Es waren schwere Vorwürfe, die erhoben worden sind, in deren Zuge sogar der Rücktritt von Awo-Kreisvorsitzender Inge Aures gefordert wurde. Von Vetternwirtschaft bei der Kulmbacher Arbeiterwohlfahrt war die Rede, weil viele Aufträge für Architekturleistungen an das Büro ihres Ehemanns Hans-Hermann Drenske gegangen sind. Kritiker sprachen von Interessenkonflikten, sahen darin sogar einen Verstoß gegen die Anti-Korruptionsregeln des Sozialverbands.

Seit 2014 Vorsitzende

Aures selbst, die seit 2014 den Kreisverband führt, hatte sich bis dato zu den Vorwürfen nicht geäußert. Sie hat stets auf eine Stellungnahme des Bundesverbandes verwiesen, weil sie stellvertretende Vorsitzende des für die Überprüfung zuständigen Bezirksverbands Ober- und Unterfranken ist und keine Zweifel an der Unabhängigkeit der Untersuchung aufkommen lassen wollte.

Das Honorar für Oskar Schmidt

Über viele Wochen wurde nun schon auf das Ergebnis dieser Prüfung gewartet, bei der es auch um das Honorar für den ehemaligen Kreisgeschäftsführer und Ehrenvorsitzenden Oskar Schmidt ging, der unmittelbar nach seinem Ausscheiden mit einer neuen Aufgabe als Baubegleiter bei der annähernd 14 Millionen Euro teuren Sanierung der Heiner-Stenglein-Seniorenwohnanlage in Kulmbach betraut worden war - und dafür laut internen Papieren 135000 Euro Honorar erhalten haben soll.

Am Dienstag fand im Rahmen des Aufsichtsverfahrens gegen den Awo-Kreisverbands in Kulmbach ein Gespräch mit Vertretern des Kreisverbands, des Bezirksverbands und des Bundesverbands statt. Um die Unabhängigkeit zu gewährleisten, hatte der Bundesverband auf Bitten des Bezirksverbandes die Steuerung der Überprüfung der Vorkommnisse durch eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft übernommen.

Das sagt der Bundesvorsitzende

An dem Treffen nahm auch Bundesvorsitzender Wolfgang Stadler teil, der unsere Zeitung gestern Nachmittag über den Verlauf informierte. Stadler spricht von einer intensiven Debatte, die geführt worden sei, und stellt fest: "Dies war wichtig und richtig." In wesentlichen Punkten sei Einigkeit erzielt worden, so der Bundessprecher, der anführt: "So wird das Architekturbüro keine weiteren Aufträge mehr erhalten, um jegliche Interessenskollision von vornherein zu vermeiden."

Es sei ferner vereinbart worden, "dass die Regelungen zur Trennung von Führung und Aufsicht zukünftig strikt eingehalten werden müssen, sodass es zu keiner Vermengung einer ehrenamtlichen Organfunktion und einer hauptamtlichen Tätigkeit kommt". Wolfgang Stadler stellte dazu fest: "An dieser Stelle wurde wieder deutlich, wie sinnvoll die Vorgaben des Awo-Governance-Kodex sind. Die vollumfängliche Einhaltung ohne Ausnahmen muss beim Kreisverband zukünftig uneingeschränkt gewährleistet sein. Dies erwarten wir vom Kreisverband." Deutliche Worte, die der Bundesvorsitzende findet, der darauf verweist, dass der Bezirksverband als aufsichtsberechtigte Gliederung die Umsetzung zu überprüfen hat.

Für transparenten Umgang

Stadler spricht von einer harten, aber offenen Debatte, die die Mitglieder des Kreisvorstandes geführt hätten. Nach seinem Empfinden hätten es diese als Chance und Zeichen gesehen, "ab sofort in ihrer Zusammenarbeit vollkommen transparent miteinander umzugehen". Es habe diesbezüglich in der Vergangenheit Vorkommnisse gegeben, "die zu möglicherweise vermeidbaren Konflikten geführt haben". Neben der abschließenden Überprüfung etwaiger Rückforderungsansprüche, die durch den Kreisvorstand erfolgen müsse, "liegen die weiteren Schritte im Sinne des Demokratie- und Werteverständnisses der Awo bei den Mitgliedern". Die Sachverhalte und Ergebnisse sollten spätestens vor den Wahlen bei der nächsten Kreiskonferenz thematisiert und debattiert werden.

Inge Aures hat im Nachgang zur Sitzung auf Anfrage unserer Zeitung keine persönliche Stellungnahme abgegeben.

Ein Verstoß?

Ob die Beratertätigkeit des Ehrenkreisvorsitzenden Oskar Schmidt ein Thema war, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Ebenso nicht beantwortet wurde die Frage, ob gegen die Compliance-Regeln verstoßen worden ist und ob das, sollte es der Fall sein, personelle Konsequenzen nach sich zieht.