Es ist ein Kontrast, der rund fünf Stunden vor dem großen Freischießen-Feuerwerk größer kaum hätte sein könnte. Unten im Tal liegt Kronach, eine Stadt, die sich an diesem späten Donnerstagnachmittag extrem lebendig zeigt. Alles pulsiert in Richtung Hofwiese.

Einige Höhenmeter weiter oben hingegen ist diese einsame, abgesperrte Wiese - unterhalb der Feste, nördlich der Stadt. Ein Ort der Ruhe, der normalerweise kaum Beachtung findet, an diesem Tag aber der Arbeitsplatz für sechs Pyrotechniker ist, die für das Feuerwerk verantwortlich sind.


2000 Feuerwerksbomben dabei

"Wir sind relativ weit weg vom Platz und können deswegen auch unser 400 Millimeter-Geschoss zünden", sagt Florian Schneider und zeigt auf eine riesige braune Bombe, die prall gefüllt mit Schwarzpulver ist. "Sie wiegt 30 Kilo, fast 19 davon sind explosives Material", sagt der Inhaber von "Pyrodrom Feuerwerk" aus Nürnberg. Seit mehreren Jahren ist die Firma für das Feuerwerk des Kronacher Freischießens zuständig.

Sechs Männer sind auf der Wiese, die während des Abschießens von Polizei und Feuerwehr abgesichert wird, im Einsatz. Mitgebracht haben sie Materialmengen, die man sich anhand der reinen Zahlen gar nicht so recht vorstellen kann. 2000 Feuerwerksbomben. Jede mit eigener Zündschnur. Dazu Kleinmaterial wie römische Lichter. Insgesamt 800 Kilogramm, die von Florian Schneider mit einem Knopfdruck gezündet werden.

Etwa in der Mitte der Show, deren Ablauf der 37-Jährige am PC programmiert hat, wird der 400-Millimeter-Kracher abgeschossen. "Er fliegt 400 Meter hoch und hat auch eine Ausdehnung von etwa 400 Metern. Diese Größenordnung ist selten", sagt der 37-Jährige, der noch weitere, nicht wesentlich kleinere Feuerwerksbomben mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern dabei hat.

"Der Krach ist wichtig, aber er muss System haben", sagt Schneider, der seit 16 Jahren Pyrotechniker ist und sich dabei auch als Komponist versteht. "Farbe und Ästhetik müssen stimmen, ein gutes Feuerwerk ist strukturiert", sagt der Nürnberger, der in Kronach viel auf Gold mit Pastelltönen setzt. "Das wird sehr hell."

Zwölf Minuten dauert die Show, dann - so Schneider - "schaut es hier aus wie auf dem Schlachtfeld". Aber nicht lange: Eine Viertelstunde müssen sie sich aus Sicherheitsgründen gedulden, dann überprüfen die Pyrotechniker jede Abschussstelle einzeln. Anschließend werden die Gestänge wieder eingeladen. Denn schon am Samstag werden sie wieder gebraucht. Dann sollen in Bad Rodach bunte Bomben krachen.