Im Hirtenhaus, im Hof und im Garten können an die 40 Skulpturen aus Stein, Holz und Ton bewundert werden. Gottfried Grau hat sich durch die Sanierung des Gemeinde- und Hirtenhauses von 1507 große Verdienste erworben.

An den drei Jubiläumstagen erläutert der Künstler jeweils von 14 bis 17 Uhr die unterschiedlichsten Objekte aus Linde, Fichte, Ulme, Eibe, Mahagonie, Olivenholz, Sandstein und italienischem Muschelkalk.

Der in Steinberg geborene Gottfried Grau war 40 Jahre in der Fremde. Nach dem Abitur 1964 am Riemenschneider-Gymnasium in Würzburg verbrachte er über acht Jahre als Mönch in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach. In dieser Zeit studierte er Philosophie und Theologie. Bis 2007 arbeitete er in Stuttgart als Psychotherapeut für Kinder, Jugendliche und deren Eltern. Dann führte ihn sein Weg zurück in den Frankenwald.

Schnell verliebte er sich in das vom Verfall bedrohte Grössauer Gemeinde- und Hirtenhaus, das er mit großem Aufwand total sanierte. Mittels eines automatischen Läutwerks ertönt von diesem verschieferten Anwesen dreimal am Tag die Glocke für die Bürgerschaft. Deshalb wird der "Glöckner von Grössau", wie er sich gerne bezeichnet, besonders geschätzt.

Schon immer hatte Gottfried Grau Freude am kreativen Gestalten, sowohl für sich selbst als auch in der Arbeit mit Menschen. "Es ist mir wichtig, dass unsere Seele sich durch Gesang, Musik, Theaterspiel, Malen und Schreiben ausdrücken kann." Der Grössauer begann 2001 beim Akademischen Bildhauer Heinrich Schreiber während der Kronacher Sommerakademie mit der Steinbildhauerei. "Gerade durch diese Arbeiten habe ich im Lauf der Zeit wieder eine innere Bindung zum Frankenwald gefunden."

Die seelische Stimmung

Mittlerweile hat auch Grau, der unter anderem auch im Kammerchor an der Berufsfachschule für Musik Kronach mitwirkt, die Liebe zur Holzbildhauerei entdeckt und sich mittlerweile beachtliche Fertigkeiten angeeignet. "Bei meinen Kunstwerken spielt die Polarität des Lebens eine große Rolle. Zum Beispiel Frau - Mann, Tier - Mensch, Engel -Teufel, Leben - Tod. Stark hat mich auch die Musik beeinflusst. Davon zeugen unter anderem die Harfenspielerin, das Duett und Gesangstrio sowie Flötenspiel. Die Skulpturen ,Nixe und Pan‘, ,Tor zum schwarzen König‘, ,Flügelaltar zur großen Mutter‘ weisen auf mythisches Geschehen hin." Die seelische Stimmung, so der Künstler, drücke sich aus in den Skulpturen" Mutter und Kind", "Frau am Brunnen", "Schwangerschaft-Intuition" sowie "sinnender Mensch" aus.

"Dann geht bei mir einfach wieder der Spieltrieb durch mit ,zwei Wein trinkenden Bären‘, mit einer ,schnüffelnden Wildsau‘ oder aber mit dem ,Narrenbaum‘. Und seinen Stellvertreter setzt er auf eine Bank vor dem Haus mit abgetragenen Kleidern. "Schon oft haben vorbeifahrende Autofahrer meinem ,Stellvertreter‘ zugewunken", versicherte Gottfried Grau schmunzelnd, der sich mit großem Einsatz in Grössau ein kleines Paradies geschaffen hat, das ein Spiegelbild seiner Seele darstellt. Schließlich ist auch noch im Gartenhaus eine Fülle von Masken zu sehen. "Ich liebe das Maskenspiel und habe an vielen Maskenseminaren teilgenommen", bekennt sich der Grössauer zu seiner Leidenschaft.

Ein Besuch lohnt sich

Jedenfalls lohnt sich vom 3. bis 5. Mai ein Besuch beim Künstler, der mit einer großen Vielfalt überrascht. Im Format wechseln die Skulpturen von Kleinplastiken bis zu lebensgroßen Figuren, von naturbelassenen bis zu bunt bemalten Gestaltungen. Der Kreativität von Gottfried Grau scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Vor allem versteht er es, Steine zum Sprechen zu bringen.