen und das Spiel neu ansetzen."

Liest man daraus ein eher großzügiges Vorgehen des Verbandes heraus, so heißt es schon im nächsten Punkt: "Tritt ein Verein in der laufenden Meisterschaftsspielrunde im laufenden Spieljahr dreimal schuldhaft nicht an, scheidet er aus der laufenden Verbandsspielrunde aus und gilt als erster Absteiger in die nächstniedrigere Spielklasse. (...) Die während einer Sperre eines Vereins nicht ausgetragenen Spiele sind auch als schuldhafter Nichtantritt zu werten."

Eine Formulierung, die bei den Vereinen durchaus Ängste vor einem Zwangabstieg schüren kann - was aber nicht im Sinne des Erfinders war, wie BFV-Pressesprecher Fabian Frühwirth betont: "Über allem steht die Maßgabe: lieber einmal mehr als einmal zu wenig absagen, wenn es Bedenken wegen Corona gibt. Da brauchen die Vereine keine Angst vor Sanktionen haben." Frühwirth verspricht für heute eine neue, konkretere Formulierung des Corona-Paragrafen. Für die bislang schwammigen Formulierungen bittet er die Vereine um Verständnis: "Wir warten leider immer noch auf die genauen Vorgaben des Ministeriums."

Am Dienstag Online-Seminare

Wie die neuen Regelungen während der Corona-Pandemie aussehen, darüber können sich die Vereine am Dienstag, 15. September, um 17 und 19 Uhr bei Online-Seminaren auf der Verbandsseite www.bfv.de informieren.