Das Kreisflößertreffen, das turnusgemäß in Unterrodach in der Rodachhalle stattfand, nimmt nach wie vor einen hohen Stellenwert im Landkreis Kronach ein. Die Garanten dafür sind die Flößervereinigungen aus Unterrodach, Wallenfels, Neuses und Friesen. Alle vier Interessengemeinschaften mit ihren rund 700 Mitgliedern pflegen engagiert das Erbe der Frankenwaldflößerei. Dies untermauerten in ihren Ansprachen Landrat Klaus Löffler, Bürgermeister Norbert Gräbner sowie Wissenschaftler Thomas Gunzelmann (Zapfendorf). Als neuer Floßherr stellte sich Landrat Klaus Löffler bei den Flößern vor - und er wurde begeistert aufgenommen.

Die Flößertreffen, die bereits 1969 auf Anregung von Landrat Edgar Emmert ihren Anfang nahmen, dienten ursprünglich vor allem dazu, ehemalige Berufsflößer in geselliger Runde zu versammeln. Damals trafen sich unter der Leitung von Willi Kestel immerhin noch 110 waschechte Flößer aus Unterrodach, Oberrodach, Zeyern, Wallenfels, Steinwiesen, Neuses, Friesen und Höfles mit einem Durchschnittsalter von 67,5 Jahren im Saal der Gastwirtschaft Seidel in Unterrodach. Nach und nach hat sich die Bedeutung gewandelt. Heute stellt diese Veranstaltung eine Art Bindeglied für diejenigen dar, die sich der Pflege der Flößereitradition verpflichtet wissen.

Obwohl 1958 die letzte gewerbliche Floßfahrt im Landkreis Kronach stattfand, sei die Flößerei auch heute noch in aller Munde, stellte Landrat Klaus Löffler mit großer Freude fest. Alle vier Flößervereinigungen hätten im Jahresablauf stets "Flagge" gezeigt. Vor allem werde die regionale Identität des Landkreises ganz wesentlich gestärkt. Davon profitiere ganz erheblich der Fremdenverkehr. Löffler: "Der Floßverein Unterrodach, die Flößergemeinschaft Wallenfels, die Flößervereinigung Friesen und der Flößerverein Neuses sind unsere maßgeblichen Garanten dafür, dass das Erbe der Frankenwaldflößerei bei uns im Landkreis Kronach in Ehren gehalten, in Aktivitäten umgesetzt und behutsam fortentwickelt wird." Deshalb sei das Kreisflößertreffen auch ein Ausdruck des Dankes an die Aktiven in den vier Vereinen, die einen wichtigen Dienst für unsere Heimatregion leisten.

"Wir dürfen im bewegten Heute nicht unseren Ursprung vergessen. Und auf dem mitunter ins Schwanken kommenden Floß unseres Lebens können wir uns die alten Frankenwald-Flößer als Vorbild nehmen, die den Naturkräften und sonstigen Unbilden ihres Berufes mit Fachkompetenz, mit Zähigkeit und mit Gottvertrauen begegneten", so der Landrat.

Klaus Löffler ging auch auf die rechtlichen Herausforderungen ein, mit denen die Flößer in jüngster Zeit konfrontiert wurden. Deshalb habe er sich mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann in Verbindung gesetzt. Dazu der Landrat: "Ich werde meinen Ermessensspielraum bei der Ermöglichung von zulässigen Ausnahmeregelungen im Interesse unserer Frankenwald-Flößerei voll und ganz ausschöpfen." Schließlich sei aus diesem Grunde ein Treffen des Floßausschusses Frankenwald mit den Bürgermeistern der Flößergemeinden im Landratsamt am 23. Oktober eingeplant, um gemeinsam die nächsten Schritte zur rechtlichen Sicherstellung der Floßfahrten zu besprechen.

Die Grüße des Gastgebers überbrachte Vorsitzender Friedrich Fricke, der insbesondere auf das deutsche Flößertreffen in Unterreichenbach (Baden Württemberg) im Jahre 2018 hinwies. Außerdem nannte er die Möglichkeit, dass wieder einmal eine Floßfahrt aus dem Frankenwald organisiert werden könnte.

Beim Flößertreffen, das musikalisch durch die Flößermusikanten des TV Unterrodach unter der Leitung von Walter Wich-Herrlein umrahmt wurde, bereicherte Rainer Renk mit seinen Bildbeiträgen zu den örtlichen Flößeraktivitäten die Zusammenkunft, die insbesondere durch die Unterrodacher Flößer sowie durch die Kreisheimatpflege des Landkreises mit Bernd Graf und Michael Trebes organisiert wurde. Gemeinsam wurde erstmals das neue Lied "Unser Landkreis Kronach - Oberfrankens Spitze" gesungen.

Wissenschaftler Thomas Gunzelmann referierte schließlich über die Flößerei. Wohl selten hat ein Wirtschaftszweig eine Region so intensiv geprägt wie die Flößerei den Frankenwald. Spätestens ab dem 16. Jahrhundert entwickelten sich Holzhandel und Flößerei hier zum wichtigsten Wirtschaftszweig. Um dem steigenden Holzbedarf gerecht werden zu können, wurden umfangreiche wasserbauliche Maßnahmen vorgenommen. Die Flößerei war nicht nur wirtschaftlich bedeutsam, sondern sie beeinflusste Landschaft, Ortsbilder, das gesellschaftliche und kulturelle Leben und den Menschenschlag des Frankenwaldes nachhaltig, so Wissenschaftler Gunzelmann.

So gehöre die Flößerlandschaft im Frankenwald zu den bedeutsamen Kulturlandschaften Bayerns. Die Notwendigkeit einer umfassenden wissenschaftlichen Inventarisierung war mehr als überfällig. So seien die mehrjährigen Forschungsarbeiten 2007 abgeschlossen worden. Immerhin seien 200 Kilometer Fluss- und Bachläufe sowie 44 Floßteiche erforscht und dokumentiert worden. Dabei habe man zwölf Schwerpunkte im Bereich der Denkmallandschaft Flößereierbe, die erhaltens- und förderungswürdig seien, herausgestellt. Als Beispiel nannte Gunzelmann unter anderem das Flößerdorf Unterrodach mit seinen Floßherrenhäusern aus dem 19. Jahrhundert, Kirche, kunstvoller Gruftanlage, Terrassengarten, Wasserbauwerk wie Angerwehr, "Weltbau" und Ufermauern sowie Floßlände.

In diesem Zusammenhang ging Thomas Gunzelmann auch auf die Triftbäche im Bayerischen Wald ein. An dem über 50 Kilometer langen Ausbau seien unter anderem Flößer aus dem Frankenwald beteiligt gewesen. Die Denkmalpflege bemühe sich um den Erhalt. Dagegen wolle die Naturparkverwaltung den Rückbau.

Weiter informierte der Wissenschaftler, dass die Gemeinde Knetzgau über den 527 Kilometer langen Main eine umfassende Dokumentation im Rahmen eines überregionalen Museums plane. Dazu wolle man auch die Flußberufe mit den Fischern, Sandschöpfern und Flößern aus dem Frankenwald herausstellen. Schließlich sei der Main ganz hölzern gewesen, betonte Gunzelmann.