Norbert Ottinger wurde heute vor 14 Jahren aus dem Leben gerissen. Der brutale Mord an dem 61-jährigen Besitzer des Edeka-Supermarktes in Mitwitz hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Obwohl die Ermittler nichts unversucht gelassen haben und den Fall unter anderem in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" vorgestellt haben, wurde der Täter bis heute nicht gefasst.

Zwar kennt die Polizei seine Identität nicht. Trotzdem haben die Ermittler etwas Essenzielles von ihm: seine DNA. Die Beamten haben am Tatort akribisch Spuren gesammelt. Darunter befand sich auch das Erbgut des Täters. Und in den darauffolgenden Jahren läuft die Zeit zugunsten der Ermittler: Die Wissenschaft macht in der Molekulargenetik große Fortschritte. Ein Haar, ein winziger Tropfen Blut oder Spuren von Speichel genügen inzwischen, um einen Täter zweifelsfrei zu überführen. Genau darauf baut nun die Sonderkommission "EKO Kreisel", die sich seit zwei Jahren mit dem Cold Case befasst. "Tatsächlich ist es gelungen, ein vollständiges DNA-Muster des mutmaßlichen Täters herauszufiltern", bestätigt Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken. Inzwischen ist es sogar möglich, mit der mitochondrialen DNA Verwandtschaften zwischen einem Täter und anderen Personen festzustellen.

Doch die Ermittler haben ein Problem: Bislang fehlt noch immer die entscheidende Spur, wo sie suchen müssen. Sie haben Recherchen in 51 Ländern angestoßen, 763 Tatortspuren ausgewertet und zuletzt von 135 Personen DNA-Proben entnommen - ohne dem Täter den entscheidenden Schritt näherzukommen. Neben 80 jungen Männern haben die Ermittler auch die DNA von Personen abgeglichen, die interessant erschienen. Die Abgabe der Proben war freiwillig - einige hatten sich zuerst geweigert und mussten erst überredet werden.

Die Beamten haben außerdem 161 Todesfälle überprüft, bei denen es keine Zeugen gab, darunter auch Suizide. "Die Ermittler haben bei jedem Fall händisch geprüft, ob es Bezugspunkte zum Mord an Norbert Ottinger gibt", erklärt Anne Höfer. "Aber das entscheidende Puzzlestück fehlt nach wie vor."

Doch Mord verjährt nicht und keiner ihrer Kollegen denkt ans Aufgeben. 14 Jahre nach der Tat gehen sie jedem Hinweis nach, der in Zusammenhang mit dem Verbrechen stehen könnte. "Die Belohnung für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat oder zur Ergreifung des Täters führen, beträgt 10.000 Euro", erinnert Anne Höfer.

Täter könnte Osteuropäer sein

Schon lange fokussiert sich die Sonderkommission nicht nur auf das nähere Umfeld des Opfers. Ebenso halten es die Beamten für möglich, dass der Täter aus dem osteuropäischen Ausland kommt. Die Witwe von Norbert Ottinger hat vor einem Jahr in einem Gespräch mit unserer Zeitung ebenfalls den Verdacht geäußert, dass eine Gruppe osteuropäischer Männer etwas mit dem Mord an ihrem Mann zu tun haben könnte. Die wären vor der Tat häufig bei ihrem Supermarkt einkaufen gewesen. Daher veranlassten die Ermittler die Übersetzung eines Presseaufrufes ins Russische, Litauische und Tschechische. Außerdem haben sie in ganz Oberfranken Plakate an Durchgangsstraßen, in Tankstellen, an Rastanlagen und in Firmen mit Bezug ins osteuropäische Ausland aufgehangen. Weiter wird die DNA des Täters mit Datenbanken des europäischen Auslands verglichen.

Einer Sache sollte sich der Mörder von Norbert Ottinger sicher sein: Was er vor 14 Jahren getan hat, wird nicht vergessen.

Der Mord an Norbert Ottinger:

Am 13. November 2006 wurde Norbert Ottinger in seinem Einkaufsmarkt in Mitwitz getötet, als er abends noch alleine im Geschäft war. Der Täter schlug mit einem Baseballschläger auf sein Opfer ein und stach mit mehreren Messern auf es ein. Weil der Mörder keine der Waffen mitgebracht hatte, halten es die Ermittler für wahrscheinlich, dass ein Einbruch schief gegangen ist.

Seit September 2018 arbeiten Spezialisten der Kriminalpolizei Coburg zusammen mit der Staatsanwaltschaft an der Aufklärung des Falls.

Im Oktober 2019 wurde der Mordfall Ottinger in der ZDF-Sendereihe "Aktenzeichen XY ungelöst" gezeigt. Moderator Rudi Cerne sprach damals von einer unglaublichen Eskalation von Gewalt: "Das Opfer ist regelrecht niedergemetzelt worden." In den Jahren zuvor war das Verbrechen bereits in der Sendung "Kripo Live" dargestellt worden.