28. Auf diese Zahl leer stehender Geschäftsflächen kam unsere Redaktion bei ihrem Rundgang durch die Kronacher Innenstadt (siehe rote Punkte auf der Karte).

Als Innenstadt definierte sie dabei einen Bereich, der weitgehend deckungsgleich ist mit der unter Ensembleschutz stehenden Altstadt. Im Groben umfasst das Gebiet eine Fläche, die zwischen den Flüssen Haßlach und Kronach liegt und im Norden von der Klosterbrücke begrenzt wird.


Branchenspezifische Gründe

28 Verkaufsflächen also - teilweise schon sehr lange leer, teilweise noch recht jungfräulich auf dem Abstellgleis. Und mit den vielfältigsten Geschichten: So seien einige Leerstände branchenspezifisch, sagt Georg Köstner, der in der Stadt Kronach für das Leerstandsmanagement zuständig ist.
Besonders ehemalige Metzgereien und Bäckereien, die im Familienbetrieb waren, hätten es sehr schwer, Nachfolger zu finden. "Für einen Lehrling oder jungen Meister ist es in diesen Branchen sehr schwer, auch noch Miete zu zahlen. Wenn da keiner aus der eigenen Familie übernimmt, stehen die Gebäude oft leer." Auch weil oftmals umfangreiche Umbaumaßnahmen notwendig wären.

Schwer hat es derzeit auch die Modebranche. "Das Jojo in der Schwedenstraße hatte eigentlich keine schlechten Standortfaktoren", sagt Köstner. Dennoch musste es schließen. "Da wirkt sich die Onlinekonkurrenz wohl doch sehr aus."


Mietpreise zu hoch?

Doch es gibt auch Gründe, die bei mehreren Leerständen zutreffen. Georg Köstner sieht die Ansprüche mancher Vermieter als zu hoch an: "Die Eigentümer wollen immer noch das gleiche Geld, die Mietansprüche gehen nicht nach unten. Da geht es bei zehn Euro für den Quadratmeter aufwärts los und am besten soll ein Fünfjahresvertrag mit Kaution unterschrieben werden."
Diese Erfahrungen mache Köstner, dessen Aufgabe es ist, Eigentümer und potenzielle Ladenbesitzer zusammenzubringen, häufig. Hinzu komme in vielen Branchen der Trend, verstärkt im Netz einzukaufen. "Deshalb müssen die Vermieter mit den Ansprüchen runter. Die Bausubstanz wird ja durch den Leerstand nicht besser."


"Lieber wenig Miete als leer"

Bestätigung erhält Köstner von Klaus Mai, Geschäftsführer der Firma Schiffauer, die ihr stadtbildprägendes Gebäude in der Amtsgerichsstraße 11 seit über zehn Jahren an das Atelier und Modegeschäft "schwe stern" vermietet. "Wir handhaben die Miete moderat. Das ist uns lieber als Leerstand." Dabei habe Schiffauer Glück, dass das Finanzamt den hinteren Haustrakt gemietet hat. "Ein Teil der Nebenkosten ist auch gedeckt. Wir haben gute Erfahrungen gemacht", sagt Mai.

Stefan Pfaff ist Vermieter von mehreren Häusern in der Rosenau, wo er mit den Preisen kräftig nach unten musste, um Mieter zu finden. Zwar hat er dadurch in letzter Zeit einige Male neue Händler - wenn auch manchmal übergangsweise - gefunden. "Irgendwann ist das aber nicht mehr kostendeckend. In Kronach stehen zu viele Geschäftsflächen leer. So viel Potenzial für Geschäfte gibt es in der Stadt gar nicht."


Keine historischen Fehler: "Strukturveränderungen gibt es überall"

Hat Kronach historische Fehler gemacht, die dem Einzelhandel schaden?
"Nein", sagt Karl H. Fick, der von 1984 bis 2017 für die SPD im Stadtrat und zudem von 1972 bis 2014 im Kronacher Kreistag saß. "Strukturveränderungen gibt es überall, nichts ist beständiger als der Wandel. Teilweise habend die Leerstände zudem auch private Gründe."
Zwar stellt sich Fick schon die Frage, ob kleine und Kleinstgeschäfte noch eine Zukunft haben. Dennoch sieht er den Kronacher Mittelstand allgemein als stabil an. "Leerstände wird es immer geben. Bei der derzeitigen Wohnungsknappheit sollte man nachdenken, ob man nicht Wohnungen daraus macht. Dann müsste man auf der grünen Wiese auch nicht so viel versiegeln."

Fick erinnert sich daran, dass im Stadtrat oft über die Ansiedlung von von größeren Textilwarengeschäften, wie zum Beispiel "H+M" diskutiert wurde. Teilweise hätten Firmen auch Potenzialanalysen gemacht. "Oft scheiterte es an der Lage oder den Parkplätzen."


Straßenzüge im Wandel

Faktoren, mit denen sich der Kronacher Leerstandsmanager Georg Köstner ständig befasst. "Wenn in den 80ern oder 90ern eine große Kette in die Innenstadt gekommen wäre, hätte sie heute längst zu", sagt Köstner, sieht den Fehler aber nicht bei der Stadt. "Bis zur Grenzöffnung hatte man den ganzen Kreis Kronach als Einzugsgebiet. Durch die neue Konkurrenz, neue Verkehrswege wie die A 73 und den Onlinehandel ist das jetzt nicht mehr selbstverständlich."
Was Köstner in Kronach noch beobachtet, ist ein stetiger Wandel innerhalb der Straßenzüge. Während sich die Rosenau beispielsweise zuletzt wieder etwas gefangen habe, ist die Schwedenstraße derzeit ein Problem. Gleich vier Läden stehen leer. "Und das, obwohl die Lage nicht die schlechteste ist."

Außerdem fehle es der Innenstadt an Nahversorgungsläden - erst recht nach dem Aus des Obst- und Gemüseladens Eberhardt am Hussitenplatz. Eine generelle Veränderung sieht er in der Oberen Stadt: "Sie entwickelt sich vom Einkaufsort immer mehr wieder hin zur Wohngegend und zur Gastronomiemeile."