Rote Balken, die an Verkehrsschildern angebracht sind und auf gesperrte Strecken hinweisen, die gibt es im Raum Himmelkron en masse. Und das seit Monaten. Seit im Frühjahr mit der Sanierung der Autobahn-Talbrücke bei Lanzendorf begonnen wurde. Ein Millionenprojekt, das den Verkehr nicht nur auf der A 9 ausbremst, sondern auch Autofahrer, die an der Anschlussstelle Bad Berneck/Himmelkron auf die Autobahn in Richtung Süden einbiegen wollen. Denn die Auffahrt ist von Montag, 4 Uhr, bis Mittwoch, 10 Uhr, gesperrt.

Das ist ärgerlich, vor allem für die, die in den Morgenstunden zur Arbeit müssen und unter Zeitdruck stehen. Wie Klaus Emmerich, der als Berufspendler täglich nach Auerbach und Sulzbach-Rosenberg muss. Und dem in dieser Woche der Kragen geplatzt ist.

Chaotische Zustände

Emmerich musste zu einem wichtigen Geschäftstermin und ist ins Schwitzen gekommen. Die Uhr im Nacken, wollte er schnellstmöglich auf die A 9. Die ausgewiesene Umleitung, die über Bad Berneck zur Auffahrt am Bindlacher Berg führt, meidet er generell. Weil diese sowieso stark frequentiert sei und es gerade in Bad Berneck an der Ampel oft zu chaotischen Zuständen komme.

Er suche, wie viele Berufspendler, Ausweichstrecken, sagt Emmerich. Eine Option sei für ihn die Fahrt von Himmelkron über Trebgast und Harsdorf auf der Staatsstraße 2183 Richtung Autobahn-Auffahrt Bayreuth-Nord. Normalerweise. Aber nicht dieser Tage. Denn die Straße wird ausgebaut, ist zwischen Harsdorf und Ramsenthal noch für mehrere Wochen gesperrt.

"Ein Desaster"

Doch Emmerich kennt weitere Alternativen wie die Route über Nenntmannsreuth. Dort ist die Ortsdurchfahrt wegen Arbeiten an der Wasserleitung aber gesperrt. Und die Route von Altenreuth in Richtung Autobahn-Auffahrt Bindlacher Berg, die auch dicht ist.

Der Himmelkroner stand vor Sperrschildern, ist schließlich über Harsdorf und Waldau nach Neudrossenfeld gelangt, bei Unterbrücklein auf die A 70 eingebogen und weiter Richtung A 9 gefahren. "Der Weg nach Bayreuth hat bei meiner Irrfahrt 50 statt 15 Minuten gedauert", sagt Emmerich, der mit entsprechender Verspätung auch in Auerbach angekommen ist. Er spricht von einem Desaster, ist verärgert und fragt sich, warum die Bauplaner die Maßnahmen nicht besser absprechen.

Dass es im Raum Himmelkron/Harsdorf aufgrund der vielen Baustellen zu erheblichen Behinderungen kommt, ist den Planern bewusst. Man stimme sich zu Jahresbeginn ab, sagt Abteilungsleiter Siegfried Beck vom Staatlichen Bauamt, wobei seine Behörde nicht auf jede kleine gemeindliche Maßnahme Rücksicht nehmen könne.

Nicht im Alleingang

Der Ausbau zwischen Harsdorf und Ramsenthal sei dringend erforderlich, habe auch keine Auswirkung auf die Umleitungsstrecke der A 9. "Denn unsere offizielle Umleitung führt ja auch über Bad Berneck zum Bindlacher Berg." Alternativ komme man über Waldau und Neudrossenfeld auf die Autobahn 70 bei Unterbrücklein.

Dass Projekte nicht im Alleingang durchgezogen, sondern abgestimmt werden, stellt auch der Harsdorfer Bürgermeister Günther Hübner (CSU) fest. Es gebe jedoch Sachzwänge. Nicht nur die Dringlichkeit der Maßnahmen, auch die Ausschreibungen würden den Bauzeitpunkt mit bestimmen. So führe die Firma Rädlinger, die die Staatsstraße ausbaue, auch die Maßnahme auf der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Zettmeisel und Altenreuth durch. Die zeitliche Nähe habe sich im Preis ausgewirkt.

Für Ortskundige gibt es Hübner zufolge auch eine Alternativroute, die allerdings nur drei Meter breit und nur für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen ausgelegt sei. Hübner ärgert sich, dass sich Lastwagenfahrer nicht an die Tonnage-Begrenzung halten, vor allem aber über Autofahrer, die nicht die offiziellen Umleitungen nehmen, sondern auf Schleichwege ausweichen und so kleinere Dörfer belasten.

Ein Leidtragender ist da der Himmelkroner Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU), der im Ortsteil Kremitz wohnt. An einer Strecke, die auch viele auswärtige Fahrer, von ihrem Navi gelotst, als Ausweichstrecke zur A 9 nutzen.

"Eigentlich inakzeptabel"

"Montags fahren da zwischen 7 und 8 Uhr bestimmt 100 Fahrzeuge durch", schätzt Schneider, der weiß, dass die Situation für die Anwohner eigentlich inakzeptabel ist. Die Kremitzer müssten aber wie alle im Raum Himmelkron noch für ein paar Wochen die Zähne zusammenbeißen, bis die Sanierung der Lanzendorfer Talbrücke Ende November abgeschlossen ist und der Verkehr auf der A 9 wieder läuft. "Ich weiß, dass das schmerzt. Wir haben aber über Jahre gefordert, dass die Brücke saniert wird. Jetzt dürfen wir nicht klagen, dass das Projekt umgesetzt wird."

Wird die Autobahn-Anschlussstelle geöffnet, muss Klaus Emmerich keinen Schleichweg mehr nehmen, um nach Auerbach zu gelangen. Und von Harsdorf aus kommt man dann auch wieder problemlos über Bindlach Richtung Bayreuth. Wie Siegfried Beck vom Staatlichen Bauamt mitteilt, soll der Ausbau der Staatsstraße 2183 nämlich auch Ende November/Anfang Dezember abgeschlossen sein.