1692 Tonnen Leichtverpackungen wurden im Jahr 2018 im Landkreis Kronach entsorgt. Zum Vergleich: Im selben Jahr kamen 12 155 Tonnen Restmüll und 4898 Tonnen Papiermüll zusammen. "Unter Leichtverpackungen fallen alle Kunststoffverpackungen, die in der Gelben Tonne oder im Gelben Sack entsorgt werden", weiß Susanne Knauer-Marx, Sachgebietsleiterin Abfallwirtschaft im Landratsamt Kronach.

Die meisten Plastikverpackungen würden dabei deutlich weniger wiegen als beispielsweise ein Karton. Laut Knauer-Marx gehöre alles in die Gelbe Tonne, was um Produkte herum ist. "Die Kunststoffe werden erst in den Verwertungsanlagen gewaschen, deswegen müssen die Verpackungen vor dem Wegschmeißen nicht gewaschen werden." Bei Shampooflaschen ließe es sich beispielsweise nicht verhindern, dass ein kleiner Rest in der Verpackung bleibt.

In vier Fraktionen unterteilt

Bevor die entsorgten Verpackungen in die Verwertungsanlage gebracht werden, kommen diese zunächst in Sortieranlagen. "Unterteilt wird in insgesamt vier große Fraktionen: Kunststoffflaschen, Kunststofffolien, Verbundverpackungen und kleine Teile", erklärt Knauer-Marx. Unter Verbundverpackungen fallen beispielsweise Milch- und Safttüten. Diese seien aus Plastik, Papier und zum Teil aus Aluminium oder Folien. "Die Verpackungen von allen möglichen Naschereien, wie zum Beispiel Pralinen, setzen sich aus Papier und Plastik zusammen, trotzdem werfen viele Verbraucher alles in die Gelbe Tonne", berichtet Knauer-Marx. Unter die Fraktion "kleine Teile" fallen unter anderem Kaugummipapiere und Medikamentenblister. "Vieles lässt sich gar nicht so leicht raus sortieren."

Ein Teil des Kunststoffmülls aus dem Landkreis wird in die Sortieranlage in Rehau (Landkreis Hof) gebracht. Knauer-Marx war bereits vor Ort: "Der Müllcontainer wird angeliefert und zunächst am Eingang ausgekippt." Im Anschluss werde der große Kunststoffhaufen in die Halle auf ein Sortierband gebracht und dort von Menschen und durch Maschinen in die verschiedenen Fraktionen sortiert.

Großteil energetisch verwertet

Je nachdem, wie gut verwertbar die Kunststoffe sind, werden diese anschließend in einer Verwertungsanlage beispielsweise zu Kunststoffgranulat verarbeitet. "Das Granulat wird unter anderem für die Produktion von Mülltonnen verwendet", sagt Knauer-Marx.

Der Teil, der nicht verarbeitet werden kann, wird in Verbrennungsanlagen als Ersatzbrennstoff verwendet. Laut dem Umweltbundesamt waren dies im Jahr 2015 50,6 Prozent, 48,8 Prozent wurden stofflich verwertet. Ein kleiner Rest landete auf Mülldeponien oder in der Abfallverbrennung.

Knauer-Marx Meinung nach kann jeder Einzelne Müll vermeiden. "Oft lassen sich Verpackungen nicht umgehen, aber vor allem Obst und Gemüse kann man lose kaufen."

Weniger Plastik - so kann's gehen

Plastik ist ein großartiges Erzeugnis des menschlichen Forschergeists. So schützt Plastik beispielsweise Lebensmittel vor Keimen. Lebensmittel können auf diese Weise länger verzehrt werden.

Der Triumph des Plastiks aber hat eine dunkle Seite. Plastik zerstört die Umwelt und attackiert darüber hinaus auch ganz unmittelbar die menschliche Gesundheit. Da Plastik sich nur sehr langsam abbaut, sammelt sich immer mehr Müll an. Eine einzige Plastikflasche braucht laut Umweltbundesamt bis zu 450 Jahre, um komplett abgebaut zu sein. "Nicht zuletzt landen mikroskopisch kleine Kunststoffe, so genanntes Mikroplastik, über die Nahrungskette früher oder später wieder auf unseren Tellern", sagt Matthias Zeuner-Hanning von der Verbraucherzentrale Bayern.

