Schrittweise soll die Kronacher Innenstadt wiederbelebt werden. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gab am Donnerstag bekannt, dass Bayern die Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie etwas langsamer lockern will als andere Bundesländer.

So dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter ab dem 27. April wieder öffnen, genau so wie Kfz- und Fahrradhändler sowie Buchhandlungen. Schon ab dem kommenden Montag sind Bau- und Gartenmärkte dran, Friseure müssen sich bis zum 4. Mai gedulden.

Bei den Kronacher Händlern ist deshalb Erleichterung spürbar. Allerdings müssen sie ihre Läden nun auch auf die neuen Hygiene- und Sicherheitsvorschriften vorbereiten.

Pia Engelhardt, Geschäftsführerin Modetreff

Nachdem der erste Schock überwunden war, hat man sich beim Modetreff viele Gedanken gemacht, um die Situation zu meistern. Auf große Resonanz stieß ein Bring- und Rückholservice, so Geschäftsführerin Pia Engelhardt: "So konnten wir trotzdem etwas Umsatz realisieren." Auch im Internet auf Facebook und Instagram seien der Modetreff und die Filiale M1-Shop viel aktiver gewesen, "um unseren Kunden ständig neue Outfits zu präsentieren". Für die Wiedereröffnung sei man vorbereitet, Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel seien vorhanden, der etwa 400 Quadratmeter große Laden werde auf die Vorschriften ausgerichtet. Und Ware sei genug vorhanden. "Wir stehen bereit und hoffen, dass unsere Kunden wiederkommen. Unsere Verkäuferinnen brennen darauf, wieder etwas zu verkaufen."

Christina Schneider, Chefin Friseursalon Haarverliebt

Christina Schneider ist froh, nun Planungssicherheit zu haben, auch wenn sie sich aus geschäftlicher Sicht eine frühere Eröffnung gewünscht hätte. "Ich verstehe aber natürlich, dass man auf die Gesundheit Rücksicht nehmen muss", sagt die Chefin des Friseursalons Haarverliebt. Die vergangenen Wochen habe sie genutzt, um sich über mögliche Hygienemaßnahmen zu informieren. "Ich denke, in diesen zweieinhalb Wochen ist es machbar, alles Nötige umzusetzen."

Dann erwartet sie eine große Nachfrage bei den Terminen. "Unser Laden ist von der Größe her gut aufgestellt, so dass die Kunden beruhigt sein können und in gewissen Abständen sitzen können. Wir können die Termine nun auch so vergeben und sinnvoll planen, damit wir nicht zu viele im Salon sitzen haben."

Sylvia Ciolka, Geschäftsführerin Blumentöpfchen

Der Lieferdienst hat dem Blumenladen von Sylvia Ciolka über die Krise geholfen. In den vergangenen Wochen war die Geschäftsführerin des Blumentöpfchens in Kronach vor allem mit dem Ausliefern ihrer Pflanzen beschäftigt. "Das war schon stressig und aufwendig, und natürlich gab es auch Umsatzeinbußen. Aber die Kunden waren so nett, und viele haben bestellt. Das hatte ich nicht erwartet. Es gab keine Beschwerden und es hat alles geklappt. Ich denke, wir haben das Beste draus gemacht", sagt sie. Vor der Wiedereröffnung gebe es jedoch Schwierigkeiten bei der Versorgungskette, denn noch könnten nicht alle Händler liefern. Topfpflanzen oder Schnittblumen seien kein Problem, bei speziellen Aufträgen werde es wohl noch zwei bis drei Wochen dauern.

Michael Panhans, Geschäftsführer Buchhandlung Lesezeichen

Anders als in anderen Bundesländern müssen sich bayerische Buchhändler noch bis zum 27. April gedulden. "Direkt aus dem Stand wieder zu eröffnen, wäre auch etwas schwierig geworden", sagt Michael Panhans. Schließlich müsse er noch einige Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen umsetzen. Außerdem müsse er die Bestände wieder auffüllen. Viele Verlage hätten Neuerscheinungen hinten angestellt. Seit der Schließung hätten die Kunden vor allem über den Onlineshop und das Telefon bestellt. "Die Nachfrage war höher als erwartet, dafür blieben aber natürlich die Umsätze im Laden aus. Dazu war der Versand wesentlich aufwendiger. Über das Internet haben viele erfahren, dass wir weiter liefern können. Dadurch haben wir sogar Neukunden gewonnen."

