Die Entscheidung fiel im nicht-öffentlichen Teil (und damit unter Ausschluss der Medien); aber Siegbert Reuther vom Ingenieurbüro NetConsulting aus Bad Staffelstein ließ in der öffentlichen Sitzung des Thurnauer Gemeinderats am Montagabend durchblicken, dass in Sachen Breitbandausbau die Telekom "das mit Abstand wirtschaftlichste Angebot" vorgelegt habe. Es habe noch ein zweiter Provider mitgeboten. Die Telekom kalkuliere mit einer Wirtschaftlichkeitslücke von 417 000 Euro. "Das liegt deutlich unter unserer Prognose", so Reuther. Für den Telekommunikationsriesen aus Bonn sei die Gemeinde "sehr attraktiv".
Auch die Entwicklung der Fördergelder habe sich für die Kommune sehr erfreulich entwickelt, sagte Reuther. "Die neue bayerische Breitbandrichtlinie sieht vor, dass sich der Fördersatz von 80 auf 90 Prozent erhöht.
Thurnau kommt in den Genuss von 910 000 Euro maximaler Fördersumme, der interkommunale Bonus beläuft sich auf 58 000 Euro." Die zweite gute Nachricht, die in diesen Zahlen steckt: Der Eigenanteil der Kommune schrumpft demnach weiter und beträgt nur noch 41 700 Euro, die über einen zinslosen Kredit finanziert werden. Zum Vergleich: Der ursprüngliche Haushaltsansatz hatte angesichts der zunächst kalkulierten geringeren Förderung noch bei rund 180 000 Euro gelegen.

Weitsichtig geplant

Reuther machte der Kommune ein Kompliment: "Es war sehr weitsichtig, in den vergangenen Jahren bei Bauarbeiten gleichzeitig Leerrohre zu verlegen. So viel Vorausschau hat man nicht allzu oft." Das bedeutet, dass die Telekom bei der Verkabelung auf viel Bestand zugreifen kann. 16 Kilometer Kabel würden laut Netzentwickler eingezogen - nur vier Kilometer davon müssen gebaut werden, so Reuther. Er ergänzte, dass sich jeder Bürger selber um eine Anpassung seines Tarifs kümmern müsse, um in den Genuss der schnelleren Datenübertragung zu kommen.

Freie Mittel zum Nachbessern

Für Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) erlaube der unerwartet große Finanzspielraum neue Möglichkeiten. Mit den noch freien Mitteln von rund einer halben Million Euro aus der Förderkulisse ließe sich dann in Eigenregie bei der Breitbandversorgung auch in jenen Ortsteilen nachbessern, die bei der Datenübertragung nicht die maximale Leistung von 50Mbit erreichten. "Wir werden zügig beim Netzbetreiber nachfragen, wo sich was machen lässt."
Handlungsbedarf bestehe in jeden Fall beim Abwasserpumpwerk in Felkendorf. Hier vergab der Gemeinderat den Auftrag zur Sanierung über 69 800 Euro an eine Firma aus Roth. Einstimmig beschlossen die Räte auch, eine Mitgliedschaft für die Gemeinde in der Leader-Region des Landkreises Kumbach zu beantragen.
Dietmar Hofmann, Fraktionssprecher der SPD/Offenen Liste Thurnau, stellte einen Antrag, Jürgen Meins und Helmut Ruppert zur nächsten Sitzung einzuladen. Meins ist Vorstand der Gräflich Giechschen Spitalstiftung, Ruppert Vorsitzender des Stiftungsrats. Zur Begründung sagte Hofmann: Beide sollen die weiteren Schritte zur Sanierung des Thurnauer Schlosses vorstellen sowie Stellung nehmen zur finanziellen Situation der Stiftung und die Pächter-Nachfolge der Schlossgastronomie. "Geklärt werden sollte auch", so Hofmann, "ob aus dem Rathaus gezielte Informationen aus nicht-öffentlicher Stiftungsratssitzung sowie Inhalte des Pachtvertrags zwischen der Stiftung und der Familie Hartl unbefugt an Dritte weitergeben worden sind."

Schloss-Stiftung: Fakten verdreht

Hofmann bedauerte, dass vor allem nach der Insolvenz des gastronomischen Betriebs öffentlich sehr negativ über das Schloss und die Mitglieder des Stiftungsrats diskutiert worden sei. Es seien von verschiedener Seite Fakten unzutreffend oder schief nach außen getragen worden, monierte der SPD-Gemeinderat. Bürgermeister Bernreuther griff den Antrag auf und erwiderte, Jürgen Meins sei bereits für eine Sitzung eingeladen.