Im Prozess um das sogenannte "Love-Scamming", also den Internetbetrug mit vorgetäuschter Liebe, hat das Amtsgericht am zweiten Verhandlungstag einen 34-jährigen Nigerianer aus dem Kreis Kulmbach verurteilt. Der Mann fungierte als eine Art Geldbote für zwei Hintermänner aus Nigeria, die zwei Frauen aus Holland und Tschechien um über 114 000 Euro gebracht haben. Der Angeklagte hatte beteuert, nichts von den üblen Machenschaften gewusst zu haben. Für das Urteil spielte dies keine Rolle, denn in den entsprechenden Paragraphen ist schon die "leichtfertige Geldwäsche" strafbar.

Deshalb kam der Mann mit einer Bewährungsstrafe von neun Monaten davon. Viel schlimmer dürfte für ihn allerdings sein, dass exakt 114 300 Euro als Wertersatz für die Taterträge eingezogen werden. Wie der Angeklagte das bei seinem derzeitigen Lehrlingslohn von 710 Euro schaffen soll, steht in den Sternen.

Perfide Masche

"Love-Scamming" ist deshalb so perfide, weil die Täter mit den meist gutbetuchten älteren, aber immer leichtgläubigen Frauen in sozialen Medien eine Beziehung aufbauen, ihnen die große Liebe vorgaukeln und eine gemeinsame Zukunft versprechen. Zu den Frauen kommen die Täter über Single-Börsen im Internet. Ist erst einmal genügend Vertrauen hergestellt, schwindeln die Täter eine Notlage vor, in die sie unverschuldet geraten seien und wegen der sie plötzlich größere Summen benötigten.

Im vorliegenden Fall hatten die Täter, sie nannten sich Fred und Ben und kamen offensichtlich ebenfalls aus Nigeria, den Weg des Geldes verschleiert, indem sie den Angeklagten als Geldboten einsetzten. Ihm spielten sie vor, dass sie Autos in Europa kaufen und nach Afrika weitervermitteln. So erklärten sie ihm die ständigen hohen Geldeingänge.

Fred, den der Angeklagte 2014 bei seiner Flucht aus Nigeria kennengerlernt hatte, gab sich bei den Damen mal als Pilot Daniel, das andere Mal als Bodybuilder Bobby aus. Der eine sitze unschuldig im Gefängnis und benötige Geld für Lebensmittel, der andere komme nicht an dringend notwendige Arzneimittel heran, wenn ihm die angebliche Dame seines Herzens nicht gleich Geld schickt - so lauteten die abenteuerlichen Geschichten, die den leichtgläubigen Frauen aufgetischt wurden. Eine soll sogar ihr Haus verkauft haben, um zu helfen.

Banken wurden stutzig

Irgendwann aber waren die Banken, bei denen der Angeklagte seine Konten hat, stutzig geworden. Meist noch am selben Tag, aber spätestens am Folgetag hatte er, der eine Lehre als Mechatroniker macht, das Geld in bar abgehoben und dem Mittelsmann Ben am Nürnberger Hauptbahnhof übergeben.

"Das hätte ihnen doch klar sein müssen, dass da irgendetwas nicht stimmt", sagte Richterin Sieglinde Tettmann in der Urteilsbegründung. "Warum haben die Gelder aus Holland und Tschechien in erheblicher Höhe auf dem Weg nach Italien einen Umweg über Deutschland genommen und wurden dann auch noch auf offener Straße in bar übergeben", fragte sich die Richterin, um gleich die Antwort zu geben: "Weil etwas faul ist." So etwas sehe man doch in jedem Gangsterfilm. Geld in bar zu verschieben, nannte Tettmann den Gipfel der Verschleierung, Und von all dem wolle der Angeklagte, den sie als intelligent und aufgeweckt beschrieb, nichts geahnt haben?

Die Bewährungsstrafe von neun Monaten hatte zuvor bereits Staatsanwältin Sabine Hauck beantragt. Verteidiger Ralph Pittroff hatte dagegen auf Freispruch plädiert. Sein Mandant habe nichts anderes getan, als Geld weiterzugeben, das ihm nicht gehörte, weil er kein Krimineller sein wollte. Die Haupttäter des "Love-Scammings" bezeichnete Pittroff als professionelle Berufsbetrüger, die besonders geschickt vorgegangen seien und damit nicht nur die Frauen, sondern auch den Angeklagten getäuscht hätten. "Die Leichtfertigkeit des Nicht-Erkennens lag nicht vor", so Pittroff. Sein Mandant habe darauf vertraut, dass alles mit rechten Dingen zugeht.