Trotz Temperaturen von über 30 Grad hatte Hanno Fennel in der vergangenen Woche einen Schal um den Hals. Und er trug einen Hut auf dem Kopf. Fennel arbeitete im Freien und wollte sich keinen Sonnenbrand holen. Die verspiegelte Sonnenbrille machte sein cooles "Sprayer-Outfit" perfekt. Hanno Fennel war nicht der einzige Sprayer, der am Trafohäuschen auf dem Festplatz zugange war. Auch Markus Ronge zog die Blicke der Passanten auf sich. Beide hatten vom Eigentümer der Trafostation, vom Bayernwerk, den Auftrag erhalten, das Häuschen zu verschönern.

"Trafohäuschen sind oft nicht schön anzusehen. Wir wollen mit dieser Aktion unsere Technik , die wir anbieten, ins rechte Licht rücken", sagte Bayernwerk-Pressesprecher Maximilian Zängl. "Mit der Bemal-Aktion schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir lenken den Blick auf unsere Trafostationen und sorgen für einen künstlerischen Impuls in der Stadt." Die Auswahl der Motive erfolge in enger Abstimmung zwischen Künstlern und Kommunen.


Das Original im Blick

"In Kulmbach wurde ein sehr klassisches Motiv gewählt", sagt Markus Ronge. Es dreht sich ums Bier: Von der Straßenseite aus soll die Plassenburg auf dem Trafohäuschen verewigt werden. Die vier Mega-Bierfässer, die bei der Bierwoche vor dem Rathaus aufgestellt sind, stehen im Vordergrund. Außerdem zeigen Büttner ihren traditionellen Tanz.

"Die Plassenburg ist kein Problem - ich hab das Original immer im Blick", sagt e Sprayer Markus Ronge. Manchmal ging er ein paar Schritte zurück, schaute sich sein Werk an und nahm die Spraydose für eine weitere Schicht in die Hand. Wie von Geisterhand kam die Plassenburg auf der Wand. Auch die Büttner nahmen schon Gestalt an. "Das Schwierige beim Sprayen ist, dass ich nichts verwischen kann. Ich muss die Farben vernebeln", erläuterte Ronge und zeigte auch, was das heißt. Er muss jeden Farbton genau wählen, um eine dreidimensionale Wirkung zu erzielen.


Fässer waren Herausforderung

Eine Herausforderung waren die Fässer. "Die haben Schnitzereien. Das ist schwer zu sprayen", sagte Markus Ronge, der aus dem Hobby Sprayen mit den Jahren ein Geschäft gemacht hat.
Hanno Fennel war auf der Rückseite des Trafohäuschens noch nicht so weit wie sein Kollege. Er hatte ein wirklich kompliziertes Motiv. Mit einigen winzigen Strichen hat er auf den azurblauen Hintergrund einige rote Striche aufgebracht: Bei genauem Hinschauen konnte man schon die Pferdehalfter, die aus den roten Strichen entstehen sollen, erkennen. "Aber erst spraye ich das Gebäude im Hintergrund", so Fennel. Dass es sich dabei um das Vereinshaus handelt, wusste er er nicht. Für Fennel sind die Proportionen wichtig, die Farbgebung.


Das "Spraymobil"

Die beiden Sprayer der Firma art-efx aus Potsdam hatten übrigens ein "Spraymobil" mitgebracht. In einem Lieferwagen haben sie mehr als hundert verschiedene Farbtöne Dosen gelagert. "80 werden wir sicherlich brauchen", schätzte Markus Ronge.


2016 geht es weiter

Dass das Bayernwerk für die Aktion der Trafostation ausgesucht hat, hat etwas mit dem exponierten Standort am Camping-Parkplatz zu tun. "Wir werden in diesem Jahr noch zwei oder drei Trafostationen bemalen lassen, im nächsten Jahr zehn weitere", so Maximilian Zängl.
Die Kosten für die Verschönerungsaktion, die das Bayernwerk trägt liegen übrigens im vierstelligen Bereich.