Derzeit ist er Weißenbrunns stellvertretender Bürgermeister, bei den bevorstehenden Kommunalwahlen will er den Chefsessel im Rathaus erobern. Michael Bohl bezeichnet seine Heimatgemeinde als einen "Rohdiamanten", den er zusammen mit seinem Gremium und den Bürgern "zum Glänzen" bringen will.

Weißenbrunn, so sagt der 43-Jährige im Gespräch, stehe derzeit gut da. Aber man müsse nach vorne blicken und Grundlagen schaffen, damit die Gemeinde auch weiterhin lebens- und liebenswert bleibt.

Der Schreinermeister ist mit Herzblut Weißenbrunner. Er ist dort aufgewachsen und lebt mit seiner Frau, zwei Töchtern und den Eltern in einem Mehrgenerationenhaus. Als Spezialist und Berater ist er deutschlandweit unterwegs, um Schreinereien zu beraten, wenn es um Investitionen für neue Technologien, Maschinen und Werkzeugen im Schreinerhandwerk geht. "Ich bin oftmals ein Problemlöser!"

Mann der klaren Meinung

Diese Eigenschaft könne er auch als Bürgermeister gut gebrauchen, sagt er. Ihm gehe es unter anderem darum, bei Problemen sich verschiedene Meinungen anzuhören, den Leuten zuzuhören, um anschließend mit dem Gremium die beste Lösung für die Kommune und für die Bürger zu finden.

Auch sollte sich ein Bürgermeister klar und deutlich äußern. Er will weiterhin eine bessere Informationspolitik aus dem Rathaus betreiben, regelmäßige Bürgerabende in allen Ortsteilen durchführen sowie ein Beschwerdemanagement einführen.

Bohl hält es für wichtig, dass ein Bürgermeister ehrlich und transparent mit der Bevölkerung umgeht. Die Leute wollten das, auch wenn Dinge mit Unannehmlichkeiten verbunden sind. Sie wollen auch, dass man ihre Sorgen und Anliegen ernst nimmt und ihnen zuhört. Bohl schwebt eine aktive Bürgerschaft vor, in der die Bewohner ihre Ideen und Vorschläge mit einbringen können.

Im Falle eines Wahlsiegs auf seine Pläne angesprochen, meint er: "Da weiß man nicht, wo man zuerst anfangen soll." In diesem Zusammenhang spricht er von der Erschließung neuer Baugebiete, die Beseitigung von Leerständen, die Sanierung von Straßen, Wasserleitungen und Abwasser. Er erwähnt den Ausbau von Betreuungseinrichtungen. Als sinnvoll hält er die Einführung eines Jugend-, Sport- und Seniorenbeauftragten. "Wir müssen unsere Großgemeinde für Familien und Senioren interessant machen!".

Geografisch gesehen, befinde sich Weißenbrunn in einer gewissen zentralen Lage, stellt er fest. Der Weg zu den Autobahnen und den nächsten Kreisstädten ist nicht weit. Das Vereinsleben und das Ehrenamt werden gelebt und gepflegt.

Bohl, der selbst in vielen Vereinen, wie der Kirchweihgesellschaft mit dabei ist und sich ehrenamtlich engagiert - sei es im Kindergarten oder bei den Schwimmbadfreunden - weiß, dass es oft die kleinen Dinge sind, die mit einer Anerkennung des Ehrenamts verbunden sind und für einen Verein von Nutzen sein können.

Ein Anliegen ist für ihn der regelmäßige Kontakt zu den heimischen Gewerbetreibenden und Unternehmen. Es gehe darum, auszuloten, wo der Schuh drückt. Bohl spricht weiter von einer Haushaltsstabilisierung und davon, dass viele Großprojekte wie das Gemeindeentwicklungskonzept, Dorferneuerungen, Straßen, Kanal, Wasser die Gemeinde fordern und langfristig binden werden.

Synergien sieht er durch verstärkte Kooperationen mit den Nachbargemeinden. Speziell beim Wasser will er eventuelle Partnerschaften prüfen. Derzeit bezieht Weißenbrunn noch aus eigenen Brunnen ihr Wasser. Mit 3,24 Euro pro Kubikmeter zahlen die Weißenbrunner mit die höchsten Wasserpreise im Landkreis. Vielleicht könnten Kooperationen mit anderen Kommunen oder Wasserzweckverbänden den Preis abfedern.

Den Ausbau von erneuerbaren Energien hält Bohl aus Klimaschutzgründen und wegen der Versorgungssicherheit für notwendig. Im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes seien alle Beteiligten gefordert, einen Beitrag zu leisten.

Er selbst habe schon vor Jahren auf seinem Anwesen Photovoltaikanlagen auf Dächern angebracht, um die eigene Stromversorgung sicherzustellen. Die restliche Energie werde ins Netz eingespeist. Mit einer Aktion "Ein Baum für jeden Neubürger", will er der Nachwuchs von frühester Kindheit ran an die Natur führen.

Rückenwind von Familie

Als Gemeinderat und zweiter Bürgermeister hat Bohl mittlerweile kommunalpolitische Erfahrungen sammeln können. Dadurch, aber auch in seiner Funktion als zweifacher Familienvater und durch den Kindergarten erlebe er hautnah, welche Dinge für die Bürger von Bedeutung sind.

Befürchtungen dahingehend, dass unter dem Bürgermeisterjob das Familienleben leiden könnte, hat Bohl nicht. Schon bisher sei er oft unterwegs, in Vereinen und als zweiter Bürgermeister im Einsatz. Er sei dankbar, dass ihm seine Familie den dafür erforderlichen Rückhalt gebe. "Das weiß ich zu schätzen. Ohne dem ginge es gar nicht!"

Nun hofft Bohl, dass ihm die Weißenbrunner ihr Vertrauen schenken. Mit 43 Jahren im Berufsleben noch einmal neu durchzustarten und dabei seine Heimat gestalten zu dürfen, "was gibt es da Schöneres?"