"Helene von Reichenbach" und "Helmut von Mittelberg und Geuser" - herrschaftliche Titel zieren die Außenwand der Mittelberger Radspitzeinkehr. Angemessen doch, kann man den Ausblick vom Reich der Familie Leipold nur als majestätisch bezeichnen. Und stolz wie auf ein ganzes Königreich wirkt auch Helmut Leipold, wenn er vor seinem Gasthof steht und mit Blick in die Ferne anzeigt, wo im Sommer die Sonne um 8.30 Uhr aufgeht und wo sie am späten Abend wieder verschwindet. "Die Lage ist einmalig", sagt Leipold nicht ohne Begeisterung. Trotzdem soll möglichst schnell ein Thronfolger gefunden werden.
 


Vom Schweinestall zu Einkehr


Über zwölf Jahre ist es her, dass Helmut Leipold gemeinsam mit Frau Helene den Beschluss fasste, den alten Schweinestall in Mittelberg in eine Gaststube umzubauen. Das Grundstück gehört schon lange der Familie, nach dem Tod seines Bruders geht der Besitz an den Beamten. "2005 haben wir dann gesagt: Lass uns was draus machen", so Leipold. "Damals war Mittelberg ja noch eine Ortschaft wie kurz nach dem Krieg", erinnert sich der 63-Jährige.

Die Radspitzeinkehr sei damals sein Beitrag gewesen, um die Ortschaft "anzufeuern". "Es ist einfach wunderschön, was sich in Mittelberg getan hat", sagt Leipold und berichtet von einem wunderbaren Miteinander, dem guten Verhältnis zu den Nachbarn und dem mit der Radspitzalm anliegenden Frankenwaldverein Seibelsdorf.

Bis heute hat er laut eigener Aussage über eine Viertelmillionen in die Einkehr investiert - doch das habe sich mittlerweile amortisiert. Denn gerade im Sommer sei Dank der besten Sonnenlage der Laden zuverlässig voll. Im Innenbereich der Radspitzeinkehr finden 50 Personen Platz, im Biergarten kann die Familie Leipold noch einmal rund 150 bewirten. "Wir wissen im Sommer oft nicht, wo uns der Kopf steht", sagt Leipold. "Da steht man an manchen Sonntagen von morgens um neun bis abends um zehn hinterm Zapfhahn - und das mit 63", sagt er und leitet damit auch die Begründung ein, warum er und seine Frau aufhören wollen. Seit genau einer Woche ist er im Ruhestand und findet: "Man muss ja auch mal zum Leben anfangen."

 

 


Endlich wieder Wochenende

Seit zwölf Jahren hätten er und seine Frau kein Wochenende mehr gehabt. Als Beamter habe er unter der Woche weiterhin Vollzeit gearbeitet. Seine Frau habe sich vor manchen Feiertagen die Nächte mit Kuchenbacken um die Ohren geschlagen. "Wir sind uns da einig, wir wollen auch mal Freizeit haben und die Zeit genießen können", sagt er.

Wehmütig sei er schon, fügt aber an: "Die Wehmut ist weniger geworden." Das Verhältnis zur Gemeinde sei mittlerweile angespannt, die Kommunikation laufe nicht mehr wie früher persönlich, sondern nur noch auf dem Postweg. Ein großer Streitpunkt sei der Ausbau der Straße von Seibelsdorf nach Mittelberg.

Mittlerweile haben sich laut Leipold zwei Lager gebildet: die Befürworter eines Straßenausbaus und diejenigen, die ihre Abgeschiedenheit durch die Asphaltierung bedroht fühlen. Leipold befürchtet, dass sich potenzielle Pächter von den schlechten Straßenbedingungen abschrecken lassen - erste Interessenten hätten ihm genau deshalb eine Absage erteilt.

 

 

 

 


Sollte sich niemand finden, der die Einkehr übernimmt, hat Leipold bereits einen Plan B in der Hinterhand: "Ich werde versuchen, eine Nutzungsänderung herbeizuführen", erklärt er seine Überlegungen, den Gasthof zu Wohnungen um- beziehungsweise auszubauen. Mit der exklusiven Wohnlage wolle er dann genau die Abgeschiedenheit als Konzept verkaufen, das die Gegner des Straßenausbaus bedroht sehen.

Doch zunächst halte man Ausschau nach einem Pächter. Doch auch wenn die Suche bereits angelaufen ist, wollen er und seine Frau mindestens noch bis Ende des Jahres weitermachen. "Vielleicht auch noch länger", sagt er - den Blick schon wieder in die Fernen "seines Königreichs" gerichtet.