Aufstiege, Abstiege, Meisterschaften - der SV Friesen hat in seiner Geschichte alle Höhen und Tiefen erlebt, die der Fußball mit sich bringt. In diesem Jahr ist der höchstklassige Verein im Kreis Kronach 100 Jahre alt geworden. Zwei Männer haben die "Grün-Weißen" in den vergangenen Jahrzehnten besonders geprägt: Norbert Kraus und Josef "Sepp" Geiger. Kraus wurde 1977 Schriftführer, wurde 1979 zum Ersten Vorsitzenden gewählt und blieb dies bis 2016. Heute ist der Rentner Ehrenamtsvorsitzender. Auch Geiger begann seine Tätigkeit als Schriftführer. Nach 32 Jahren gab der Rechtsanwalt sein Amt ebenfalls 2016 ab und ist heute Dritter Vorsitzender und Mäzen des Vereins.

Die beiden 66-Jährigen Friesener treffen sich an einem sonnigen Vormittag am Frankenwaldstadion, um über ihre Erlebnisse mit ihrem Herzensverein zu sprechen. Geiger greift zu Beginn in seine Tasche, zieht ein kleines Bündel mit Geldscheinen heraus, zusammengehalten von einer Sicherheitsnadel, und legt es auf den Tisch.

Was ist das, Herr Geiger?

Josef Geiger: Das sind 40 Mark. Das Bündel stammt aus den 90ern. Seit 25 Jahren sagen wir: "Bayernliga wir kommen". Es wurde aber immer gesagt: Dafür habt ihr kein Geld. Gottfried Dauer, Daniela Baumgärtner und ich haben damals das Geld zusammengelegt. Das sollte der Grundstock für die Bayernliga sein. Damit das Geld nicht verloren geht, habe ich es in eine Sicherheitsnadel aufgespießt.

Norbert Kraus: Dem Aufstieg sausen wir schon 25 Jahre lang hinterher. Dreimal hatten wir die Chance. Es könnte ja die vierte kommen.

Geiger: 2013 sind wir zum Relegationsrückspiel zur Bayernliga mit zwei Bussen nach Garching gefahren. Dort sind wir als richtiger Fanblock aufgetreten. Wir standen in zwei Blocks, daneben die Garchinger. Die hat man gar nicht bemerkt. Die Jungs neben mir - alle grün-weiß angezogen - schrien: "Ein Spiel in Garching! Wir haben ein Spiel in Garching!" Ich kenne den Fan-Slang ja nicht so und habe das deshalb nicht verstanden. Alle fragten mich: "Bist du blöd?"

Kraus: Es hieß natürlich "Heimspiel in Garching!"

Geiger: Auf der Heimfahrt sind wir in Greding eingekehrt. Dort standen alle Zuschauer aus dem Bus Spalier. Dann sind die Spieler unter Beifall in die Kneipe marschiert. Das ging unter die Haut.

Kraus: Wir hatten schon in der Terminansetzung etwas Pech und nur drei Tage Pause nach der ersten Relegationsrunde gegen Trogen, während Garching fünf hatte. Dann hat sich Frederic Martin im Hinspiel verletzt. Er hat uns total gefehlt. Wir hätten einfach ein Tor schießen müssen.

Geiger: Zu Hause haben sie uns beim 0:1 dominiert. Aber in Garching waren wir ebenbürtig. Sie haben erst am Schluss den Sack zum 0:2 zugemacht.

Trauern Sie der verpassten Chance nach?

Geiger: Ich werde ja immer für verrückt gehalten. Bei der ersten Spielersitzung vor dem Re-Start nach der Corona-Pause sagte unser Trainer Armin Eck: "Wir stehen nur sechs Punkte vor dem ersten Abstiegsrelegationsplatz." In meiner Ansprache sagte ich: "Wir sind nur sieben Punkte hinter dem Zweiten." Wir spielen insgesamt schon etwa 15 Jahre Landesliga. Da denkt man, dass man mal ranschnuppern könnte. Mein Traum bleibt die Bayernliga. Wenigstens mal ein Jahr. Wenn wir es nicht können, ist das eben so. Dann schauen wir, was wir besser machen können. Der erste Landesliga-Aufstieg 2000 war ja zum Beispiel völlig überraschend.

Kraus: Und vollkommen unvorbereitet. Dass wir 1999 von der Bezirksliga in die Bezirksoberliga stürmen und dann Zweiter werden, war überhaupt nicht abzusehen. Zumal Thiersheim im Relegationsspiel weit überlegen war. Aber wir haben zwei Tore gemacht und sie nur eines. Die Landesliga war völliges Neuland. Als Trainer vertrauten wir Johannes Lehnhardt, weil wir beide null Ahnung von der Landesliga hatten. Passend zu unserem 80-jährigen Jubiläum hatten wir das Auftaktspiel gegen den SC Weismain mit knapp 2000 Zuschauern. Das war Wahnsinn. Aber wir haben dann elf Spiele hintereinander nicht gewonnen.

Geiger: In der Aufstiegssaison spielten wir beim Tabellenführer in Mitterteich - Erster gegen Zweiter. Wir haben 0:8 verloren. Die Mitterteicher haben uns getröstet. Dabei ist eine Vereinsfreundschaft entstanden. Aber wir sind trotzdem aufgestiegen.

Danach haben Sie die Sau raus gelassen.

Geiger: Das kann man nicht beschreiben, wie das ganze Dorf mitgefeiert hat. Das hat am Donnerstagabend angefangen und ging bis Pfingstmontag. Viele sind ja gekommen, um zu schauen, ob die Friesener noch stehen.

Kraus: Als wir 1988 von der damaligen A-Klasse in die Bezirksliga aufstiegen sind, war das auch ein großes Highlight. Aber da wurde im Dorf bei weitem nicht so gefeiert wie 2000.