Sandra Erhardt, Kundin aus Kronach

Sandra Erhardt schätzt vor allem den persönlichen Kontakt, wenn sie in der Kronacher Innenstadt einkaufen geht. "Manche Händler haben ihre Ware über Soziale Medien angeboten, aber da bin ich nicht aktiv. Natürlich war man jetzt auf das Internet angewiesen, aber ich möchte die Kronacher Händler schon unterstützen", sagt die 43-Jährige.

Deshalb ist die Kronacherin einerseits froh über die Lockerungen, gibt allerdings auch zu bedenken: "Es ist eine Gratwanderung. Ich merke, dass sich manche Leute nicht an die Abstandsregeln halten. Es ist für die Läden auch sicherlich schwierig, die nötigen Sicherheitsvorschriften umzusetzen. Es wäre schade für unser kleines Kronach, wenn Geschäfte wegen der Krise jetzt pleite gehen müssten."

Gastronomen warten weiter auf Lockerung - to-go-Geschäft reicht nicht

Während der Einzelhandel langsam aufatmen und sich durch den Fahrplan von Markus Söder auf die Eröffnung der Geschäfte vorbereiten kann, warten die Gastronomen in Kronach weiter auf gute Nachrichten für ihre Betriebe.

"Diese Verlängerung ist die Grenze", sagt Önder Cintosun von Annas Café in Kronach. Das Café, das er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Tanja Gremer leitet, ist in der Coronakrise komplett geschlossen. Die Situation sei extrem. "Es ist schwierig, ein Café mit to-go zu betreiben", sagt Önder Cintosun. Durch die neuen Regelungen dürfen Geschäfte öffnen, die größer sind als sein Café. Für Cintosun nicht unbedingt nachvollziehbar. Gerade kleinere Geschäfte und Cafés litten gleichermaßen stark unter der Krise. Für sie sei das Überleben am schwersten. Denn Kosten wie Pacht und Lohn müssten trotz Krise weiter bezahlt werden.

Bauarbeiten während Schließung

Die Pachtsorge hat das Gasthaus "Frische Quelle" in Kronach zum Glück nicht. Thomas Welscher ist Eigentümer des Lokals und muss diese Kosten schon mal nicht tragen. Welscher hat seine Gaststätte komplett geschlossen und die Zeit für etwas anderes genutzt. "Im Sommer sollte der Gastraum saniert werden. Das haben wir jetzt vorgezogen", sagt er. In den ersten beiden Tagen der Beschränkungen für Gastronomiebetriebe sei der Umsatz bereits um 60 Prozent eingebrochen. Dann hat sich der Familienbetrieb dazu entschieden, die geplanten Baumaßnahmen vorzuziehen und das Geschäft zu schließen.

Biergarten und Kegelbahn hätten die Umsatzeinbrüche durch die Baustelle kompensieren können. Durch die Coronakrise können diese Einnahmequellen aber nicht genutzt werden. "Die Abholung von Speisen reicht nicht, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Ohne Publikumsverkehr ist das unmöglich", sagt Welscher.

Die Hoffnungen liegen darauf, Ende Mai wieder eröffnen zu können. Die Baumaßnahmen sollten bis dahin auch beendet sein. Das Finanzielle müsse hinten angestellt werden, weil die Gesundheit der Menschen wichtiger ist. Denn Kontakt mit dem geforderten Mindestabstand von 1,5 bis zwei Metern lasse sich in der Gastronomie einfach nicht realisieren. Welscher hat Verständnis für die Entscheidungen der Politiker.

Stammkunden unterstützen

Eine Berücksichtigung bei den Lockerungen hätte sich die Pizzeria bei Matteo gewünscht. Der Italiener bietet seit der Schließung Pizza und Pasta abends zum Abholen an. Besonders die Stammkundschaft unterstützt das Lokal dadurch sehr. Aber aufgefangen werden können die Verluste durch das Wegbrechen der Kundschaft im Lokal dadurch nicht. Mitte oder Ende Mai würde der Betrieb gerne wieder für seine Kunden öffnen.