Das Lehrerzimmer - der unbekannte Raum. Durch eine Tür getrennt vom lebendigen Flur. Zu Betreten erst nach Klopfzeichen und erfolgter Aufforderung. Was genau dahinter geschieht: Eine Quelle für Spekulationen.

So hatte Johannes Mann den Bereich, in dem die Lehrkräfte unter sich sind, neun Jahre lang wahrgenommen. Dutzende, ja hunderte Male ist er im Kaspar-Zeuß-Gymnasium an der Tür zu den "heiligen Hallen" vorbeigelaufen, durch die er jetzt ganz selbstverständlich hindurchgeht. Um zu seinem Arbeitsplatz zu gelangen.


Zurück in die Vergangenheit

Denn der Kronacher, der 2009 sein Abitur am KZG machte, ist wieder zurück. Als Referendar im Einsatzjahr unterrichtet er ein Jahr lang Mathematik und Physik. Und zwar genau in den Räumen, in denen seine Leidenschaft für eben diese Fächer einst begann.
Und als Teil eines Kollegiums mit vielen der Lehrkräfte, die einst seine eigenen Lehrer waren.

"Am Anfang war es schon eine Umstellung, manchmal habe ich sie noch mit ihrem Nachnamen angesprochen", sagt der 26-Jährige, der jetzt mit vielen seiner ehemaligen Lehrer per Du ist und sich nach zwei Wochen an seiner alten wie neuen Schule gut aufgenommen fühlt.

"Man gibt mir das uneingeschränkte Gefühl, ein vollwertiger Kollege zu sein", sagt der Referendar, der auch während seines Studiums in Bayreuth und während des halben Jahres an seiner Seminarschule in Schweinfurt den Kontakt nach Kronach nie verlor.

Immer wieder hat er seine ehemalige Schule besucht, zum Beispiel zur "Dance Street", einem Tanz- und Showevent. Außerdem kennt man ihn in der Cranach-Stadt auch als Systemadministrator. Er betreut zum Beispiel die Homepage des Struwwelpeters oder von "Kronach leuchtet". Viele Jahre lang war er auch für das Nachhilfeinstitut Heide Franz unterwegs. Johannes Mann: "Ich wollte wieder hier her und habe auch nachgeholfen und den damaligen stellvertretenden Schulleiter Thomas Müller gebeten, sich für mich einzusetzen."

Über einen Einsatz im Großraum München, wohin Referendare häufig versetzt werden, hätte er sich nicht gefreut. Auch wegen den Schülern: "In ländlichen Regionen sind sie viel netter und disziplinierter als in größeren Städten. Das habe ich schon während des halben Jahrs in Schweinfurt gemerkt."


Neuer Duft liegt in der Luft

Doch es gibt noch einen anderen Grund, warum Johannes Mann unbedingt an seine ehemalige Schule wollte. Nämlich die Tatsache, dass auch dort nicht mehr alles so ist wie früher. "Von der Ausstattung her ist das KZG derzeit wahrscheinlich die beste Schule in Bayern", sagt Johannes Mann über die nach dem Umbau neugestalteten und mit modernster Technik versehenen Räume, in denen es noch nach "Frisch gestrichen" riecht. "Davon kann ich natürlich auch in meiner Lehrprobe profitieren."

Denn der adrett gekleidete junge Mann, der im Unterricht oft Krawatte trägt, kann seine Stundenplanung zwar bereits weitgehend frei gestalten, muss sich jedoch erst noch vor den Blicken von erfahrenen Kollegen beweisen, ehe er offiziell zum Lehrer wird.

"Die Lehrprobe ist eine Showstunde, da muss alles minutiös passen", sagt Mann über die wichtigen 45 Minuten. Nicht nur Schulleiterin Renate Leive und der jeweilige Fachbetreuungslehrer sind dann anwesend, sondern es reist auch sein Seminarlehrer aus Schweinfurt an.

"Die Note entscheidet mit, ob ich nach dem Referandiariat eine Planstelle erhalte. Das ist mein Ziel", sagt Mann. Zunächst einmal freut er sich jedoch auf seine Zeit am KZG, wo er oft konfrontiert wird mit der eigenen Schulzeit. Zum Beispiel, wenn die Schüler vom Gang in sein ehemaliges Klassenzimmer rennen und schreien "Vorsicht, der Herr Mann kommt". Genau das gleiche "haben wir auch immer gemacht, nur mit anderen Lehrernamen."


HTML und Photoshop

Doch Johannes Mann erzählt am KZG nicht nur von der Vergangenheit, sondern hat auch viele Pläne. Vor Weihnachten will er einen Photoshop-Kurs anbieten, in dem Schüler eigene Grußkarten erstellen. Und er möchte seine private Leidenschaft, die HTML-Programmierung, weitergeben. "Als freiwilliges Angebot für alle Schüler", sagt Mann, dem man eines anmerkt: Da ist einer nach Hause gekommen - und will sich nun so unverzichtbar wie möglich machen. In der Hoffnung, nach dem Referendariat ein zweites Mal zurückzukommen.