Laden...
Stadtsteinach
Stadtrat

Wasserversorgung in fränkischer Gemeinde: Kosten in Millionenhöhe sollen auf Bürger umgelegt werden

Die Frage der künftigen Versorgung der Dörfer im Stadtsteinacher Oberland bleibt spannend. Der Stadtrat will über die Sache noch einmal schlafen.
 
Gut 388 000 Euro kostet die Erneuerung der elektrotechnischen Anlage der Stadtsteinacher Kläranlage; im Bild Klärwärter Fred Hennemann.
Gut 388 000 Euro kostet die Erneuerung der elektrotechnischen Anlage der Stadtsteinacher Kläranlage; im Bild Klärwärter Fred Hennemann. Foto: Klaus Klaschka

Um Wasser, Abwasser und eine ordentliche Stange Geld, die über die Jahre auf alle Stadtsteinacher umgelegt wird, ging es in der Sitzung des Stadtrats am Montagabend.

Zum einen vergab der Stadtrat Aufträge für die weitere Ertüchtigung der Kläranlage über fast 700 000 Euro. Für die künftige Wasserversorgung von Triebenreuth, Vogtendorf, Bergleshof und Schwärzleinsdorf auf der Anhöhe oberhalb des Steinbruchs hat das Wasserwirtschaftsamt mittlerweile den Bauentwurf im Gesamtkostenvolumen von 3,23 Millionen Euro geprüft und diesen teilweise mit 50 Prozent als zuwendungsfähig anerkannt.

Investitionen schlagen zu Buche

Die Investitionen werden sich beim künftigen Wasserpreis bemerkbar machen; laut Bürgermeister Roland Wolfrum "nach aktuellen Schätzungen sukzessive" mit bis zu 1,15 Euro mehr pro Kubikmeter.

Ohne Diskussion stimmte der Stadtrat den Auftragsvergaben für die Erneuerung der elektro- und maschinentechnischen Anlagen in der Kläranlage zu. Die Arbeiten erledigen die Firmen Elektro Porzelt aus Stadtsteinach für 388 363,93 Euro und Lippold aus Weidenberg für 305 830 Euro.

Einen Überblick über bisherigen und künftigen Arbeiten in der Kläranlage lässt sich der Stadtrat auf Anregung von Lars Leutheußer (CSU) in der nächsten Sitzung vorlegen; außerdem werden sich die Stadträte auf Anregung von Manuel Steinl (CSU) so bald wie möglich selbst vor Ort ein Bild von der notwendigen Sanierung der Anlage machen.

Lieferung im Tankwagen

Die Wasserversorgung der Dörfer im Stadtsteinacher Oberland gärt bereits seit mehr als zwei Jahren. Im Sommer reicht die Schüttung der Quellen nicht mehr für eine kontinuierliche Versorgung aus; teilweise musste Wasser per Tanklastwagen angeliefert werden. Generell, erläuterte Bürgermeister Wolfrum, sei die Stadt verpflichtet, die Wasserversorgung in der gesamten Stadt sicherzustellen; die Kosten hierfür müssten zudem auf alle Bürger umgelegt werden, unabhängig davon, in welchem Stadtteil sie wohnen.

Dass künftig Wasser ins Oberland gepumpt werden muss, sei klar. Andererseits liefern die Quellen im Oberland zu weniger heißen Jahreszeiten mehr Wasser als dort oben verbraucht wird. Dieses überschüssige Wasser könne man dann nach unten in die Kernstadt leiten. Damit bräuchte Stadtsteinach dann entsprechend weniger Wasser von der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) beziehen, das für die ausreichende Versorgung ganzen Stadt benötigt wird.

Was passiert im Oberland?

Für diese Lösung hatten sich im April 2019 bereits die Bewohner um Triebenreuth bei einer Ortsteilbürgerversammlung ausgesprochen; auch weil sie gerne ihr eigenes Wasser weiterhin behalten wollen. Genau in diesem Punkt sind sich die Stadt und das Wasserwirtschaftamt (WWA) nicht einig: Das WWA schätzt, "dass die Schüttung der Quellen aufgrund der künftigen klimatischen Veränderungen noch weiter zurückgehen wird, so dass die Sanierungskosten nicht wirtschaftlich sein werden" und lehnt deshalb eine Förderung für die damit verbundene Erneuerung der Pumpwerke Triebenreuth und Vogtendorf mit den dazugehörigen Verbundleitungen (Gesamtkosten etwa eine Million Euro) ab.

Wegen des jahreszeitlich dennoch vorhandenen Wasserüberschusses aus diesen Quellen, der allgemein genutzt werden kann, sieht die Stadt dennoch Gesprächsbedarf. Ebenfalls abgelehnt hat das Amt die Ersterschließung des Weilers Bergleshof überhaupt (Gesamtkosten eine halbe Million Euro), dessen Hausbrunnen in den vergangenen Jahren zu Zeiten ganz versiegt waren.

"Nach heutigem Stand der Dinge kann zu den Gesamtkosten von gut 3,3 Millionen Euro eine Zuwendung von maximal einer Million Euro erwartet werden. Damit verbleibt für die Stadtwerke, also alle Bürger, ein Eigenanteil von voraussichtlich gut 2,3 Millionen Euro, die auf den Wasserpreis aufgeschlagen werden müssen", machte Wolfrum deutlich. Das würde eine Erhöhung von 1,15 Euro pro Kubikmeter bedeuten. Der Anteil für den Erhalt der Quellen Vogtendorf und Triebenreuth beträgt um die 0,50 Euro. "Das muss man den Bürgern so auch ehrlich sagen."

Bedenkzeit bis März

Der Stadtrat beschloss deshalb, sich dazu eine Bedenkzeit bis zur nächsten Sitzung um März zu geben. Seitens der SPD-Fraktion, so Karin Witzgall, sei man eher dafür, keine Quellen stillzulegen und die um 50 Cent höheren Wassergebühren "zu schlucken". Das sah Theresa Will für die Freien Wähler ähnlich, wie auch Wolfgang Martin (BLS), der dazu anregte, die höheren Gebühren eigenverantwortlich durch Wasser sparen zu mildern. Dass man die Wirtschaftlichkeit schon berücksichtigen sollte, verkündete Lars Leutheußer aus der CSU-Fraktion; hielt es dennoch für sinnvoll, noch einmal ein Monat darüber nachzudenken und auch mit Bürgern zu reden.