Pokemon spielen, ausschlafen, abends weggehen, Urlaub machen. So sah er zuletzt aus, der Tagesablauf von Maximilian Beitzinger und Jonathan Stumpf. Für die beiden jungen Männer war es eine Phase des Übergangs nach Schule und Studium. Ab dem 1. September wird diese jedoch beendet sein und ein großes Abenteuer beginnt. Denn die beiden Freunde leisten Weltfreiwilligendienst, leben dafür ein Jahr lang im ostafrikanischen Tansania und betreuen in einem Waisenhaus 30 Jungen im Alter von sieben bis 17 Jahren.


Reise in eine andere Welt

"Wir gestalten mit ihnen die Freizeit und geben Nachhilfe", sagt der Wilhelmsthaler Maximilian Beitzinger, der vor Kurzem in Kulmbach sein Fachabitur als Techniker gemacht hat und über seine Eltern vor einigen Monaten auf den vom Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) organisierten Weltfreiwilligendienst aufmerksam wurde.


Und auch seinen Kumpel Jonathan Stumpf aus Johannisthal überzeugte die Idee von der Reise in eine andere Welt: "Es werden sicher viele neue Eindrücke sein, die auch den Blickwinkel verändern", sagt der 20-Jährige, der nach dem Abitur ein Jahr lang Soziologie in Bamberg studierte, sich nach der Tansania-Zeit jedoch umorientieren möchte.

Zunächst aber stehen die beiden vor einer Herausforderung, die ihr bisheriges Leben maximal verändern wird. Über Nürnberg und Amsterdam fliegen sie nach Kigali in Ruanda. Von dort geht es weiter nach Tansania, wo die Großstadt Mwanza am Victoriasee die erste Station ist. Dort lernen die Freiwilligendienstler zwei Wochen lang Suaheli, die Amtssprache des Landes. Danach geht es weiter nach Ngara, einer Kleinstadt im Nordwesten Tansanias, die der Arbeitsplatz der beiden Freunde aus dem Landkreis Kronach sein wird.


Projekt seit 2008 unterstützt

Bereits seit acht Jahren unterstützt der BDKJ dort das von Franziskusschwestern betreute "Nazareti Center", in dem Waisenjungen eine Schlafmöglichkeit und Verpflegung erhalten und bei schulischen Belangen unterstützt werden. Außerdem erlernen die Jugendlichen in Projekten lebenspraktische Kenntnisse und Fähigkeiten, zum Beispiel in den Bereichen Gartenbau, Tierhaltung oder Hauswirtschaft. "Dort setzen wir immer junge Männer ein, die für die Jungen dann zu zusätzlichen Bezugspersonen werden", berichtet Alexandra Keller, die den Weltfreiwilligendienst des Erzbistums Bamberg für den BDKJ betreut.

Maximilian Beitzinger und Jonathan Stumpf haben das Glück, die ersten Freiwilligen zu sein, die zusammen in Ngara sind. Sie wohnen in einem Pfarrhaus nahe des "Nazareti Centers". Ihre Aufgaben reichen von der Hausaufgabenbetreuung über das gemeinsame Versorgen der Tiere auf dem Gelände bis hin zur Freizeitgestaltung, die laut Keller von den Interessen und Fähigkeiten der Freiwilligen abhänge. "Fußball zieht sich durch, aber es wird auch Musik gemacht oder Theater gespielt."

Und welche Voraussetzungen müssen die Kandidaten erfüllen? "In Tansania ist vor allem gutes Englisch wichtig. Das sollen sie den Jungen beibringen", sagt Alexandra Keller. An anderen Standorten sei zusätzlich auch Französisch oder Spanisch von Bedeutung. Außerdem müssen Interessierte zwischen 18 und 28 Jahren alt sein, eine allgemeine Hochschulreife oder abgeschlossene Berufsausbildung haben. Zudem benötigen sie die deutsche Staatsbürgerschaft und ein interkulturelles Interesse. Außerdem werden die angehenden Freiwilligen von einem Tropenarzt untersucht.

"Das Wichtigste ist aber die Bereitschaft, den eigenen Lebensstandard herunterzuschrauben, um anderen zu helfen", sagt Alexandra Keller. Die 45-jährige Diplompädagogin hat die Freiwilligen - eine davon ist auch Sharon Tögel aus Stockheim, die ebenfalls in Tansania in einem Krankenhaus arbeitet - zusammen mit einer Kollegin aus dem Bistum Würzburg in zwölf Vorbereitungstagen auf eine Zeit eingestimmt, die für die jungen Leute prägend sein wird.


Psyche stark beansprucht

Lerninhalte sind Konfliktmanagement, Krisenvorsorge, Entwicklungspolitik und Selbstbehauptung. "Vor allem psychisch werden die Teilnehmer stark beansprucht", sagt Keller, die während ihrer Seminare klarmachen will, dass die Freiwilligen ein paar Kinder wesentlich glücklicher machen, aber eben nicht die Welt retten können.
"Wir sind darauf eingestellt, mit Armut konfrontiert zu werden, und haben keine Angst", sagt Jonathan Stumpf. Größere Gedanken machen sich er und Maximilian Beitzinger, die beide Vegetarier sind, bezüglich der Ernährung. "Wir sind bereit für die Kochbananen", scherzt Beitzinger, der von Ex-Freiwilligen erfahren hat, dass das Obst fast zu jeder Mahlzeit serviert wird.

Generell jedoch - das merkt man während des Gesprächs in der Kronacher FT-Redaktion - wollen sich die beiden Freunde vor ihrer langen Reise nicht allzu viel mit Negativem beschäftigen. Es überwiegt die Vorfreude - getreu dem in Tansania verbreiteten Motto "Hakuna matata". Auf Deutsch: "Es gibt keine Probleme".
"Die Natur wird sicher überragend sein", schwärmt Jonathan Stumpf. Und Pläne für Silvester haben die beiden auch. "Da überlegen wir, nach Sansibar zu gehen", sagt Maximilian Beitzinger, der sich standesgemäß verabschiedet. "Kwaheri". Was so viel heißt wie "Bis bald" oder "Auf Wiedersehen".


Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ)

Organisation Der BDKJ ist der Dachverband von 17 katholischen Jugendorganisationen mit 660 000 Mitgliedern im Alter von sechs bis 28 Jahren.

Ziele Jugendliche sollen angeregt werden, sich kritisch und eigenständig ein Urteil aus christlicher Verantwortung heraus zu bilden und sich für eine gerechte Welt einzusetzen.
Weltfreiwilligendienst Für den BDKJ Bamberg sind derzeit 16 Freiwillige unterwegs. Neben Tansania auch in Indien, Peru, Bolivien und Senegal.

Nazareti Center Durch das vom Entwicklungsministerium ins Leben gerufene Projekt "Weltwärts" werden die Freiwilligen finanziert, die in Ngara etwa 30 Waisenjungen betreuen.

Finanzen Jede Freiwilligenstelle kostet pro Jahr etwa 16.000 Euro, u.a. für Versicherungen, Flug, Unterkunft und Verpflegung. Die Erzdiözese Bamberg zahlt 25 Prozent, den Rest steuert der Bund bei.

Kontakt Alexandra Keller; Dr.-von-Schmitt-Str. 16, Bamberg; Tel.: 0951/2960688; Mail: weltwaerts@bdkj-bamberg.de