Von heute auf morgen komplett auf Plastik zu verzichten - das geht. Diese radikale Umkehr allerdings setzt die Bereitschaft voraus, auf viele für selbstverständlich gehaltene Annehmlichkeiten zu verzichten.

Die andere Möglichkeit ist, Schritt für Schritt, und mit jedem Schritt ein bisschen mehr, Plastik aus seinem Leben zu verbannen. Das kann gelingen, ohne dass darunter die eigene Lebensqualität leidet. Die Verbraucherzentralen in Bayern und Nordrhein-Westfalen geben fünf Tipps für die Reduzierung von Plastik im Alltag.

1. Auf Mehrzwecktaschen setzen

Seit Plastiktüten nicht mehr unentgeltlich, sondern nur noch gegen einen - wenn auch geringen - Betrag im Handel abgegeben werden, sinkt ihr Verbrauch merklich.

Trotz ihres vordergründig guten Images gelten Einwegtaschen aus Papier oder auch Biokunststoff als keine wirklich umweltfreundliche Alternative. Abfallfreie und umweltfreundliche Wegbegleiter für Einkäufe sind die bewährten Stoffbeutel und der Einkaufskorb.

"Praktisch für Spontaneinkäufe und aus ökologischer Sicht noch besser als Baumwolltaschen sind leichte Mehrwegtaschen aus robustem Polyestergewebe", sagt Matthias Zeuner-Hanning von der Verbraucherzentrale Bayerb. Sie ließen sich klein verpacken und in Rucksack oder Handtasche mitnehmen.

2. Dünne Tüten bei loser Ware vermeiden

Kleine Stoffbeutel mit Zugband sind nach Überzeugung der bayerischen Verbraucherzentrale "eine gute Alternative" zu den dünnen Plastikbeuteln, mit denen offenes Obst und Gemüse transportiert werden. Zugbeutel werden in Bioläden sowie auch im Internet angeboten. Sie können darüber selbst aus Stoffresten hergestellt werden.

Voraussetzung dafür ist lediglich ein Mindestmaß an handwerklichem Geschick. Zugbeutel sind auch für trockene Produkte wie beispielsweise Brot eine umweltfreundliche Alternative: "Allein für Ihre Sonntagssemmeln sparen Sie um die 50 Papiertüten im Jahr ein", sagt Matthias Zeuner-Hanning.

3. Läden mit unverpackten Waren ausprobieren

Das Engagement von Supermärkten und Discountern soll nicht geleugnet werden. Aufgescheucht von Debatten für mehr Umwelt- und Klimaschutz sowie sich wandelnden Kundenpräferenzen sind auch sie zunehmend an einer Vermeidung von Plastikmüll interessiert.

Daneben sind nach Auskunft der Verbraucherzentrale Bayern insbesondere Bioläden, Hofläden oder Wochenmärkte Alternativen, um Waren unverpackt und damit ohne die sie umgebenden Plastikverpackungen zu kaufen.

Das Geschäftsmodell der "Unverpackt-Läden" ist das Angebot von losen Waren, die der Kunde bei seinem Einkauf in von ihm selbst mitgebrachte oder wiederverwendbare Behälter abfüllt. Das Gros der "Unverpackt-Läden" bietet inzwischen einen großen Teil des täglichen Bedarfs an. Dazu gehören sogar oft Putz- und Waschmittel.

4. Eigene Verpackungen verwenden

Die in Deutschland geltenden Hygienevorschriften sind streng. Der Bereich hinter der Theke ist Sperrgebiet für Materialien, die nicht aus dem entsprechenden Geschäft selbst stammen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind inzwischen aber "mehrere Praktiken" entstanden, die diese Problematik umgehen: So wird die Ware über die Theke direkt an die Kunden gereicht, teilweise mithilfe von Papier oder einer Zange.

Oder der Kunde stellt seine Vorratsbox auf ein Tablett auf der Theke. Das Verkaufspersonal füllt sie dort. Auch einen Coffee-to-go-Mehrwegbecher befüllen inzwischen viele Cafés und Bäckereien.

5. Auf Plastikflaschen verzichten

Das Leitungswasser in Deutschland besitzt eine hohe Qualität und punktet mit weiteren Vorteilen wie einem unschlagbar günstigen Preis. "Damit vermeiden Sie jegliche Verpackungen und Sie müssen keine schweren Kisten schleppen", sagt Matthias Zeuner-Hanning von der Verbraucherzentrale Bayern.