Das schmälert natürlich etwas die Stimmung. Diese ist Aumüller nämlich besonders wichtig: Das Kribbeln, die Atmosphäre, die Menschen, die sich freuen, ärgern, jubeln - Emotionen. "Und wenn nur der Dorf-Opa meckert - das hat ja auch was von Atmosphäre." Er selbst stellt sich immer etwas abseits der Fanszene. "Ich hab ja mit den Jungs nichts zu tun. Das fände ich unhöflich", erklärt er. So machte er es auch bei seinem ersten Spiel in der Corona-Zeit mit guter Stimmung und offiziell 1419 Zuschauern: Bohemians Prag gegen FK Mladá Boleslav in der Play-off-Runde zur Europa League. Aumüller wagte sich in den etwa zur Hälfte gefüllten Heimblock. Hatte er ein mulmiges Gefühl? Er schüttelt mit dem Kopf. "Da war kein Gedränge, alles locker gefüllt. Die haben gejubelt, geflucht, gefeiert - eben ein ganz normales Spiel", erzählt er. "Im Hotel oder Taxi hatte ich, glaube ich, engeren Kontakt zu anderen Menschen."
Weitere besondere Hygienemaßnahmen machte er nicht aus. Maskenpflicht herrschte im Stadion nicht. Nur die Ordner trugen Mund-Nasen-Schutz. Zwei Wochen zuvor war das in Sokolov noch anders gewesen. Sogar Aumüllers Temperatur wurde gemessen.
Eine Saison mit "Geschmäckle"
Zwölf Spiele hat er in der Corona-Zeit in Tschechien besucht. Dass er auch in Deutschland bald wieder ins Stadion darf, davon geht der 43-Jährige stark aus. Die Fan-freien Spiele haben ihm überhaupt nicht gefallen. "Ich habe zwei, drei Spiele von Hansa live geschaut, ansonsten habe ich nur den Liveticker verfolgt. Diese Saison wird für mich immer ein Geschmäckle haben." Zwar interessiert er sich natürlich für das Spiel seines Lieblingsvereins und konnte sich etwas besser auf das Geschehen auf dem Platz konzentrieren, "aber das hat nicht viel mit Fußball zu tun. Fußball muss mit Zuschauern sein und mit Emotionen. Keine Gesänge, keine Pfiffe, kein Applaus, keine Fahnen - das macht keinen Spaß. Ich brauche einfach die Kombination aus beidem: das Spiel und die Atmosphäre."
DFL und BFV: Dürfen Zuschauer bald wieder ins Stadion?
Ab September soll der Ball in den Profi- und Amateurligen wieder rollen. Viele Fragen sind dabei noch offen. Fußballfans fragen sich aber vor allem: Dürfen Zuschauer dann wieder im Stadion dabei sein? Vollständig beantwortet wird diese Frage derzeit weder von der Deutschen Fußball Liga (DFL) noch vom Bayerischen Fußballverband (BFV).
Die DFL hat den Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga einen Leitfaden zugesendet, um sie damit bei der Erarbeitung standort-individueller Konzepte zu unterstützen. Dieser sei dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) vorab zur Bewertung vorgelegt worden, teilt die DFL mit.
"Das BMG hat betont, dass die konsequente Einhaltung höchster Infektionsschutzstandards Grundvoraussetzung ist, um Fußballspiele mit Publikum wieder möglich zu machen. Eine (Teil-)Zulassung von Zuschauern sollte immer abhängig vom regionalen Infektionsgeschehen sein. Außerdem sind die lokalen Konzepte der Klubs entscheidend, welche von den zuständigen Gesundheitsbehörden vor Ort freigegeben werden müssen. Ob es zu bestimmten Punkten, beispielsweise zu Ticket-Kontingenten für Gastvereine, ein einheitliches Vorgehen aller Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga geben wird, soll frühzeitig vor Saisonstart im Rahmen einer außerordentlichen DFL-Mitgliederversammlung besprochen werden", heißt es in der Mitteilung.
Der Staat muss entscheiden
Der BFV äußert sich nur sehr zurückhaltend, was die Zulassung von Zuschauern bei der geplanten Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab Anfang September betrifft. "Der BFV legt die Voraussetzungen für einen Spielbetrieb mit Zuschauern nicht fest, das kann er auch gar nicht, dazu ist er nicht berechtigt. Diese staatlichen Verfügungen kommen einzig und alleine von der Bayerischen Staatsregierung", erklärt BFV-Pressesprecher Fabian Frühwirth. "Wann wieder ein (Test-)Spielbetrieb in Bayern möglich sein wird und welche Auflagen dann gelten, entzieht sich unserer Kenntnis und entscheidet die Staatsregierung entsprechend des Infektionsgeschehens. Auf diese Vorgaben sind wir angewiesen."