"Die Hochwassersituation wird überprüft, ich werde mir das vorlegen lassen." Als Joachim Herrmann (CSU) diesen Satz am Mittwoch in Au sagt, hören viele der 120 Besucher ganz genau hinein. Schließlich ist es das Versprechen des zuständigen bayerischen Staatsministers für Inneres, Bau und Verkehr, die vom Markt Küps angemeldeten Bedenken am geplanten Ausbau der Bundesstraße 173 ernst zu nehmen und mögliche Alternativ-Varianten noch einmal durchzuspielen.


Überflutungen befürchtet

Der Hintergrund: Der Gemeinderat sorgt sich um den Hochwasserschutz entlang der Rodach, sollten die Bundesstraßen B 173 und B 303 so ausgebaut werden wie im jüngst veröffentlichten Bundesverkehrswegeplan vorgestellt.
Dieser sieht vor, zwischen Lichtenfels und Kronach neben der aktuellen Strecke eine neue vierspurige B 173 entstehen zu lassen, welche über die ebenfalls neu zu bauende "Lerchenhoftrasse" mit dem bereits ausgebauten B 303-Teilstück in Richtung Coburg verbunden werden soll.

Vor allem die mehrere Meter hoch geplante Auffahrschleife zwischen den beiden Straßen ist für die Küpser Stein des Anstoßes. Befürchtet wird, dass dadurch wichtige Versickerungsflächen abhanden kommen und bei Hochwasser Teile von Küps und allen voran Au überflutet werden könnten. Deshalb hat die Kommune gegen das Bauvorhaben eine Klage beim bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht.
"Deshalb sind wir hier nach Au gekommen, um mit den Bürgern zu diskutieren", sagte Jürgen Baumgärtner, Landtagsabgeordneter und CSU-Kreisvorsitzender, warum der im Rahmen des Landratswahlkampfes stattfindende Ministerbesuch dort stattfand, wo er stattfand.

Und die Bürger von Au ließen sich die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an den Minister zu stellen, nicht entgehen. Etwa 120 Menschen versammelten sich in der "Alten Schule", wo der Politikereinmarsch mit Frankenlied, Geschenkübergaben und Lobeshymnen sowie das gemeinsame Singen von Bayern- und Deutschlandhymne den zu einer Wahlkampfveranstaltung dazugehörenden Rahmen bildeten. Im Zentrum der Veranstaltung stand eine Rede des Innenministers. Doch auch die Bürger hatten das Wort und konnten ihre Fragen direkt an die Politiker stellen.


Verkehrsprojekte interessieren

Dabei klar ersichtlich: Die geplanten Verkehrsprojekte bewegen die Menschen der Region. So klagte beispielsweise Elisabeth Hoffmann, Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN), der ebenfalls gegen die geplante Trasse klagt, darüber, dass die von ihr favorisierte Zwei-plus-Eins-Lösung auf der bestehenden Strecke vom Tisch ist. Diese würde weniger Lärm und weniger Abgase verursachen sowie weniger Fläche verbrauchen. Und auch andere Stimmen mahnten den hohen Flächenverbrauch der Region an, der Lebensqualität bedrohe, beziehungsweise kritisierten den ihrer Ansicht nach mangelnden Hochwasserschutz.

Minister Herrmann antwortete, dass die meisten Menschen der Region den umfangreicheren Ausbau möchten. Schließlich gehe es um Zukunftschancen. Der Verkehrsanschluss beeinflusse das ganze Leben, von der Industrie bis zum Konzertbesuch. "Wir werden die bestmögliche Entlastung schaffen und dabei so wenig wie möglich neue Belastung bringen", versprach Herrmann auch mit Blick auf die Ortsdurchfahrt durch Küps, die im Bundesverkehrswegeplan noch außen vor gelassen wurde.

"Uns ist klar, dass die Küpser keine Umfahrung, aber auch nicht den jetzigen Stand möchten", sagte Herrmann. Die Verwaltung habe den Auftrag erhalten, zu diesem Thema Konzepte auf den Tisch zu legen, über die der Gemeinderat diskutieren kann.


Emotionale Rede

In seiner Rede vorher hatte der Minister die Straßenbaumaßnahmen nur gestreift. Die zentralen Themen seiner Ausführungen waren Flüchtlingssituation und Innere Sicherheit. "Am Flughafen kommt man ohne Pass nicht weiter, an der Grenze bei Kiefersfelden oder Freilassing kann man unkontrolliert rein. Das muss aufhören", forderte der Innenminister und kritisierte damit die Merkel'sche Politik der offenen Grenzen. "Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Wir müssen wieder unsere Gesetze anwenden und die Grenzen schützen." Mit Blick auf die Flüchtlinge sagte der Minister: "Jeder, der schutzbedürftig ist und sich integrieren möchte, ist willkommen. Was für uns verbindlich ist, muss aber auch für Flüchtlinge verbindlich sein."

Worte, für die Herrmann ebenso beklatscht wurde wie für seine Ausführungen zur Inneren Sicherheit. "Verbrechen gibt es schon seit Kain und Abel und wir werden sie auch nicht alle verhindern." Aber - so der Minister - Verbrecher dingfest zu machen, sei auch im 21. Jahrhundert elementare Grundaufgabe des Staates. "Deshalb wollen wir die bayerische Polizei weiterhin gut aufstellen", sagte Herrmann, der in den kommenden vier Jahren 2000 neue Polizisten einstellen möchte.