Geiger: Egal was passiert, so etwas wird es nicht mehr geben. Selbst wenn wir in die Bundesliga aufsteigen.

Kraus: Beim Landesliga-Aufstieg 2003 haben wir am Sportplatz gefeiert. Früh um 5 habe ich die Lautsprecheranlage eingeschaltet und das Mikrofon genommen. Zu zehnt oder zwölft sind wir auf dem Sportplatz auf- und abmarschiert und haben gesungen: "Steht auf, wenn ihr Friesener seid!" Dann kam die Polizei. Aus Eichenbühl war eine Meldung wegen Ruhestörung gekommen. Wir sagten : "Die Eichenbühler sind doch keine Friesener. Die hätten ja nicht aufstehen müssen." Sepp hat die Sache dann geregelt.

Danach gingen sie auf Trainersuche.

Geiger: 2003 hörte Henrik Schödel trotz des Aufstiegs auf. Wir haben dann Jürgen Iffland gefunden. Vor dem ersten Training kam er um halb 1 in meine Kanzlei. Er sagte, dass er heute Abend das Training nicht leiten könne und er nicht Trainer des SV Friesen werde. Aufstieg - Landesliga - Kein Trainer! Mir fiel Wolfgang Paschky ein, der kurz zuvor beim FC Lichtenfels zurückgetreten war. Norbert und ich haben uns beraten und ich habe ihn angerufen. Er konnte sich die Aufgabe vorstellen. Als ich ihm sagte, dass wir ihn heute Abend zum Training brauchen, antwortete er: "Verarschen kann ich mich selbst!" Um 17 gab es ein weiteres Telefonat und um halb 7 trafen wir uns.

Kraus: Ich war zu der Zeit schon beim Training. Fast 30 Fußballer waren da. Ich sagte ihnen, dass wir keinen Trainer hätten. Herr Iffland kommt nicht. Alle waren am Boden zerstört. Dann kam Paschky ins Sportheim. Wir sprachen etwa eine Stunde. Dann gaben wir uns die Hand und er sagte: "Mach ich."

Geiger: Dann ging er raus zum Training.

Darauf folgten sieben Jahre in der Landesliga. Der schrittweise Aufstieg begann ja schon in den 1980ern.

Geiger: Im Anlauf zur Bezirksliga sind wir zweimal gescheitert. 1986 haben wir in der Relegation gegen Adler Weidhausen verloren. Im Jahr darauf gegen Wacker Bamberg gewonnen, aber danach gegen DJK/Victoria Coburg verloren. Daraufhin haben uns ein paar Spieler verlassen. Alle sagten, dass wir jetzt in die B-Klasse absteigen würden. Aber dann sind wir als Meister in die Bezirksliga aufgestiegen.

1988 war der Aufstieg gar nicht geplant?

Kraus: Der Konkurrenzkampf mit unserem Patenverein TSV Steinberg war in gewisser Weise immer da gewesen. Der hatte damals viele Jahre Bezirksliga gespielt. Aber zwischenzeitlich hatte sich das relativiert. Trotzdem war es immer der Wunsch, wenigstens ein Jahr Bezirksliga zu spielen. Mit Lorenz Richter als Trainer haben wir das geschafft, was nicht zu erwarten war.

Sind Ihnen noch weitere Spiele besonders in Erinnerung geblieben?

Geiger: 2006 hatten wir ein Landesliga-Heimspiel gegen den FC Schweinfurt 05. Das hat die Polizei wegen der Fans sehr genau genommen.

Kraus: Das war ein sogenanntes Risikospiel. Wir mussten Gitter aufstellen, einen eigenen Zugang schaffen, eigene Getränke- und Essensversorgung und einen eigenen Toilettenwagen. Dann kamen etwa 30 Schweinfurter.

Geiger: Nachdem die Schweinfurter eine Rakete gezündet hatten, wollten unsere Ordner für Ruhe sorgen. Dann kam es zu einer mittelprächtigen Rauferei. Ich bin in die Gruppe rein und sagte: "Jetzt ist hier sofort Ruhe! Wer ist von euch der Chef?" Die Schweinfurter waren etwas perplex wegen meines grün-weißen Schals. Deren Farben sind ja auch Grün-Weiß. Ich habe ihm ein paar Maß Bier für seine Leute versprochen, wenn er für Ruhe sorgt. Er antwortete: "Wenn du deine Schläger im Griff hast. Ich hab meine im Griff!" Es war dann tatsächlich Ruhe.

Gibt es etwas, woran Sie sich gar nicht gern erinnern? Zum Beispiel die Abstiege?

Geiger: Die Abstiege waren ja klar. Der erste aus der Landesliga und der aus der Bezirksoberliga 1992 hatten sich angekündigt. Der Landesliga-Abstieg 2006 hätte nicht sein müssen.

Kraus: Den haben wir verschenkt. Wenn wir im letzten Spiel daheim ein Tor geschossen hätten, wären wir nicht abgestiegen. Aber es ist eben ein Hobby. Das muss man einfach abhaken.

Geiger: Als wir 2013 in die Relegation gekommen sind, waren wir Dritter und Etzenricht Zweiter. Beide waren punktgleich, aber unser Torverhältnis war um ein Tor schlechter. Weil wir aber den direkten Vergleich gewonnen hatten, wurden wir Zweiter. Das sind Dinge, bei denen wir auch mal Glück hatten. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten die Waage gehalten. Wir hatten ganz viel Glück. In jeder Beziehung. Ich sage immer aus tiefsten Herzen: Ich bereue keinen Cent und keine Mark, die ich für meinen SV Friesen ausgegeben habe.